Andre Wolf und die Macher von mimikama sind „Blogger des Jahres“

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Andre Wolf und die Macher von mimikama sind „Blogger des Jahres“

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Am Ende der Veranstaltung stand Andre Wolf auf der Bühne im Berliner BASECAMP. Wolf gehört zum Team von mimikama, einem Projekt, das mit rund 20 Leuten seit Jahren eine unglaublich wichtige Arbeit macht und gegen das kämpft, was heute so oft als „Fakenews“ bezeichnet wird: erst klassische Hoaxes, mittlerweile auch immer öfter Propaganda und andere Formen von Falschmeldungen. Dafür gab es den Goldenen Blogger in der wohl wichtigsten Kategorie: „Blogger des Jahres“.

Zum zehnten Mal haben Franziska Bluhm, Christiane Link, Daniel Fiene und Thomas Knüwer den Preis gestern Abend verliehen – in 18 Kategorien, für die vorher insgesamt 600 Nominierungen eingereicht wurden. Die meisten Entscheidungen haben die rund 200 Gäste im BASECAMP sowie die Zuschauer des Livestreams getroffen.

Die Goldenen Blogger sind auch deshalb spannend, weil man darüber auf eine Menge beeindruckender Onlineprojekte stößt, von denen man sonst nie erfahren hätte. Die Lebensgeschichte von Torsten „Pixelaffe“ Schmitt zum Beispiel, dem Vater eines Sternenkindes, der mit „#1000Gummibears“ eine Spendenaktion für ein Kinderhospiz gestartet hat und dafür den Preis in der Kategorie „Blogtext des Jahres“ bekam.

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat übers Netz von ihrem Sieg in der Kategorie „Blogger ohne Blog“ gewonnen – und sich den Preis selbst abgeholt.

„Newcomer des Jahres“ sind die Macher von „Kreuzberg hilft“, einer Bürgerinitiative, die sich für Flüchtlinge in ganz Berlin einsetzt und sie mit Sachspenden versorgt oder über Geldspenden die Dinge kauft, die nicht ganz so häufig gespendet werden. „Blogger ohne Blog“ wurde die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die ihre Facebook-Seite „zum Bloggen“ nutzt, zum Beispiel für ihre deutlichen Positionen in der Flüchtlingsdebatte. Hayali erfuhr übers Netz von ihrem Gewinn – und holte sich den Preis persönlich ab.

Auch Newsletter und Social-Media-Accounts wurden ausgezeichnet. Der hervorragende Newsletter für digitale Popkultur von Johannes Klingebiel und der POLITICO-Newsletter „Morgen Europa“ von Florian Eder zum Beispiel. Der Snapchat-Account von Juli „heimatPOTTential“ Helmke, die „mit viel Spökes und Herzensschmodder“ aus dem Ruhrgebiet snappt. Oder der Instagram-Account „schafzwitschern“ des schwäbischen Wanderschäfers Sven de Vries – es gibt nicht nur Catcontent, es gibt auch Sheepcontent!

Aber auch die ganz klassischen Blogs haben ihren Platz gefunden. Der Goldene Blogger in der Kategorie „Food & Wein“ ging zum Beispiel an „Freiknuspern“ – ein Blog für Allergiker, für das Fabienne Sophie Engel, selbst allergische Astmathikerin, lauter Rezepte entwickelt. Sieger in der Kategorie „Lifestyle“ wurde das Turnschuhblog „Sneakerzimmer“. Das großartige und in der Rückschau oft witzige „Techniktagebuch“ hat das Rennen in der Kategorie „Techblog“ gemacht. Und „Der Wochenendrebell“, in dem ein Sohn mit Asperger-Syndrom seinem Vater einen Einblick in seine Welt gewährt, hat das Rennen in der Kategorie „Mama/Papa/Eltern“ gemacht.

BASECAMP

Rund 200 Gäste kamen zur Verleihung der Goldenen Blogger ins Berliner BASECAMP.

Und dann wären da noch die weiteren Kategorien. Jan Böhmermann zum Beispiel erhielt einen Goldenen Blogger für die Hashtag-Konferenz fürs NEO MAGAZIN ROYALE, Stefan Niggemeier für seine Parodie auf das unsägliche Mario-Barth-Posting vor dem Trump Tower, und auch die Twitter-Accounts der Polizeien in Berlin und München durften sich über eine Auszeichnung freuen – für die oft witzige, aber in ersten Lagen wie zuletzt nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche auch ernsthafte und hervorragende Begleitung der Polizeiarbeit.

Sieger in der Kategorie „Blocker des Jahres“ wurde das für seinen Blick auf die digitale Welt berüchtigte Landgericht Hamburg für seine Entscheidung, dass der Betreiber einer gewerblich betriebenen Website auch ohne Kenntnis für urheberrechtsverletzende Inhalte, die er verlinkt, haften muss. Damit ergibt sich für jedes Unternehmen und jeden Freiberufler die Pflicht, sämtliche Inhalte verlinkter Websites zu prüfen – fast unmöglich und somit ein Sargnagel für die freie Linkkultur im World Wide Web.

Die Goldenen Blogger haben auch in diesem Jahr gezeigt, wie vielfältig das Netz auch außerhalb der großen Silos wie Facebook, Instagram und Twitter ist. Es ist schade, dass die Veranstaltung gefühlt noch zu selten außerhalb der deutschen Techblase wahrgenommen wird – denn unter den Preisträgern finden sich großartige Projekte, in denen viel Herzblut steckt, und auch durch die Nominiertenliste zu blättern, lohnt sich.

(Offenlegung: Daniel Fiene ist ein guter Freund und Kollege von mir. Abseits davon sind die Goldenen Blogger mittlerweile aber eine relevante Veranstaltung in der deutschen Blog- und Digitalszene, weshalb wir hier auch über sie berichten.)

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

6 Kommentare

  1. Mein Eindruck ist, dass es hier gar nicht mehr ums Bloggen geht. Wenn Newsletter einen Preis bekommen, die gerade einmal ein halbes Jahr bestehen und vom Springer-Verlag finanziert und und massiv beworben werden, dann ist das ein Hohn für „echte“ Blogger. Im Mittelpunkt steht wohl massenmediale Aufmerksamkeit, nicht Glaubwürdigkeit. Schade!

    • @Eric B.: Ich finde, das ist ein bisschen zu hoch gehängt, von diesem einen Gewinner auf die gesamte Veranstaltung zu schließen, bei der nichtkommerzielle Projekte einen sehr großen Raum eingenommen haben.

  2. @Jost: Ich darf da mal ein paar Punkte entkräften… Die Goldenen Blogger sind für uns nicht „einträglich“, obwohl es Sponsoren gibt. Das Sponsorengeld wird größtenteils dafür verwendet, den Nominierten von außerhalb die Reise nach Berlin zu ermöglichen. Das haben wir auch klar so kommuniziert. Am Ende wird wohl auch etwas überbleiben, was aber nicht den Aufwand rechtfertigen würde – denn die gesamte Sache wird von 4 Personen neben ihren Vollzeitjobs (und in einem Fall auch noch neben der Familie) auf die Beine gestellt.

    Gegen den Vorwurf der Intransparenz wehren wir uns erheblich. Jedermann konnte Ende des Jahres Vorschläge machen. Aus diesen – über 600 – haben wir in jeder Kategorie eine Shortlist von 3 möglichen Gewinnern kondensiert.

    Was wir in den vergangenen Jahren aber gelernt haben ist: Egal wie pisselig ein Preis ist, es gibt immer Versuche, ihn zu manipulieren. Beispielsweise würde ein längeres Votingverfahren dazu führen, dass vor allem Youtuber und Snapchatter mit sehr junger Anhängerschaft alles überrollen würden: Ihre Fanscharen würden dann auf Stundenbasis vorbeimarodieren und abstimmen.

    Seit dem vergangenen Jahr gibt es außerdem eine weitere Abstimmungsvariante: das Saal-Voting. Dies ist der neuen Umgebung geschuldet: Für einen Saal mit 300 Personen wäre es schlicht zu langweilig, Online-Voting auf Online-Voting ertragen zu müssen. Intransparent ist das allerdings wohl kaum.

    Schließlich gibt es noch das Jury-Voting: Dies dient einerseits der Beschleunigung der Verleihung, andererseits sehen wir manchmal Kategorien, in denen wir als Veranstalter ein Zeichen setzen wollen – so wie in diesem Jahr mit dem Preis für die Twitter-Aktivitäten der Polizei Berlin und München. Was bereits seit 2 Jahren nicht mehr existiert ist die zutiefst ironische Franzikratie: Unsere Mitmoderatorin Franziska Bluhm durfte eine Kategorie allein entscheiden.

    Interessant ist natürlich, geehrter Jost, Ihr letzter Satz. Nur 2 von 4 Organisatoren „stellen sich selbst dar“? Mir scheint, hier geht es um persönliche Animositäten.

  3. Ist ja schön, dass unten steht, dass da ein Journalist über die Veranstaltung seines Kumpels berichtet. Eine Veranstaltung, die von großen Unternehmen gesponsert wird und wohl auch für die Veranstalter einträglich ist.

    Wegen der nahen Beziehung zwischen Autor und Macher gibt es wohl auch keinen Hinweis zum intransparenten Nominierungs- und Abstimmungsprozess:

    »Über die Sieger wird während der Gala abgestimmt — entweder per Online-Voting, Saalabstimmung oder Jury-Entscheidung.«

    In den letzten Jahren wurde die Abstimmung dazu immer auch durch die Moderation beeinflusst. Vielleicht sollte der WDR hier seine unkritische Berichterstattung einmal überdenken, so schön es auch ist, dass Blogger für ihre oft leidenschaftlich und ohne Gewinnabsichten geführten Blogs eine Auszeichnung bekommen. Schade, dass es aber auch vor allem eine Bühne für die Herren Fiene und Knüwer ist sich selbst darzustellen.

    • Dennis Horn am

      @Jost: Was genau ist am Nominierungs- und Abstimmungsprozess für Sie intransparent? Es gibt eine Vorschlagsphase, im Anschluss wählen die Veranstalter daraus die Nominierten aus und geben sie bekannt – so funktionieren die meisten Preisverleihungen.

      Inwiefern Onlinevoting und Saalabstimmung für Sie intransparent sind, verstehe ich auch nicht; da fände ich eine kurze Erläuterung spannend. Das gilt insbesondere für den Vorwurf, die Abstimmung sei in den vergangenen Jahren durch die Moderation beeinflusst worden. Juryentscheidungen sind abgesehen davon immer intransparent – das liegt wohl in der Natur der Sache.

      (Kommentare, die zum Teil persönlich werden und gleichzeitig die Forderung nach Transparenz aufwerfen, finde ich übrigens immer dann besonders gut, wenn aus ihnen ganz transparent hervorgeht, wer sie geschrieben hat.)

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