Amazons ungenierte Überwachungspraktiken

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Amazons ungenierte Überwachungspraktiken

Kommentare zum Artikel: 12

Amazon bereitet sich gerade – wie alle andere Onlinehändler rund um den Globus – aufs Weihnachtsgeschäft vor. Der Black Friday steht unmittelbar vor der Tür. Der umsatzstärkste Tag des Handels – und deshalb nicht nur für Amazon der eigentliche Festtag im Jahr.

US-Magazin legt Überwachungspraktiken von Amazon offen

Da passt es dem Konzern so gar nicht, dass das US-Onlinemagazin Vice ausgerechnet jetzt pikante interne Papiere präsentiert. Sie belegen, dass Amazon seine Mitarbeiter penibel überwacht. Nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in ihrer Freizeit. Und Amazon bestreitet die Echtheit der mehrere Dutzend vorliegenden Unterlagen nicht.

Verteilen die Mitarbeiter Flugblätter? Bereiten sie Streiks vor oder nehmen sie daran teil? Gibt es Treffen mit Gewerkschaftern? Amazon hat offensichtlich eine Art interne Stasi, die alles penibel beobachtet, registriert und dokumentiert. Auch Drogenkonsum ist ein Thema: Nehmen die Mitarbeiter Drogen, wohnen sie in Drogen-Hotspots? Und vieles andere mehr.

Jeff Bezos hat gut Lachen: Unternehmen schreibt eigene Regulierung für Gesichtserkennung; Rechte: Amazon/WDR/Schieb

Jeff Bezos trägt die Verantwortung für die Überwachungspraktiken

Amazon spioniert immer und überall

Jeff Bezos Konzern schreckt nicht davor zurück, im Privatleben seiner Mitarbeiter herumzustöbern. Die Sozialen Netzwerke werden überwacht. Offensichtlich dringen Mitarbeiter oder beauftragte Schnüffler sogar in Gruppen-Chats und Foren ein. Nie war es so einfach, seine Mitarbeiter zu überwachen und zu kontrollieren.

Doch Amazon macht vor, was passiert, wenn ein Unternehmen hemmungslos ist – und von diesen Möglichkeiten auch ungeniert Gebrauch macht.

Wirklich überraschend ist das nicht. Amazon ist bekannt dafür, auch Partner und Händler auszuspionieren und zu übervorteilen. Auch Kunden werden penibel überwacht. Amazon erhebt und sammelt mehr Daten, als den Menschen bewusst ist. Ganz besonders, wenn die nicht nur bei Amazon einkaufen, sondern auch Prime Video, Kindle und/oder Alexa benutzen.

Amazon sammelt immer mehr Daten

Ein Unternehmen, das wie ein Staat agiert

Wie es aussieht, beobachtet und misst Amazon sogar auch Amazon-kritische Berichte und Videos. Vielleicht auch dieses Blog. Die Fridays-for-Future-Bewegung offensichtlich auf jeden Fall. Das belegen geleakte Dokumente, die dem Onlinemagazin Vice vorliegen – und deren Echtheit Amazon offensichtlich nicht bestreitet.

All das zeigt: Einige US-Konzerne haben nicht nur einen Umsatz, der größer ist als das Bruttosozialprodukt vieler Länder, sie benehmen sich auch so. Sie machen ihre eigenen Regeln und halten sich für unangreifbar.

Ob und was davon justiziabel ist, können und sollen andere beurteilen. Ob das anständig und vertretbar ist, das kann jede/r Einzelne selbst entscheiden. Wie denkt Ihr darüber?

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

12 Kommentare

  1. Werner Muench am

    Der Service von Amazon ist am besten. Umtausch? Problemlos. Ware kaputt im Garantiezeitraum? Kein Problem, Geld zurück. Andere Händler würden herumeiern oder sonstwas.

    Und bei Amazon kann man immer jemanden erreichen, bei Saturn wartete ich neulich 4 Werktage auf eine Antwort. Sorry, in Online-Zeiten nicht tragbar.

    • Wobei aus meiner Wahrnehmung auch Amazon merklich nachlässt.
      -Bestellung aufgegeben
      -Lieferungsdatum angekündigt.
      -Mail am Abend erhalten das Paket retourniert wird weil beschädigt.
      -Geld wurde trotzdem abgebucht und nicht von allein erstattet, auch kein Ersatzprodukt wurde geliefert.
      -Von Bekannten ähnliche Geschichte gehört.

      Die Zeiten in welchen Amazon Kompromislos guten Service bot scheinen vorbei. Und warum auch, am Ende wird dann doch wieder bei Amazon gekauft. Die Wahrnehmung ist so pro-Amazon, da fallen die negativen Beispiele nicht ins Gewicht.

  2. Niemand wird gezwungen bei AMAZON ein zu kaufen.
    Nichts wirklich lebensnotwendige gibt es ausschließlich bei AMAZON.
    Alternative Produkte gibt es meistens, ansonsten klappt auch verzichten, nach dem Motto
    Weniger ist Mehr

    Gruß

  3. Das dumme ist, dass Amazon schon so groß ist , das man, selbst wenn man will, ohne Amazon kaum noch auskommen kann.
    – Manche Produkte sind nur über Amazon zu beziehen. Versuche über den lokalen Einzelhandel oder alternative Internetanbieter scheiterten.
    – Bei Affiliate Marketing kommt man um Amazon nicht herum. Die Leute springen größtenteils ab, wenn man sie zu anderen Anbietern leitet.
    -Ähnliches dürfte auch für Händler gelten, ohne Präsenz auf Amazon, EBay dürfte der Umsatz spürbar leiden.
    Das gleiche gilt im Prinzip für Google, Facebook und die anderen Großen, welche schon so groß sind, das sie Quasi-Monopolisten sind.
    Ein Fall für das Kartellamt, doch dann müsste man es mit den USA aufnehmen und wie das aussieht sieht man an der Digitalsteuer welche z.B. Frankreich einführen möchte.
    Und schon ist es ein Politikum und man kommt aus der Nummer nicht mehr heraus.

    • Richtig! In den USA hat sich Amazon längst vom Status als reine online-Handelsplattform verabschiedet, sondern ist vielmehr zum VERSORGER aufgestiegen. In Asien, speziell China (Alibaba & Co.), wird das so leicht eher nicht möglich sein. Es liegt an der EU (insbesondere an deren Lobbyisten), ob Amazon dies auch hierzulande wird durchsetzen können.
      Der Großteil der Kunden erwartet SOFORTIGE Verfügbarkeit und Lieferung sowie BESTEN Service und Preis. Wer diese Erwartungsschnittmengen permanent optimiert/bedient und dadurch ein “reibungsloses Kauferlebnis” bietet, dort wird gekauft – dort wird IMMER gekauft!

  4. [Amazon sind so zuverlässig, kulant, schnell und komfortabel.]
    vs.
    [Amazon ist eine Datenkrake und überwacht seine Mitarbeiter – vermeidet Steuern – toleriert Produktpiraterie und den Verkauf sicherheits- und gesundheitsschädlicher Waren]

    Keine Illusionen, was die meisten Konsumenten höher werten.

    • Ich kaufe schon länger nichts mehr dort, oder nur im Notfall, wenn ein bestimmtes Produkt nirgendwo sonst aufzutreiben ist. Mir missfällt das Geschäftsgebaren sehr. Mit „Alexa“ und Co. habe ich gar nichts am Hut.

  5. “All das zeigt: Einige US-Konzerne haben nicht nur einen Umsatz, der größer ist als das Bruttosozialprodukt vieler Länder, sie benehmen sich auch so.”
    Ich würde (“Wie denkt Ihr darüber?”) diese “einige US-Konzerne” auch mal konkret benennen und mich nicht nur, wie hier fast schon regelmäßig, auf Amazon beschränken. ;-)
    Ebenso, machen’s nämlich z.B. auch:
    – ganz oben: die “Ikone” Apple (vgl. Buch von Ex-Mitarbeiterin Daniela Kickl / “Apple intern”),
    – Tesla (vgl. Prozess und dessen sonderbaren Ausgang gegen Karl Hansen),
    – Google ( bloomberg . com/news/articles/2019-10-23/google-accused-of-creating-spy-tool-to-squelch-worker-dissent )
    – UPS (u.a schamloses Mitarbeiter-Tracking) und viele andere.
    Ein empfehlenswerter Einblick in die Mitarbeiter”kultur”(?) diverser Unternehmen:
    “… Überhaupt fallen durch eingesetzte Programme wie SAP, Microsoft 365, Workday oder Cornerstone so viele Daten als Nebenprodukt an, die auch zur Überwachung ausgewertet werden können, sagt der Datenschützer Wolfie Christl. Und häufig würden diese Daten auch zur Legitimation nichtdigitaler Kontrolle herangezogen. Mitarbeiter des US-Diskonters Walmart dürfen keine flüchtigen Bemerkungen mit ihren Kollegen austauschen. Der Konzern nennt das “Zeitdiebstahl”. Arbeiter in den Geflügelfabriken von Tyson durften zeitweise während der Arbeit nicht aufs WC gehen. Sie waren gezwungen, in Windeln zu arbeiten oder sich einzunässen. Und Apple-Mitarbeiter müssen vor Dienstbeginn ihre persönlichen Gegenstände durchsuchen lassen – was sie bis zu einer halben Stunde unbezahltes Schlangestehen kostet. …”
    Quelle: torial . com/de/selina.thaler/portfolio/462313

    • Ergänzung:
      Zu Facebooks Methoden hat Ihr Kollege Welchering hier ja schon mal was veröffentlicht, das ebenfalls tief blicken lässt:
      blog.wdr. de /digitalistan/facebook-methoden-wie-beim-nachrichtendienst/

    • Also, alle genanten Unternehmen habe ich hier auch explizit schon unter die Lupe genommen, insbesondere Facebook und Tesla (einfach Suche verwenden), und auch Apple mehrfach, was etwa die Praktik bei App Store betrifft. Amazon kommt – angesichts seiner Praktiken – eher selten vor. :)

  6. H. Roland Mahner am

    Das ist ja zum Fürchten und sollte den Bundesdatenschutzbeauftragten aktiv werden und ggf. auch einen Staatsanwalt das alles auf Rechtsverstöße überprüfen lassen.
    Von den Medien wünsche ich mir, dieses datenkrakenhafte Verhalten in viel größerer Breite öffentlich zu machen und die Menschen zur Wachsamkeit auf zu fordern.
    Die Gleichgültigkeit der meisten Menschen wird erst dann völlig unverständlich, wenn man sieht, mit welchem Widerstand auch nur die sinnvolle und maßvollem Ergänzung der Corona-App abgelehnt wird.

  7. Carsten Mohr am

    So, ich denke mal, die machen nicht ihre eigenen Regeln. Natürlich, Mitarbeitern nachschnüffeln und sie im Netz beobachten geht einen deutlichen Schritt zuweit im Bemühen, Schaden vom Unternehmen abwenden zu wollen. Dennoch ist Marktbeobachtung, Kauflaune bewerten, Prognosen erstellen, Trends, politische Lage und so weiter im Auge zu halten genau das, was jedes größere Unternehmen macht.
    Stichwort Pandemie: Wir haben vor 10 Jahren für ein auch in Deutschland ansässiges amerikanisches Unternehmen an einem Pandemieplan mitgewirkt, der sicherstellen sollte, bei einem Personalausfall, Lieferantenausfall oder Umsatzeinbruch von jeweils X schon im Vorfeld geeignete Maßnahmen festzuschreiben um nicht im Falle eines Falles (ich glaube seinerzeit grassierte die Vogelgrippe) das Unternehmen an den Rand des Ruins zu treiben. Das hat Vorteile – nicht nur für die Besitzer, gerade auch für die Mitarbeiter.
    So sollte also ein größeres Unternehmen unbedingt mehr Faktoren im Auge haben als “nur” der eigene Laden.
    Aber, wie gesagt, Mitarbeiter gezielt ausspionieren geht nicht. Das ist aber auch gesetzlich verboten und muß, ich sage es immer wieder, “nur” verfolgt werden.

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