360 Grad mit zwei Linsen

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360 Grad mit zwei Linsen

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Um hochwertige 360°-Videos zu produzieren, wurde bisher meist ein Gestell mit sechs einzelnen Kameras eingesetzt, mittlerweile gibt es auch andere recht akzeptable Lösungen. Die technische Qualität der Videos ist dabei zwar teilweise nicht ganz so gut, dafür ist die Produktion eines Videos mit Rundumblick aber deutlich einfacher. Die meisten dieser neuen Kameras haben eines gemeinsam: Sie setzen auf nur zwei Linsen.

Der recht aufwändige Ablauf einer Produktion mit sechs einzelnen Kameras ist in „So filmt man 360°-Videos“ beschrieben. Nachteile dieser Variante: Es sind viele manuelle Bearbeitungsschritte nötig, die Ausrüstung ist teuer und fehleranfällig. Das 360°-Video kann hier zwar eine sehr hohe Auflösung (8k) erreichen, dafür ist das nahtlose Zusammenfügen der sechs einzelnen Videos bisweilen ziemlich mühsam, in jeder Blickachse sind mindestens vier Nähte zu flicken. Besonders wenn sich in dem Video etwas über eine dieser Nähte hinweg bewegt, wird es schwierig. Profis können diese Probleme zwar lösen, für Hobbyfilmer ist das aber praktisch unmöglich.

Sehr einfach zu bedienen: Die Ricoh Theta

Ricoh Theta S; Rechte: WDR/Ohrndorf

Die Ricoh Theta S

Bei einer Kamera wie der Ricoh Theta ist das viel einfacher: Es gibt nur zwei Linsen und dementsprechend kommt man bei einer kompletten Drehung um die eigene Achse nur an zwei Nähten vorbei. Das macht es bei der Aufnahme deutlich leichter, diese Nahtstellen dort zu platzieren, wo es keine oder wenig Bewegung gibt. Die Bedienung ist denkbar einfach: Es gibt einen Knopf, um die Aufnahme zu starten und zu stoppen, die Kamera kann auch über eine Smartphone-App gesteuert werden. Das fertige Video lädt man am besten von der Kamera auf einen Computer und lässt es mit der zugehörigen Software in ein Facebook- oder Youtube-taugliches Format wandeln. Leider ist die technische Auflösung der Videos aus der Theta nicht besonders hoch. Das gesamte Video hat zwar HD-Auflösung, weil durch die 360°-Technik aber immer nur ein Ausschnitt der vollen HD-Auflösung gezeigt wird, wirkt das Bild etwas pixelig. (Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass die Fotoqualität der Kamera deutlich besser ist). Hier ein Beispiel-Video (falls es nicht richtig läuft, lohnt es sich wahrscheinlich, den Browser zu aktualisieren):

Kodak SP 360 4K

Kodak SP 360; Rechte: WDR / Ohrndorf

Zwei Kodak SP 360 4K im 360°-Gestell.

Auch von Kodak gibt es eine zweiäugige Kamera, die allerdings auf ein etwas anderes Konzept setzt. Hier werden zwei unabhängige kleine Kameras in ein gemeinsames Gestell eingesetzt. Die Kameras müssen für die Aufnahme nacheinander von Hand gestartet werden. Nach der Aufnahme müssen die Videos von beiden Kameras auf einen Computer gezogen und dann von der mitgelieferten Software zusammengefügt werden. Die Bedienung ist also komplizierter, dafür ist die Videoauflösung (4k) besser. Hier ein einfaches Beispiel-Video:

Auch wenn beide Kameras vielleicht noch nicht in allen Eigenschaften perfekt sind, so zeigen sie doch wohin die Reise geht. Bei beiden Geräten handelt es sich um Neuauflagen von Kameras, die bereits 2015 auf den Markt gekommen waren (die erste Version der SP 360 hatten wir vergangenes Jahr bereits getestet). Und in der Neuauflage sind beide Geräte schon deutlich besser geworden. Mit Sicherheit ist die Auflösung der Videos ausbaufähig, der Ton wird noch stiefmütterlich behandelt und die Bedienung könnte noch einfacher und schneller sein, aber über kurz oder lang wird jeder in der Lage sein, ansehnliche 360°-Grad-Videos zu produzieren und das deutlich leichter und billiger als noch heute.

Über den Autor

Elektronikbasteln hat David schon immer fasziniert. Nach BWL-Studium und WDR-Volontariat arbeitet er als Journalist für Fernseh- und Online-Redaktionen. Mit Stefan Domke hat er das Storytelling-Tool Pageflow erfunden, für das er 2014 einen Grimme Online Award bekam.

3 Kommentare

  1. Die Ricoh macht schon ganz gute Arbeit für ihren Preis. Von der Gear 360 bin ich nicht sonderlich überzeugt. Gerade in Kombination mit der VR Brille ist es eher enttäuschend. Aber sie wird auch ihre Abnehmer finden ;)

  2. Danke für die super Zusammenfassung! :) Die Kodak Pixpro im Doppelpack ist zwar nicht schlecht, allerdings macht diese relativ große Stitchingfehler, die im Verlauf nicht so gut aussehen, mit einer VR-Brille. Die Ricoh Theta S ist meiner Meinung nach etwas besser, da die Linsen nicht soweit auseinander verbaut sind.

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