10 Jahre Twitter in 10 Tweets

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10 Jahre Twitter in 10 Tweets

Kommentare zum Artikel: 7

Es ist diesen Monat zehn Jahre her, dass ein Entwickler in San Francisco folgende Worte ins Netz gestellt hat: „just setting up my twttr“. Es waren 24 von 140 möglichen Zeichen – und es war die Geburtsstunde für ein großartiges und bis heute bemerkenswertes soziales Netzwerk: Mit diesem ersten Tweet hat Jack Dorsey Twitter gegründet.

Mit seinen heute gut 300 Millionen Nutzern hat der Dienst in diesen zehn Jahren immer wieder Geschichte geschrieben – zum Beispiel mit diesen zehn Tweets.


2006: Jack Dorsey richtet „Twttr“ ein, wie der Onlinedienst zu Anfang noch heißt. Heute ist Dorsey Vorstandsvorsitzender von Twitter als Aktiengesellschaft.


2007: Chris Messina, einer der ersten Nutzer und heute Mitarbeiter bei Uber, schlägt die Raute als Zeichen vor, um Themen innerhalb von Twitter zu gruppieren. Damit erfindet er den Hashtag, den es als Funktion heute in vielen sozialen Netzwerken gibt und der sogar zum Phänomen in der Popkultur wurde.


2008: James Buck wird als Student von ägyptischen Sicherheitskräften festgenommen, weil er an einer regierungskritischen Demonstration teilnimmt. Der Tweet erzeugt eine Welle der Empörung, so dass Buck schon wenig später twittern kann: „Frei“.


2009: Jānis Krūms fotografiert die Notwasserung eines Flugzeugs im Hudson River; das Foto ist bis heute beim früheren Twitter-Dienst TwitPic zu sehen. Dieser Tweet bringt den endgültigen Durchbruch für Twitter, weil er vielen Journalisten deutlich macht, wie wichtig Twitter für die Echtzeitrecherche bei wichtigen Ereignissen ist.


2009: Mike Massimo veröffentlicht den ersten Tweet aus dem All. Jahre später wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst zum Star – auch weil er seinen Aufenthalt an Bord der internationalen Raumstation ISS ausführlich bei Twitter dokumentiert.


2011: Sohaib Athar twittert, ohne es zu wissen, über den Einsatz der USA im pakistanischen Abbottabad, bei dem Al-Kaida-Chef Osama bin Laden getötet wird.


2012: Barack Obama verkündet seine Wiederwahl, wenige Sekunden, nachdem das Wahlergebnis feststeht. „Vier weitere Jahre“ – dieser Tweet wird in nur wenigen Stunden hunderttausendfach retweetet und bricht damit Rekorde.


2013: Anne Wizorek schlägt vor, dass Frauen ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus unter dem Hashtag #aufschrei twittern – und zeigt damit, welche Macht von Twitter als Kampagnenplattform ausgeht. Der Hashtag #aufschrei wird später zurecht mit dem renommierten Grimme Online Award ausgezeichnet.


2014: Ellen DeGeneres postet während der Oscar-Verleihung ein Gruppenselfie, unter anderem mit Brad Pitt, Angelina Jolie, Meryl Streep, Jennifer Lawrence, Julia Roberts und Bradley Cooper. Das Foto wird zum meistverbreiteten Tweet bisher.


2015: Joachim Roncin entwirft nach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ den Schriftzug „Je suis Charlie“, der im Anschluss um die Welt geht und als Zeichen der Trauer und Solidarität sogar in der Tagesschau zu sehen ist.

So relevant Twitter übrigens heute ist, so sehr hadern die Nutzer mit ihm. Der Mainstream versteht Twitter vor lauter kryptischen Nutzernamen und Hashtags oft nicht. Die Kernnutzerschaft dagegen stört, dass Twitter den Mainstream besser ansprechen möchte, einen Algorithmus für die Timeline einführt und angeblich sogar darüber nachdenkt, die Hashtags, so wie wir sie heute kennen, abzuschaffen.

Dieses Jahr könnte ein Schicksalsjahr für Twitter werden, denn Jack Dorsey hat sich offenbar die Flucht nach vorne vorgenommen und den Dienst selbst in zentralen Bestandteilen umzubauen. Langweilig wird es also bestimmt nicht.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

7 Kommentare

  1. @Suchtfrei: Man muss zwischen den Menschen unterscheiden die mit dem Internet arbeiten und denen, die das Netz nur als Informationskanal nutzen (Videos, GIF’s, Pornos…). Das sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe!

    Gleich und gleich gesellt sich eben gerne, bei Twitter ufert es lange nicht so polemisch aus wie auf Facebook.

  2. Suchtfrei. am

    Hallo? Ist da noch jemand in der wirklichen Wirklichkeit? BITTE AUFWACHEN!
    Auch dieses „Twitter“ ist doch nichts anderes und nicht mehr als digitales Rauschgift, genau wie dieses „Facebook“ und seine Spießgesellen.
    Menschen brauchen es so nötig wie einen Kropf oder wie Hämorrhoiden (oder eben, um im Bild zu bleiben, wie Crack!).
    „Digital Detox“ (digitale Entgiftung) heißt die Devise, und unter diesem Stichwort findet Ihr hilfreiche Links zu Ausstiegs- und Abstinenzhilfen – aber bitte nicht bei diesem „Google“ eingeben, die gehören ja auch im weitesten Sinne zu den asozialen Medien, sondern bitte bei ixquick.com, der diskretesten Suchmaschine der Welt.

    • @Suchtfrei.: Sie haben Ihren Punkt mittlerweile unter unzähligen Beiträgen klargemacht. Ich fände es gut, wenn wir nicht ständig die ewig gleiche Diskussion führen müssten.

      • Sehr geehrter Herr Horn,
        es tut mir leid, wenn ich SIE nerve, und ich habe auch begriffen, daß SIE meinen Standpunkt nicht teilen, die Gefahren nicht (als solche) wahrnehmen (wollen) und ich SIE gleichsam „nicht erreichen“ kann..
        Und ich verstehe daher auch, daß SIE nicht weiter mit mir diskutieren wollen, was zweifelsohne Ihr gutes Recht ist.
        Aber vielleicht gestehen Sie mir zu, daß ich gerne mit steten Tropfen den Stein höhlen und zudem gern eine möglichst große Vielzahl von Menschen erreichen (können) möchte, unter denen dann vielleicht die eine oder der andere ist, die oder der mit mir in einen Dialog kommen möchte: SO habe jedenfalls ICH diesen Blog Digitalistan bislan verstanden: Als dialogisch angelegt.
        Wünsche jedenfalls ein ruhiges, d.h. smartphonefreies Wochenende! :-)

        • Dennis Horn am

          @Suchtfrei.: Ich bin keineswegs genervt. Sie kämpfen da aus meiner Sicht nur einen Kampf gegen Windmühlen. Aber das überlasse ich ganz Ihrer Entscheidung. ;)

  3. Ihr solltet euren Programmierern mal sagen, dass sie eure Seite kompatibel mit allen Geräten und Browsern machen sollen. Wir haben 2016.

    Ich sehe nur „Von Dennis Horn“ und „Über den Autor“. Nichts dazwischen.

    • Dennis Horn am

      @Flosch: Das ist doch alles, was man wissen muss ;). Im Ernst: Könntest du mir sagen, mit welchem Browser und auf welchem Gerät du das Blog liest? Das würde bei der Fehlersuche helfen. Danke!

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