Animojis: Die Emojis für die Superreichen

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Animojis: Die Emojis für die Superreichen

Kommentare zum Artikel: 5

Hand aufs Herz: Wer wollte nicht schon immer mal das Kackhaufen-Emoji zum Leben erwecken? Oder sich öffentlich zum Affen machen? Als animiertes Einhorn herumstolzieren oder als Gockel eine Fratze schneiden? Dank Apple wird dieser Traum nun endlich Wirklichkeit. Denn Apple hat jetzt nicht nur neue iPhone-Modelle wie das iPhone 8, das iPhone 8 Plus oder das iPhone X vorgestellt, sondern auch die so genannten Animojis. Eine neue Funktion in IOS11, die es erlaubt, Emojis – na ja – zum „Leben“ zu erwecken. Die eigenen entgleisten Gesichtszüge werden dabei live auf die bunten Emojis übertragen.

Animojis: Der eigene Gesichtsausdruck wird auf Emojis übertragen; Rechte: Apple

Animojis: Der eigene Gesichtsausdruck wird auf Emojis übertragen

Animierte Emojis durch Gesichtserkennung

Das erweitert die Möglichkeiten der Kommunikation mit Emojis natürlich enorm. Zum Glück lassen sich nicht alle Emojis auf diese Weise individualisieren, sondern nur ein paar Dutzend, die extra dafür ausgewählt wurden. Zum Massenphänomen werden Animojis aber ganz sicher nicht. Denn wer solche Animojis verschicken möchte, der braucht dafür das brandneue iPhone X von Apple. Nur Apples neues Flaggschiff ist mit FaceID und Gesichtserkennung ausgerüstet. Diese Technologie aber ist nötig, um die bunten Animojis hinzubekommen.

Denn es wird nicht etwa nur das simple Kamerabild genommen und verarbeitet, sondern es kommt auch die Infrarotkamera im neuen iPhone X zum Einsatz. Damit lassen sich rund 30.000 Punkte im Gesicht ermitteln: Wo sind die Augen, wo befindet sich die Nase, sind die Lippen geöffnet oder geschlossen, lächeln die Augen oder ist die Nase verzogen? Kann die Software im iPhone X alles erkennen – und live auf die Animojis übertragen. Nette Spielerei – keine Frage. Allerdings für einen sehr exklusiven Zirkel. Denn: Es braucht eben ein iPhone X, um solche Animojos erzeugen und verschicken zu können.

Zwei-Klassen-Gesellschaft: Wer kann Animojis?

Es wird also eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben. Jene, die Animojis verschicken können – und solche, die es eben nicht können. Die Kaste der Wir-können-Animojis-Verschicker dürfte erst mal arg klein sein, denn angesichts von Anschaffungskosten von wenigstens 1.150 EUR für ein Smartphone darf man wohl nicht davon ausgehen, dass sich das iPhone X als neues Massengerät durchsetzen wird. Im Gegenteil. Gleichzeitig macht aber jeder klar, der Animojis verschickt: Seht her, ich habe ein „X“ in der Hosentasche. Das verschickte Animoji verrät also deutlich mehr als nur den Gesichtsausdruck und dass der Versender extrem verspielt ist. Es sagt auch: Der Versender kann sich diese Spielerei leisten.

Keine Ahnung, ob Sahra Wagenknecht diese gesellschaftliche Ungerechtigkeit bereits erkannt hat – aber es ist natürlich eine. Animojis sind eine Frage des Geldbeutels. Zumindest erst einmal. Warum ausgerechnet eine solche Spielerei auf einer „Keynote“ als Verkaufsargument herhalten muss, um das teuerste Smartphone aller Zeiten zu verkaufen, bleibt mir ein Rätsel. Ich bezweifle stark, dass Steve Jobs so etwas zugelassen hätte.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Ich finde den Artikel gelinde gesagt etwas „aufgeregt“ und reißerisch. Apple hat eine neue Technologie implementiert – jetzt dürfte es vielleicht maximal ein Jahr dauern bis alle neuen Smartphones die selbe Funktion bereitstellen können. Sofern sich das Gimmick einer gewissen Beliebtheit erfreut, natürlich. Ich würde schätzen, dass das schon jetzt umsetzbar wäre. Mit SnapChat kann man schon jetzt Avatare animieren, auch ohne Infrarot-Kamera. Infrarot mag die Genauigkeit erhöhen, ist aber sicher nicht dazu notwendig. Was außerdem vergessen wird: Die meisten Menschen kaufen sich – in Deutschland wie den USA – ein Smartphone per Handyvertrag. Das ist am Ende nichts anderes als ein Ratenkauf, und den können sich auch nicht „Superreiche“ gut leisten. Ich finde nebenbei, ihre Wortwahl hier marginalisiert das Problem der Spaltung der Gesellschaft in Arm und (sehr) Reich darauf, sich ein (aus Sicht eines Superreichen lächerlich billiges) Smartphone leisten zu können.

  2. Wolfgang am

    Wer benötigt so etwas?
    Seit dem Tod von Steve Jobs wird die Firma sowieso nur noch verwaltet. Von wirklichen Innovationen wie zu seinen Zeiten keine Spur.
    Das können Samsung und Co mittlerweile um Längen besser.
    Man vergleiche nur einmal die Kameras! eines Note 8 mit dem neuesten Modell von Apple; erbärmlich!

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