Aber Hallo, Allo!

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Aber Hallo, Allo!

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Verschlüsselung. Verschlüsselung. Verschlüsselung. Experten raten mantraartig dazu. Und sie haben gute Gründe: Nicht nur Geheimdienste lesen sonst möglicherweise mit, auch Hackern und Datendieben wird es leicht gemacht, unbemerkt mitzuhören und/oder Daten abzugreifen. Deswegen: Verschlüsselt alles, was geht. Von großen Anbietern wie Google, Apple oder Microsoft sollte man erwarten dürfen, dass sie überall, wo es möglich ist, verschlüsseln – und es den Usern so einfach wie möglich machen, ihre Daten zu sichern.

Googles Allo-Messenger verschlüsselt Nachrichten nur auf Wunsch

Googles Allo-Messenger verschlüsselt Nachrichten nur auf Wunsch

Verschlüsselung eingebaut, aber nur selten im Einsatz

Im Bereich der Messenger war WhatsApp lange Zeit das Sorgenkind. Doch seit einigen Wochen werden bei WhatsApp alle Nachrichten konsequent verschlüsselt. Man sollte wohl annehmen, dass ein Messenger, der neu auf den Markt kommt, das als Standard anbietet. Alle Nachrichten sollten konsequent verschlüsselt sein, von Anfang an. Doch der neue Allo-Messenger, den Google vergangene Woche auf der Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt hat, ist in diesem Punkt ein kläglicher Versager.

Google verwendet in seinem neuen Messenger zwar das moderne und als sicher geltende Signal-Protokoll, mit dem sich Nachrichten sicher Ende-zu-Ende-verschlüsseln lassen. Allerdings kommt diese Verschlüsselung nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Dann nämlich, wenn der Nutzer einen sogenannten Inkognito-Chat startet. Kann man natürlich machen – aber dürften erfahrungsgemäß eher weniger User tun. Wer nicht inkognito chattet, dem kann Google also über die Schulter schauen – und genau das macht Google auch.

WhatsApp verschlüsselt jetzt alle Daten konsequent

WhatsApp verschlüsselt jetzt alle Daten konsequent

Google liest mit – aus Gründen

Es gibt natürlich einen Grund für die Indiskretion von Allo: Google setzt bei seinem neuen Messenger auf Künstliche Intelligenz (KI). Das System liest kräftig mit, um bei Bedarf einzuspringen und Bots die Kontrolle zu übergeben. Die holen Informationen aus dem Netz (etwa über Restaurants, wenn man sich gerade darüber unterhält) und präsentieren sie in der Landessprache des Benutzers. Damit all das klappt, muss Google mitlesen können. Es wären zwar auch andere Lösungen denkbar, die mehr Verschlüsselung und weniger Transparenz für Google bedeuten würden, doch davon hat Google entschlossen Abstand gehalten.

Google muss sich also die Kritik gefallen lassen, einen vergleichsweise indiskreten Messenger an den Start gebracht zu haben. Überraschend kommt das nicht, schließlich ist es Googles Geschäftsmodell, möglichst viel über die User zu wissen. Auch E-Mails werden gescannt, wenn sie über die Weboberfläche von Google Mail abgewickelt werden – nun eben auch Chats. Besser wäre sicherlich, wenn alle Chats standardmäßig verschlüsselt werden. Und nur, wenn man vor hat, mit einem Bot in Kontakt zu treten, verzichtet man darauf. Das wäre eine Möglichkeit, die für Datenschutz und Privatsphäre besser wäre.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Ein unendliches Thema…
    das wohl auch nie ein Ende finden wird.
    Privatshäre vs. Bequemlichkeit.
    Und spioniert wurde auch schon im Zeitalter vor Computer und Smartphone.
    In beiden deutschen Staaten wurden Briefe geöffnet und gelesen. Auch wenn man sich auf der noch existierenden Seite nicht mehr gern daran erinnern möchte.
    Anno 2016 ist das natürlich um Klassen vielfältiger.
    Da gibts millionen von Apps, die das Leben in jeder Situation erleichtern. Möglichst „kostenlos“.
    Was aber kaum jemand bedenkt…
    Wer arbeitet denn „für lau“?
    Jeder muss Miete, Strom etc. bezahlen.
    Folglich wird mit Daten bezahlt.

    Und wenn die „ganz tolle neue App“ dem geneigten Benutzer jederzeit anzeigen soll und kann, wo in der Nähe ein Restaurant oder Burgerbrater seines Begehrs ist…
    muss die natürlich auch immer den aktuellen Aufenthaltsort kennen.

    Und obwohl die ständige Werbung ganz allgemein nervt…
    ist MIR personalisierte Werbung dann lieber.
    Schrotschussartig im Netz mit günstigem Viagra aus Indien und Brustvergrößerungen im EU-Ausland oder Angeboten für unschlagbar billige Schuhe von welchem Versender auch immer muss man nicht haben. Außer man interessiert sich dafür.
    Da ist es mir persönlich schon lieber, daß z.B. beim Aufruf der Seiten eines großen Versenders aktuelle Angebote von einem anderen Anbieter bei dem ich Kunde bin erscheinen.
    (Das funktioniert trotz gelöschter Cookies sehr gut. Aufrufen der Seite über Firefox… upps… man weiss… nicht nur, wonach ich im eigenen Hause gesucht habe… )

    Btw.: Updates sind OK. Wenn sie der Sicherheit dienen. Der unsägliche Krieg zwischen Firefox und Kaspersky nervt. Der beliebte/geliebte Browser findet immer neue Wege die bewusst eingesetzte und bezahlte Software zu deaktivieren.
    Das ist fast wie im Kindergarten.

  2. Geht es Google eigentlich nur um uns, oder auch ums Geld? Beides. Denke ich. Gibt es denn für den Geheimdienst keine andere Möglichkeit, an Informationen (oder in dem Fall
    an Kohle) heranzukommen? Wie unverschämt! Wenn Sie schon genug über mich wissen,
    will ich aber auch alles über die Hintermänner im Geheimdienst (und Google) erfahren. . .
    Wer seid ihr?Und was wollt ihr von uns? Geld? NEIN! Die sollen mal persönlich zu mir kommen und mich fragen, was die überhaupt wissen wollen!

  3. Suchtfrei_und_unüberwacht am

    Ich hätte da ein Sicherheitskonzept, das absolut sicher verhindert, daß irgendjemand jemals meine Wotsäpp- oder Guhgl- oder ähnliche Nachrichten mitlesen könnte: ABSTINENZ!
    Der Wotsäpp- , Guhgl oder Was-auch-immer-Quatsch ist nichts als ein verblödendes Suchtmittel und, wie Jörg Schieb es treffend schildert, ein Überwachungs- und Kontrollmittel:
    Wer Suchtphones, vulgo: Smartphones, besitzt und benutzt, trägt quasi die Stasizentrale gleich in der Hosen- oder Handtasche stets mit sich herum: Wie praktisch für alle, die uns ausspionieren wollen, ob Konzerne oder der Staat!
    Hier nochmals die Lektüreempfehlung: Harald Welzer, Die smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit, S. Fischer Verlag 2016.
    Niemand kann mir mit dem Anspruch auf Glaubwürdigkeit erzählen, man „brauche“ doch aber ein Smartphone, „heutzutage“ gehe es doch gar nicht ohne:
    DOCH, es geht!
    Ich bin nach wie vor selbständig-freiberuflich tätig, bundesweit beruflich unterwegs und verzeichne steigende Auftragszahlen. ALLES OHNE JEMALS EIN SUCHTPHONE AUCH NUR IN DER HAND GEHABT ZU HABEN!

    Offen dabei bleibt allerdings das Problem der Verschlüsselung „normaler“ E-Mails, die von „normalen“, sprich: stationären Rechnern aus versandt werden wie diese hier zum Beispiel:
    Die Lösungen, die man mir vorgeschlagen hat, finde ich immer noch zu teuer und zu kompliziert, wie z.B. das Verfahren bei der digitalen Signatur – DA sollte sich Digital-Erfindungsgeist noch etwas einfallen lassen.

    Bis dahin werde ich für vertrauliche Inhalte wohl überwiegend zu konventioneller Post zurückkehren:
    ICH zumindest möchte und werde NICHT zu denen gehören, die sich im Netz entblößen und überwachen und kontrollieren lassen – und daß auch noch „nicht so schlimm“ finden!

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