Amazon Go: So shoppen wir morgen – schon heute

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Amazon Go: So shoppen wir morgen – schon heute

Kommentare zum Artikel: 9

Wer wollte bestreiten, dass Amazon die Art und Weise verändert (hat), wie wir einkaufen. Bislang vor allem online. In Zukunft aber auch IRL, also “in real life”, im sogenannten richtigen Leben. Offline. Amazon will den Sprung in die Offlinewelt schaffen. In Seattle – der Brutstättte von Amazon – hat jetzt der erste Offlineshop seine Tore geöffnet. Amazon Go.

Amazon Go Shop in Seattle; Rechte: Amazon

Amazon Go Shop in Seattle

Überwachung total: Orwell Market

Wer den Laden betritt, sieht praktisch kein Personal – vor allem keine Kassen und keine Schlangen davor. Wer hier einkauft, macht das auf eine ganz andere Art als bislang. Am Eingang einchecken, mit der Amazon-Go-App. Dann durch den Laden schlendern und alles in die Tasche legen, was man mitnehmen möchte. Am Ende auschecken. Fertig. Es wird am Ausgang nichts gescannt und nichts gewogen. Trotzdem wird alles berechnet.

Wie das? Zum einen sind im Amazon-Go-Laden Dutzende Kameras verbaut, die jedes Geschehen im Laden genau beobachten. Angeblich kommt aber keine Gesichtserkennung zum Einsatz: Durch das Einchecken am Anfang “weiß” das System, wer im Laden ist und trackt penibel jede Person als 3D-Objekt, das sich im Raum bewegt.

https://www.youtube.com/watch?v=NrmMk1Myrxc

Werbevideo von Amazon erklärt das Konzept

Es fallen jede Menge Daten an

Jedes Regal ist mit Sensoren ausgestattet. Die registrieren, ob etwas entnommen wird. Dank eingebauter Wagen sogar, wie viele Einheiten oder welches Gewicht das Hack oder die Äpfel haben. All das geschieht blitzschnell. Niemand muss die Waren in eine Kamera halten, scannen oder wiegen. Die Überwachung ist allumfassend. Was passiert, wenn jemand eine Ware wieder zurücklegt und/oder womöglich ins falsche Regal zurücklegt, wird sich zeigen.

Für technisch aufgeschlossene Menschen zweifellos ein interessantes Projekt. Aber deshalb erstrebenswert? Wohl eher nicht. Denn zum einen sind die wenigen verbleibenden Arbeitskräfte nur dazu da, die Regale zu befüllen, zum anderen ist so ein Shop ein Eldorado für Datensammler wie Amazon. Was kauft jeder einzelne ein, wie lange steht er oder sie vor dem Nudelregal, welche Müslis landen im Warenkorb. Fleischesser oder Veganer? Es fallen derart viele Daten an, dass einem schwindelig wird. Und Amazon würde und wird sie garantiert verarbeiten.

Sollten derartige Supermärkte tatsächlich nach Deutschland kommen, wäre es also sinnvoll, dafür gesetzliche Regelungen zu haben. Sonst ist man früher oder später wieder erstaunt, wie die User/Kunden durchleuchtet und über den Tisch gezogen werden.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. Hallo Freund, ich bin so glücklich, dass ich endlich meinen Kredit von einem echten Kreditgeber, Herrn Richard Kenneth, bekommen habe. Ich bin so gesegnet, dass ich endlich gekommen bin
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  2. Privater Shopper am

    Im Video isses doch wieder: “Deep learning algorithms”. Und “Sensor Fusion”.
    Das lässt mich doch glatt spekulieren, dass das schöne neue “amazon go”-Shopping nichts anderes ist als ein HighTech-Labor mit Gratis-Probanden zum Füttern einer amazoneigenen KI.
    Wenn “amazon go” bei den Verbrauchern einschlägt, hätte amazon irgendwann eine über Jahre “angelernte” KI.
    Für was könnte so eine KI verwendet werden – Sicherheit und Überwachung, jedem Haushalt sein eigener Alexa-Roboter/-Android, Feldstudie “menschliches Verhalten”, noch viel schnellere – da intuitive – Vernetzung und Auswertung von Daten, usw., usf., etc. und pp.?

  3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Amazon sich so auf dem Markt beweisen könnte. Viele Kunden interessiert nicht, ob sie anstehen müssen oder nicht, sondern der Preis. Der ist natürlich bei den bereits seit Jahrzehnten vorhandenen Discountern wie Lidl usw. am niedrigsten. Wenn Amazon jetzt einfach so Läden aufmacht werden sich das die vorhandenen Läden natürlich nicht gefallen lassen und auch eine Möglichkeit entwickeln, wie man nicht lange anstehen muss.
    Für mich gilt ganz einfach:
    Lebensmittel = Supermarkt/Discounter
    Technik usw. = Amazon
    (also KEINE Lebensmittel von Amazon)

    • Privater Shopper am

      Auch für “Technik usw.” gibt es Onlinealternativen, mitunter sogar Offlinealternativen – oft auch “Feilschen und Angebote” genannt.

      Ohne Amazon gleich als “Todesstern” betiteln zu wollen, ist mein Motto: Füttere nicht den Moloch.

      Wie haben sich die meisten Konsumenten seinerzeit gefreut, als der Strommarkt geöffnet wurde und das Monopolgehabe der ganz großen Spieler angekratzt wurde … und jetzt verhelfen wir aus Bequemlichkeit und Verwöhntheit dem Konzern Amazon zu einem Monopol in der westlichen Welt?

      Amazon hat sehr findige Köpfe und kann es sich leisten, auch einmal einen Flop zu landen.
      Wenn sich Amazon weiter in dem Tempo entwickelt, teilt sich der Konzern die einkaufswilligen Verbraucher vermutlich “bald” höchstens noch mit Alibaba.

      Von unserem gleichermaßen gejagten und fantasielosen Einzelhandel will ich jetzt erst gar nicht anfangen … der denkt (u. a.) über Service, Shopping-Wohlfühloasen, Shoppingevents und kostenloses WLAN nach …

  4. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Ich gestehe: Auch ich war einmal auf “Amazon” hereingefallen.
    Ich hatte ernsthaft angenommen, es sei eine gute Sache, dort “online”, wie man das nennt, einzukaufen: Ich hielt es für ökologischer in der Annahme, daß Autoverkehr sich verringere, wenn 1 Lieferfahrzeug ein Stadtviertel abfahre statt Hunderte von Privat-PKW viele Geschäfte abklapperten.
    Leider habe ich erst nach einigen Jahren realisiert, daß das genaue Gegenteil der Fall ist:
    Die Zahl der Fahrten mit den Lieferwagen übersteigt zeitweise sogar die der Privatfahrten, mußte ich lernen: Das liegt an der Zunahme der psychischen Regressionskrankheit, die da lautet: “Ich muß alles überall jederzeit sofort haben (können)” – wie ein Baby. Amazon und andere bedienen diese internetgeförderte Krankheit der psychischen Rückentwicklung und schicken für ! (!) kleines Päckchen einen ganzen Dreckschleudersprinter los.
    Zudem werden nicht mehr vertretbare Unmengen an Verpackungsmüll produziert.
    Außerdem wurde dann irgendwann ruchbar, wie Amazon seine Beschäftigten behandelt, vor allem mit miesester Entlohnung – nicht anders benehmen sich die Auslieferfirmen gegenüber ihrem Fahrpersonal.
    Und: Wir als Kundinnen und Kunden werden von Amazon (und seinen Spießgesellen) regelrecht ausspioniert: Amazon weiß irgendwan alles über seine Kundschaft.
    Und schließlich: Der Online-Kauf-Wahn birgt die reale Gefahr, daß unsere Innenstädte öd und leer werden, und daß bald kein lebendiger Kontakt zu lebendigen Verkäuferinnen und Verkäufern und Inhaberinnen und Inhabern mehr möglich sein wird. Die noch vorhandenen Geschäfte werden von den ASOZIALEN bevölkert, die das Fachwissen des Personals für eine Beratung ausbeuten, um dann vor dessen Augen das Produkt mit ihren SUCHTPHONEN woanders zu bestellen: PFUI DEIBEL!

    Nachdem ich das alles realisiert hatte, habe ich mein Konto bei Amazon gelöscht und verfahre nunmehr oft wie folgt:
    Interessiere ich mich für ein Produkt, so schaue ich bei Amazon danach und notiere mir, was ich gefunden habe und gern erwerben möchte:
    DAS kaufe ich dann im stationären Einzelhandel (ich habe mir sagen lassen, daß man das “Amazon bashing” nennt): Ich empfehle es ausdrücklich zur Nachahmung.
    Selbstverständlich werde ich auch NIEMALS einen der im Artikel erwähnten stationären Amazon-Läden aufsuchen und habe ebenso selbstverständlich von keinem Geschäft bzw. keiner Ladenkette eine “Pay-Back-Card” oder vergleichbare Selbstausspionier- und letztendlich -überwachungsgeräte.
    Und ein SUCHTPHONE (vulgo: Smartphone) wird mir gleichfalls nie ins Haus kommen.

    Ich versichere allen: Menschen können sowohl ohne Suchtphone als auch ohne Online-Einkäufe leben! :-)

  5. Streaming, Logistik, Server, Lebensmittel etc., in Kürze auch Apotheke und sogar Versicherungen. Es ist nicht zu leugnen, aber trotz aller gebotener Skepsis muss man neidlos anerkennen, dass Amazon im E-Commerce die Hosen an hat – mit erheblichem Vorsprung.
    Nun auch den klassischen, analogen Vertrieb umkrempeln zu wollen, ist nur die logische Konsequenz der fast schon irrsinnigen Erfolgsstory. Bin gespannt, wann Amazon auch ins Automobil- oder Bankengeschäft einsteigt.
    Soll keine Lobeshymne auf Amazon sein; die Datenschutz- und Jobkillerargumente sind nicht wegzudiskutieren und vielleicht wird durch Ihr Beispiel manch bislang unkritischem Zeitgenossen klar, wie schnell der eigene Job von heute auf morgen überflüssig sein und wegfallen kann. Und dies in millionenfacher Größenordnung; über nahezu sämtliche Branchen.

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