20 Jahre Smartphone – und das Ende schon in Sicht?

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20 Jahre Smartphone – und das Ende schon in Sicht?

Kommentare zum Artikel: 7

Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie es war, rund um die Uhr diesen Klotz mit mir herumzutragen. Ein halbes Kilo schwer, völlig überdimensioniert und eine Garantie dafür, angeglotzt zu werden, weil man kein kleines Handy besitzt, so wie alle anderen auch. Der Nokia 9000 Communicator, dieser Knochen zum Aufklappen, dieses „Büro im Westentaschenformat“, wie Nokia ihn auf der CeBIT 1996 nannte.

Für mich war der Communicator in den 90ern eine Befreiung: Endlich konnte ich das Internet unterwegs nutzen. Auf einem gruseligen Schwarzweißdisplay hat das Gerät eine Website zwar nur quälend langsam geladen. Aber allein E-Mails von unterwegs aus zu lesen und zu beantworten, war damals eine Sensation. Dazu ein Kalenderprogramm, ein digitales Adressbuch, eine Funktion für Notizen – und nicht zu vergessen: die Möglichkeit, auch unterwegs Faxe zu verschicken und zu empfangen.

Oft wird auch der IBM Simon als erstes Smartphone der Welt bezeichnet. Den aber gab es nur in den USA, und ins Netz kam man damit auch nicht. Mit dem Communicator, dessen erste Version am 15. August 1996 in Deutschland in den Verkauf gegangen ist, hat Nokia dagegen einen Erfolg gelandet, der sich bis in die späten 2000er zog, bis dann Apple mit dem iPhone den kompletten Markt auf den Kopf gestellt hat. Nokia hat die Entwicklung kalt erwischt – die Mobilfunksparte ging am Ende an Microsoft.

„Every once in a while a revolutionary product comes along that changes everything“ – mit diesen Worten hat Steve Jobs 2007 das iPhone vorgestellt und damit den kompletten Mobilfunkmarkt auf den Kopf gestellt.

Mittlerweile sind Smartphones, wie wir sie heute kennen, ausentwickelt. Die größten Techniksprünge sind wohl gemacht. Und vermutlich werden sich die Geräte, die wir in fünf Jahren in der Hand halten, auch nicht groß von denen heute unterscheiden.

Selbst die Reihe weiterer Entwicklungen, die noch auf uns warten, lässt sich recht klar benennen. Das Bezahlen per Smartphone zum Beispiel – für das die Technik schon in den meisten aktuellen Geräten steckt, das in Deutschland als traditionellem Bargeldland wohl nur Zeit braucht, um ins Rollen zu kommen. Oder das Smartphone als Schlüssel, um Türen oder das eigene Auto zu öffnen – verbunden mit neuen Möglichkeiten zur Identifikation, statt eines Codes zum Beispiel per Gesichtserkennung oder Irisscan.

Die Ortungsfunktionen werden genauer und uns in Zukunft nicht nur über Straßen, sondern auch durch Gebäude lotsen. Smartphones werden flexibel und biegsam. Und auch am Akku wird gearbeitet: Entwickelt werden nicht nur stärkere Akkus, sondern auch Schnellladetechniken, die es zum Beispiel möglich machen, Smartphone-Akkus innerhalb von 20 Minuten auf 70 Prozent zu bekommen.

Datenbrille

Steckt die Zukunft des Smartphones in unserer Brille? Wandert sie als Smartwatch an unser Handgelenk? Oder nimmt sie noch einmal eine ganz andere Richtung?

Smartphones haben uns vom Computer befreit. Kommt jetzt der Moment, in dem wir uns vom Smartphone befreien? Daten- und Augmented-Reality-Brillen wie die Google Glass oder die Microsoft HoloLens, die uns wichtige Informationen direkt ins Blickfeld einblenden, könnten ein erster Schritt dazu sein. Genauso Smartwatches, die uns zum Beispiel SMS oder eine Karte der Umgebung direkt auf dem Display anzeigen und für die wir das Smartphone nicht einmal mehr aus der Tasche holen müssen.

Das Smartphone der Zukunft könnte auch einfach als Stecker im Ohr sitzen. Darüber ließe sich direkt telefonieren, das Gerät könnte uns den Weg diktieren – und uns auch live Dinge übersetzen, wenn Menschen in unserer Umgebung eine fremde Sprache sprechen. Der nächste Schritt in der Entwicklung des Smartphones könnte also auch darin bestehen, dass das Gerät zum Teil wieder verschwindet.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

7 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG! am

    „Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie es war, rund um die Uhr diesen Klotz mit mir herumzutragen.“
    Ehrlich? „Rund um die Uhr“?!
    Und SIE sind der, der mir hier an diversen Stellen erzählt, er sei nicht smartphonesuchtkrank…!
    Übrigens, neuer Buchtip:
    Thomas Grüter, „Offline! – Das unvermeidliche Ende des Internets und der Untergang der Informationsgesellschaft“
    Sehr instruktiv und definitiv NICHT von Manfred Spitzer, also auch für Sie lesbar! ;-)

    • @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG!: Abgesehen, dass es sich bei solchen Formulierungen mitunter um Stilmittel handelt: Ein Gerät „rund um die Uhr“ mit sich herumzutragen, bedeutet nicht, es rund um die Uhr zu nutzen.

      Danke für den Buchtipp. Ich lehne dank des schon wenig differenzierten und unsinnigen Titels dankend ab.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG! am

        Sehr geehrter Herr Horn:
        Thomas Grüter ist ein renommierter Wissenschaftsautor; sein Buch ist im gleichermaßen renommierten Springer-Wissenschaftsverlag erschienen, der auf seiner Webseite zu dem Buch folgendes schreibt:

        „Noch in diesem Jahrhundert wird die Informationsgesellschaft an ihr Ende kommen, weil die globalen Informationsnetze reißen. Das ist die provozierende These des Wissenschaftlers und Sachbuchautors Thomas Grüter.
        Den meisten Menschen erscheint das Internet wie eine eigene Welt, in der Entfernungen keine Rolle spielen, Daten wie von selbst um den Globus fliegen und alles Wissen dauerhaft auf Knopfdruck zur Verfügung steht. Aber dieser Eindruck, so Grüter, täuscht: Das Internet ist eine von Menschen geschaffene Scheinwelt, die mit immens hohem Aufwand in Betrieb gehalten wird. Dennoch vertrauen wir dieser störanfälligen Schöpfung einige unsere wichtigsten Schätze an: nämlich unser Wissen und die Steuerung der Infrastrukturen, die uns am Leben erhalten.
        Der Autor zeigt in seinem nachdenklich stimmenden Buch zweierlei: warum das gefährlich ist und wie wir Vorsorge treffen können, bevor es zu spät ist. In der Entwicklung der Menschheit könnte die Informationsgesellschaft durchaus einen wichtigen Meilenstein darstellen. Doch wenn wir vergessen, ihre grundlegenden Strukturen zu sichern, wird sie zusammenbrechen, bevor sie wirklich Fuß gefasst hat.
        Grüter argumentiert schlüssig und weist nach, wie zerbrechlich die Grundlagen unserer Lebenswelt sind. Ein wichtiges und aufrüttelndes Buch zur rechten Zeit!“

        Ihr scheuklappen- und tunnelblickartiger Ablehnungsreflex spricht nicht gerade für jemanden, der ein Publzist sein will, und noch weniger weist es Sie als einen Menschen aus, der sich wirklich kritisch mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen bereit ist.
        Vielmehr mutet Ihre Reaktion tatsächlich wie die eines Süchtigen an, der Angst bekommt, man wolle ihm seinen Stoff wegnehmen – oder/und wie jemand, dessen Gott gelästert wird:
        Traurig, schade und schlimm….. :-(
        Ach übrigens: Anläßlich dieser Computerspielemesse in Köln widmet sich der Westdeutsche Rundfunk WDR, den Sie vielleicht kennen, auf seinen Webseiten ausführlich der Suchtproblematik, die er, der WDR, durchaus als vorhanden und bedenklich wahrnimmt…

        • @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG!: Zu einer differenzierten Debatte zum Thema tragen Fakten eher bei als Thesen – auf einer solchen fußt das Buch ja, wie mir scheint.

          Mit der Suchtproblematik habe auch ich mich schon in Beiträgen beschäftigt, zuletzt zum Beispiel mit dem zu häufigen Griff zum Smartphone, den Forscher der Uni Bonn für bedenklich halten, und ich übrigens genauso. Ich mag’s eben nur differenziert und nicht hysterisch.

  2. Hallo,
    ich benötige kein Smartphone.
    Da ich nicht ständig erreichbar sein will, besitze ich lediglich ein ganz normales Handy, ca. 10 Jahre alt. Dies schalte ich nur ein, wenn ich mal telefonieren möchte! Die Mailbox höre ich grundsätzlich nicht ab.
    Wer mich erreichen will, kann es über Festnetz versuchen und wenn ich zu Hause bin, gehe ich auch ans Telefon. Einen Anrufbeantworter habe ich ebenfalls nicht.
    Ich lebe zufrieden, habe einen lieben Freundes- und Bekanntenkreis und alle respektieren meine Entscheidung.
    Gorem

  3. Dennis Horn am

    @Nivea: Ich habe Ihren Kommentar gelöscht, weil er sich nicht mit dem Inhalt des Blogartikels beschäftigt hat. Bitte bleiben Sie in diesem Blog beim Thema! Danke für Ihr Verständnis!

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