20 Jahre Wikipedia: Interview mit Katherine Maher

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20 Jahre Wikipedia: Interview mit Katherine Maher

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Vor genau 20 Jahren hat Jimmy Wales die Online-Enzyklopädie Wikipedia gegründet – und den ersten Beitrag geschrieben. Heute ist Wikipedia der Inbegriff für das Nachschlagen von Informationen im Netz. Wikipedia ist unbestreitbar das Nachschlagewerk schlechthin. Keineswegs über jeden Zweifel erhaben. Aber doch allgemein akzeptiert, respektiert, wertgeschätzt und vor allem intensiv genutzt.

Die Zahl der veröffentlichten Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia wächst konstant; Rechte_ WDR/Schieb

Die Zahl der veröffentlichten Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia wächst konstant

Die Deutschen sind besonders engagiert auf und mit Wikipedia

Allein wir Deutschen greifen laut Statistik von Wikipedia rund 30 bis 40 Millionen Mal pro Tag auf Wikipedia zu. Katherine Maher, die Chefin von Wikimedia, sagt mir im Interview: “Die Deutschen sind eine besonders engagierte und aktive Gruppe auf Wikipedia – wenn nicht die aktivste.” Rund 2,5 Millionen Artikel hat die deutschsprachige Wikipedia. Das sind fast 5 Prozent der rund 54 Millionen Artikel, die Wikipedia in all den Sprachen aufzubieten hat, in denen es Wikipedia mittlerweile gibt. Sogar in Klingonisch – wenn auch nur für kurze Zeit.

Wikipedia sei ein wirksames Werkzeug gegen Fake-News, sagen manche. Das stimmt. Nirgendwo sonst lassen sich Fakten derart schnell, einfach, bequem und auch noch kostenlos und ohne lästige Werbung oder Ausschlachtung der Nutzerdaten nachschlagen. Auch, wenn auf Wikipedia aus unterschiedlichen Gründen auch nicht immer alles stimmt – es gibt einfach keine bessere und verlässlichere Informationsquelle im Netz als Wikipedia.

20 Jahre Wikipedia

20 Jahre Wikipedia: Ein Albtraum für Verlage von Nachschlagewerken – und ein Eldorado für User

Kritiker meinen: Wikipedia sei dominiert von Männern

Kritik ist nichts Schlechtes: Sie kann eine gute Sache zu einer noch besseren Sache machen. Eine häufig gehörte Kritik: Wikipedia sei vor allem weiß, männlich und westlich. Katherine Maher kennt die Argumente und schmunzelt, wenn man sie darauf anspricht.  “Ja, das stimmt wohl. Wir wollen eine offene Enzyklopädie für die ganze Welt. Aber es ist wahr: Die Mehrheit der Wikipedianer ist männlich.”

Doch es sei ausdrücklich Ziel von Wikipedia, mehr Vielfalt zu erreichen – ohne das bestehende Wissen einzuschränken. Der Fokus liege deshalb in den nächsten zehn Jahren darauf, mehr Diversität zu erreichen. Mit mehr Wissen und Erfahrungen aus aller Welt.

Mehr als die Menschen zu motivieren, geht wohl kaum. Denn grundsätzlich kann ja jeder mitmachen bei Wikipedia. Jede – und jeder. Das Netzwerk kann Zuwachs gebrauchen. Denn obwohl die Artikelzahlen explodieren, bleibt die Zahl der Administratoren, Bearbeiter und Autor recht stabil, erklärt Katherine Maher. Und das sei schade.

Und es führt dazu, dass viele Artikel als veraltet oder überholungsbedürftig gelten. Daher sind mehr helfende Hände gefragt. Katherine Maher sieht aber auch eine Stärke in Bots und “Machine Learning”: Damit lassen sich Artikel aktuell halten, indem aktuelle Zahlen und Fakten automatisch eingetragen werden.

Wikimedia-Chefin Katherine Maher im Interview

Mit Bots und Machine Learning gegen Manipulation

Technische Hilfe dieser Art kommt laut Katherine Maher auch zum Einsatz, wenn es darum geht, das Lexikon zu bewahren vor Manipulation. Verdächtige Eintragungen und Korrekturen sollen so erkannt und gesichtet werden. Denn so populäres Nachschlagewerk ist begehrt bei allen, die in der Öffentlichkeit in einem guten Licht stehen wollen.

Es gibt noch eine Menge zu tun bei Wikipedia. Der Schwerpunkt soll auf Texten liegen. Aber die Welt entwickelt sich: Mehr Videos und künftig vielleicht auch Augmented-Reality-Inhalte und Einsatzmöglichkeiten könnten Wikipedia gut tun.

Auf alle Fälle: Happy Birthday, liebes Wikipedia.

Dokumentation: Das Wikipedia Versprechen

Dokumentation: Das Wikipedia Versprechen (ARD Mediathek)

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Es gibt einige Schlüsselsysteme im Internet, wie halte ich Kontakt und tausche mich mit anderen Menschen aus, wo erwerbe ich Produkte, welches Gerät und welche Software dient als Schnittstelle und natürlich auch welche Inhalte ich im Web zu sehen bekomme und wie finde ich Antworten auf meine Fragen.

    Was bin ich jetzt heilfroh das es Wikipedia und die dahinter stehende Wikimedia-Foundation gibt und das es nicht Google, Facebook oder ein anderes Unternehmen ist welches über das meistgenutzte Lexikon der Welt gebietet. Auch kein Staat, religiöse Organisation oder geschlossene Splittergruppe mit mehr oder weniger diffuser Weltsicht.

    Und natürlich werden hier Kommentare auftauchen, das Wikipedia unterwandert ist, lügt, etc., etc. . Wie kann es auch anders sein, vieles in der Welt ist nicht 100% eindeutig, nichts ist perfekt, viele möchten gerne etwas so interpretieren das es Ihren Zielen genehm ist und Menschen möchten gerne glauben, so fest das es in der eigenen Realität als Wahrheit erscheint.

    Wer mag kann es ja gerne besser machen, sein eigenes alternatives Lexikon schreiben und sobald es evtl. genug Bedeutung hat die unvermeidliche harsche Kritik ertragen. Für mich ist aber Wikipedia die erste Anlaufstelle für viele Fragen und hoffe auf ein langes Leben.

    Von daher auch von mir ein “Happy Birthday”

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