360°-Video selbst gemacht

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360°-Video selbst gemacht

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Als kürzlich die Grimme Online Awards verliehen wurden, hat auch die Web-Dokumentation „Polar Sea 360°“ einen Preis bekommen. Neben der spannenden Geschichte (eine Reise durch die Arktis) ist hier besonders die eingesetzte Technik bemerkenswert. An vielen Stellen kommen Videos mit 360° Rundumblick zum Einsatz. Bei der Fahrt durch die Artkis kann man selbst entscheiden, in welche Richtung die Kamera blickt und wer eine Virtual-Reality-Brille hat und Kopfhörer aufzieht, taucht so viel tiefer in die Geschichte ein, als bei einer herkömmlichen Dokumentation in Video-Form. Immersion nennen das die Experten.

Produktion von 360°-Video wird einfacher

Die Erstellung solcher 360°-Videos war lange Zeit sehr aufwändig. Im WDR haben wir 2010 zum ersten Mal mit diesem Format experimentiert (zu der Produktion gibt es noch eine „Making-of“-Fotogalerie). Damals hakte bei den Aufnahmen die Technik immer wieder und die Nachbearbeitung war mit sehr viel Handarbeit verbunden. Das fertige 360°-Video war qualitativ eher durchschnittlich, weil es stark komprimiert werden musste, um auch mit langsamen Internetverbindungen zu funktionieren.

Heute, fünf Jahre später, ist das Thema stark in Bewegung geraten. Auf Youtube können seit einigen Monaten 360°-Videos abgespielt werden und es gibt verschiedene Apps, die 360°-Videos auf Smartphones und Tabletts in sehr guter Qualität (bis 4k) anzeigen können. Außerdem arbeiten verschiedene Hersteller an Kameras, die die Aufnahme dieser Videos auch für Amateure ermöglichen sollen. Eine der ersten Kameras, die tatsächlich lieferbar ist und Videos mit Rundumblick aufnehmen kann, ist die Kodak SP 360.

kodak02/ Rechte: WDR/David OhrndorfRelativ klein: Die Kamera in Würfelform hat eine Kantenlänge von etwa 5 Zentimetern.

Aus Sicht des Herstellers, handelt es sich um eine Actioncam, die normale Fotos und Videos aufnehmen kann und als Zusatzfeature auch 360°-Video erlaubt. Bei unserem Praxistest haben wir uns nur diese Funktion genauer angesehen. Fazit: Es funktioniert, allerdings mit zwei entscheidenden Nachteilen:

  • 360° bedeutet hier keinen Rundumblick in alle Richtungen. Wie auf dem Foto zu sehen, hat die Kamera nur eine Linse und kann deshalb nur in einer Ebene 360° aufzeichnen. Wenn man sie auf einen Tisch legt, sind auf dem Video zwar alle zu sehen, die daran sitzen, die Tischplatte unterhalb der Kamera wird aber nicht bzw. nur zum Teil gefilmt.
  • Die technische Qualität des fertigen 360°-Videos ist nicht so gut wie man es heutzutage von Videos im Netz gewohnt ist. Die Videos werden zwar mit einer Auflösung von 1440 x 1440 Pixeln (also etwa HD-Auflösung) aufgenommen, allerdings ist durch die 360°-Darstellung später immer nur ein Ausschnitt mit deutlich weniger Pixeln zu sehen. Hinzu kommen die technischen Grenzen derart extremer Weitwinkel-Objektive. Die Schärfe der Aufnahme nimmt im Randbereich deutlich ab.

Für einen ersten Eindruck hier ein Testvideo. Es wurde in bestmöglicher Qualität aufgenommen, mit der mitgelieferten Software aus einer längeren Sequenz herausgeschnitten und im Youtube-tauglichen Format exportiert.

Die 360°-Funktion von Youtube funktioniert nicht mit allen Browsern. Sollte das Video hier seltsam verzerrt angezeigt werden, empfiehlt sich eine Aktualisierung des Browsers. Mit Chrome scheinen die Videos zur Zeit auf dem Desktop-Computer am besten zu laufen oder auf Smartphones mit der Youtube-App. Nach dem Klick auf den Play-Button kann die Blick-Richtung der Kamera geändert werden: Mit der linken Maustaste auf das Video klicken und mit der Maus den Ausschnitt nach links, rechts, oben oder unten ziehen.

So funktioniert die Aufnahme in der Praxis

Technisch gesehen ist die Aufnahme sehr einfach: Die Kamera hat einen Aufnahmeknopf und kann wahlweise auch recht komfortabel über eine Smartphone-App ferngesteuert werden. Das Video wird auf einer Micro-SD-Karte gespeichert und kann dann einfach auf einem Computer weiterverarbeitet werden.

kodak01/ Rechte: WDR/ David Ohrndorf

Schwieriger fand ich die Frage: Was filme ich eigentlich und wo postiere ich dafür die Kamera? Bei diesem neuen Medium muss man sich zunächst mal von vielen klassischen eindimensionalen Bildideen lösen. 360°-Video ist nur sinnvoll, wenn es in verschiedene Richtungen etwas zu sehen gibt. Hilfreich war hier tatsächlich der Einsatz eines „Selfie-Sticks“, nicht nur um Selfies zu machen, sondern auch, um die Kamera in eine leicht erhöhte Position bringen zu können. Völlig verabschieden muss man sich, zu meinem bedauern, von einer Bildgestaltung mit Schärfe und Unschärfe.
In den nächsten Tagen werde ich hier im Digitalistan-Blog noch meine Erfahrungen mit einer anderen 360°-Kamera aufschreiben und noch etwas detailierter auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Veröffentlichung von 360°-Videos eingehen.

[Die Kamera wurde uns für den Test vom Hersteller zur Verfügung gestellt]

Über den Autor

Elektronikbasteln hat David schon immer fasziniert. Nach BWL-Studium und WDR-Volontariat arbeitet er als Journalist für Fernseh- und Online-Redaktionen. Mit Stefan Domke hat er das Storytelling-Tool Pageflow erfunden, für das er 2014 einen Grimme Online Award bekam.

2 Kommentare

  1. Ich hoffe, dass die Technik schnell und kostengünstig auf dem Markt angeboten wird. die Möglichkeiten zur Darstellungen finde ich fantastisch. Ich werde das Thema weiter verfolgen!

  2. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten sehr viel umfangreicher mit dieser Technik arbeiten. Arte macht das bei Polar-360 vor. Diese immersive Darstellungsform begünstigt die Arbeit bei Reportagen. Mit freundlichen Grüßen aus Scheveningen.

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