50 Jahre CES – die Techmesse wird zur Autoschau

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50 Jahre CES – die Techmesse wird zur Autoschau

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Mehr als 165.000 Besucher, über 3.800 Aussteller aus 150 Ländern – und schlappe 20.000 neue Gadgets. Das sind die Rahmendaten der Consumer Electronics Show CES, die am Donnerstag (05.01.2017) in Las Vegas beginnt: vier kurze Tage im Januar, die aber immer wieder den Takt für den Rest des Jahres vorgeben. Die CES ist eine der wichtigsten Messen für Unterhaltungselektronik. Sie verlässt aber immer öfter ihr Kerngeschäft – und räumt zum 50. Jubiläum vor allem den Autobauern so viel Platz ein wie nie.

Konzeptautos der Zukunft

Da wäre zum Beispiel das Konzeptauto „Portal“ von Fiat Chrysler: ein teilautonomes Elektroauto für die Generation der Millennials, für das kein Schlüssel nötig ist – das Auto identifiziert den Fahrer per Gesichts- und Spracherkennung. Während der Fahrt kommt die mit Panasonic entwickelte Internetanbindung zum Zug: eine Selfie-Kamera postet Bilder bei Instagram, die Fahrgäste auf der Rückbank kommen über ein eigenes Display ins Netz, das Auto achtet bei der Streckenplanung auf Vorlieben der Personen.

BMW verabschiedet sich auf der CES sogar vom Touchdisplay und zeigt eine Studie, in der Fahrer ein Auto über Hologramme bedienen, also mit Gestern steuern können. Und das Schweizer Unternehmen Rinspeed stellt mit dem „Oasis“ ein Konzeptauto vor, das selbst fährt, in dem Pflanzen wachsen, das Solarzellen im Dach eingebaut hat und dessen Batterie sich ausbauen lässt, um zwischendurch andere Geräte mit Strom zu versorgen.

Konzeptauto "Portal"

Elegante Touchdisplays und futuristisches Lenkrad: das Innenleben des Konzeptautos „Portal“ von Fiat Chrysler.

Spannend könnte außerdem der Auftritt von Faraday Future sein. Das Start-up aus Kalifornien, das von China aus finanziert wird, oft mit großen Ankündigungen auffällt und lange als Tesla-Killer gehandelt wurde, hat sich auf der CES im vergangenen Jahr mit einem vagen Konzept selbst entzaubert. Mittlerweile soll es in finanziellen Schwierigkeiten stecken, will in Las Vegas aber trotzdem ein Serienmodell vorstellen.

Und wer nicht das Geld hat, um sich eins der schicken neuen intelligenten, autonomen, elektrischen Autos zu leisten, die auf der CES gezeigt werden, der rüstet einfach seinen alten Wagen auf. Eine ganze Reihe von Herstellern zeigt auf der Messe Geräte, mit denen sich nachträglich Head-up-Displays oder smarte Funktionen einbauen lassen. Daten, die über diese Geräte zum Beispiel zum Fahrverhalten erfasst werden, lassen sich über Tablet und Smartphone auslesen. Ein vernetztes Auto im Eigenbau, sozusagen.

Sprachassistenten und künstliche Intelligenz

Die CES geht außerdem beim Dauerbrenner „Smarthome“ ein paar Schritte weiter. Lampen, Steckdosen, Türschlösser, Lautsprecher, Thermostate – all diese Geräte haben zunehmend künstlich-intelligente Systeme an Bord. Und sie lassen sich nun auch über digitale Assistenten steuern. Lenovo stellt zum Beispiel einen drahtlosen Lautsprecher vor, den man über den Sprachassistenten Alexa von Amazon ansprechen kann. Alexa dürfte auf der CES auch in einer ganzen Reihe weiterer Produkte „eingebaut“ sein – von Lampen über Türschlösser bis zu Apps. Amazon läuft damit auch der Konkurrenz von Google Home über Siri von Apple bis zu Microsofts Asisstenten Cortana den Rang ab.

Amazon Echo

Amazon befreit seinen Sprachassistenten Alexa aus dem eigenen Gerät mit dem Namen „Echo“ und macht ihn anderen Herstellern zugänglich.

Das deutsche Unternehmen DigitalStrom bringt dafür einen in Japan entwickelten Assistenzroboter mit nach Las Vegas. „Pepper“ ist 1,20 Meter groß, sieht menschlich aus und soll zur Schnittstelle zum vernetzten und intelligenten Smarthome werden. Wer das Licht ein- und ausschalten, die smarte Kaffeemaschine starten oder das Wohnzimmer ein bisschen wärmer haben möchte, spricht dafür keinen irgendwo versteckten Sprachassistenten an – sondern einfach „Pepper“, der sich dann um den Rest kümmert.

Fernseher, Virtual Reality und Drohnen

Klassische Unterhaltungselektronik nimmt auf der CES nicht mehr den größten Raum ein, ist aber weiter da: 4K- und 8K-Fernseher mit ultradünnen OLED-Bildschirmen und HDR-Technik. Wearables von Smartwatches bis zu Fitnessbändern. Und natürlich das Hypethema Virtual Reality: Microsoft will eine eigene VR-Brille auf den Markt bringen, die es schon für 300 US-Dollar geben soll – eine Kampfansage an Oculus Rift und HTC Vive, die zurzeit mehr als doppelt so teuer sind. Die Vorstellung der Vive 2, die ganz ohne Kabelanbindung auskommen soll, hat HTC für die CES übrigens leider abgesagt.

Auch bei den Drohnen tut sich etwas. Software und Sensoren sorgen dafür, dass sie sich immer öfter autonom bewegen können. Keyshare zum Beispiel zeigt auf der CES eine „Selfie-Drohne“, die automatisch um ihren Besitzer herumfliegt und Aufnahmen von ihm macht. Und die chinesische Xiaomi-Tochter Yi stellt ihre Drohne Erida vor, die auf Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometer pro Stunde und über 40 Minuten Flugzeit kommen und dabei 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen soll.

Erida

Rasend schnell und gestochen scharfe Bilder: Yi aus China sagt den Herstellern von Drohnen und Actioncams gleichzeitig den Kampf an.

Die CES ist zwar nicht der Mobile World Congress, der Ende Februar stattfinden wird. Aber neben weiteren Demonstrationen der neuen 5G-Mobilfunktechnik wollen von LG über HTC und Xiaomi bis zu Asus viele Hersteller neue Smartphones vorstellen. Dazu gehört auch ein allerletztes BlackBerry-Modell. Der Ausstieg aus dem Smartphone-Geschäft ist bereits besiegelt. Auf der CES geht in diesem Jahr also eine Ära zu Ende.

Samsungs erster Auftritt nach dem Galaxy Note 7

Und dann wäre da noch Samsung. Es ist der erste große Auftritt seit dem Debakel um brennende Akkus beim Galaxy Note 7. Samsung ist mit einer ganzen Palette an Technik auf der CES – vor allem mit ein paar Skurrilitäten. Smarte Bauklötze zum Beispiel, die sich mit dem Tablet verbinden lassen, Fotos schießen und Videochats mit Kindern aus aller Welt starten. Oder eine Kamera, mit der man das Gesicht fotografiert und die verrät, wo bald Pickel und Mitesser auftauchen – um sie schnell zu bekämpfen.

Mit Autos, Sprachassistenten, Robotern und künstlicher Intelligenz erwartet uns eine der spannendsten Ausgaben der CES – und Technik, die wohl nicht nur dieses Jahr, sondern die komplette nächste Dekade bestimmen könnte. Und weil sich viele Hersteller im Vorfeld der Messe auch bedeckt halten, werden wir in den vier Messetagen hier in Digitalistan vielleicht auch noch einmal einen Blick nach Las Vegas werfen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

2 Kommentare

  1. Dass Autos auf der CES eine so dominante Position einnehmen ist nicht verwunderlich. Die Vernetzung und technologische Aufrüstung von Autos ist zwar keine neue Idee, noch nie wurde sie jedoch so stark vorangetrieben – und noch nie war der Wettbewerb so groß. Dass sich die traditionellen Autohersteller nun auch im IT-Bereich stark machen müssen, um gegen die großen Player, die aus diesem Bereich nun in die Autobranche drängen zu bestehen, sorgt für einen gewaltigen Innovationsdrang und -schub. Sprach- und Gestensteuerung, alternative Energien und Antriebe, verschiedene Car Sharing Modelle und vieles mehr, krempeln den Markt langsam um.
    Ich bin gespannt, was 2017 in diesem Bereich noch passiert und wie sich diese Branche in den nächsten Jahren entwickelt.

    • Dennis Horn am

      @Karsten: Darauf bin ich auch gespannt. Noch gespannter bin ich allerdings darauf, ob Sie es schaffen, zukünftige Kommentare in Digitalistan zu verfassen, ohne sie zur Werbung für Ihren Online-Reifenshop zu nutzen. Die Verweise auf diesen Shop haben wir entfernt; bitte beachten Sie in Zukunft die Blogregeln. Danke!

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