Anti Social: Verdächtig, wer nicht auf Facebook ist

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Anti Social: Verdächtig, wer nicht auf Facebook ist

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Frau trifft Mann. Die beiden unterhalten sich. Verstehen sich. Scherzen. Lachen. Da greift die junge Blondine routiniert zum Smartphone: Das wohl unvermeidliche Selfie muss her. Denn was nicht fotografisch festgehalten ist, hat nicht stattgefunden. „Ich tagge Dich!“, sagt sie – und sucht nach ihrem neuen Freund in Facebook. Findet ihn aber nicht. „Ich bin nicht bei Facebook“, sagt der Mann, zückt sein Uralt-Handy aus der Tasche und zeigt es her. „Ich meide Social Networks“, murmelt er ernst. Die Frau ist schockstarr, schlägt ängstlich das Handy weg, als wäre es vergiftet. Ein Albtraum beginnt – auf wen hat sie sich da nur eingelassen?

Von wegen Satire: In Wirklichkeit schlimmer

Eine gelungene Satire, dieses Kurzvideo „Anti Social“ von Comic Relief auf YouTube. Doch leider ist die Satire nicht sonderlich übertrieben. „Wem soll ich denn davon erzählen, wenn ich einen Gedanken habe, eine Idee, eine Meinung?“, fragt die durch und durch verunsicherte junge Frau ihren neuen Freund. „Einfach der Dir am nächsten stehenden Person“, antwortet der Freund. Hysterische Aufregung im Freundinnenkreis, weil es über jemanden nichts, aber auch rein gar nichts im Netz zu finden gibt.

So weit sind wir heute tatsächlich: Wer keine Spuren im Netz hinterlässt, ist ein Geist. Existiert nicht. Aus einer anfangs verrückten Besonderheit, nämlich seine Befindlichkeiten in Sozialen Netzwerken zu posten, ist heute fast schon erste Bürgerpflicht geworden. Wer sich nicht in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Pinterest und Co. tummelt, dort nicht präsent ist, macht sich sogar verdächtig. Mitunter werden Menschen, die bewusst auf Facebook und Co. verzichten, bereits als Sozial-Phobiker eingestuft. Als Phobiker. Unfassbar.

Anti Social: Keine Infos in den Sozialen Netzwerken; Rechte: YouTube

Anti Social: Keine Infos in den Sozialen Netzwerken

Wer sich versteckt, macht sich verdächtig

Mehr als zwei Milliarden Menschen sind mittlerweile bei Facebook aktiv. Wäre Facebook ein Land, wäre es das mit Abstand bevölkerungsreichste Land der Welt. Obwohl es so viele Menschen sind, die hier „leben“, kennt der Obermonarch Mark Zuckerberg jeden einzelnen seiner Untertanen besser als ihn seine Freunde und Verwandten kennen. So ist das in Sozialen Netzwerken. Man teilt. Und wer nicht teilt, der stört – oder hat etwas zu verbergen. Das erinnert ein bisschen an den Roman The Circle. Aber selbst diese Dystopie ist von der Gegenwart nahezu eingeholt, wenn nicht sogar bereits übertroffen worden.

Wir sind gut beraten, das Kurzvideo auf uns wirken zu lassen. Die Macht der Sozialen Netzwerke nimmt immer weiter zu. Die Betreiber wissen fast alles über uns – und können darüber hinaus auch alles bestimmen: Sie entscheiden, was sichtbar ist und was nicht, was die Filterblase nach oben spült und was in den Orkus zieht. Die Betreiber haben enormen Einfluss darauf, wie wir die Welt sehen – und verdienen auch noch kräftig daran.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. P. Gedoehns am

    Natürlich handelt es sich bei dem Film um Satire, jedoch kann ich in meinem Umfeld keine Ähnlichkeiten feststellen. Es wird vollständig akzeptiert, dass ich nicht bei Fb. & Co angemeldet bin, kein Smartphone besitze und grundsätzlich bar zahle.
    Im Gegenteil, es häufen sich sogar Stimmen von Leuten, die sich bei Fb. abgemeldet haben und ihren freiwillig erworbenen Spion (Smartphone) öfter mal ausgeschaltet lassen, weil sie es satt haben, überwacht, genervt und dauerhaft bestrahlt zu werden.
    Aus meiner Sicht ist diese Gesellschaft noch ganz so naiv, wie bestimmte Kreise sie gerne hätten. Um diesen Zustand zumindest zu erhalten, trage ich meinen Tei dazu bei und schreibe hier immer wieder meine Gedanken nieder, auch wenn sie von manchen Leuten ausgeblendet, oder ins Lächerliche gezogen werden.

  2. Das Geschäftsmodell, bzw. die Datenbeschaffung dieses Unternehmens bezeichne ich schon teilweise als verwerflich bis Illegal. Diejenigen die kein Profil bei FB haben, finde ich beneidenswert. Die anderen, die bei FB einen Account haben, scheinen sich nichts aus Ihren Daten, die sie zur Verfügung stellen zu machen. Oder sie wissen es nicht, oder sie Interessiert es schlicht nicht.

    Es gibt ja fast täglich kritische Berichte über FB. Ich denke nicht, dass die kritischen Berichte ein Durchschnitts User groß zu Gesicht bekommt. Weil bei FB zählen nur die positiven/schönen Dinge.

    Derjenige, der sich bei FB herumtreibt ist für mich persönlich schon eher die Seltsamere Person. So zeigen sie in ihren Aktionen, was sie darstellen oder glauben darstellen zu können oder müssen. Na ja, nicht meine Welt.

    Was kann man gegen FB tun? Und zudem… Es scheint wohl keinen wirklich zu Interessieren, was dagegen getan werden kann. Auch ist der Datenschutz denen wohl auch egal. (Die Persönlichen ‚Sicherheitseinstellungen‘ sind ohnehin nur Augenwischerei) Und warum passiert nichts, beim Thema das sowieso jeder getracked wird? u.s.w. …

    Ich habe eine Idee:
    Ich lege mir ein Paar Profile an und like, teile Produkte, Shops u.a. die mich (jetzt das entscheidende) 0,00 Interessieren. Alles im Glaubwürdigen Rahmen, versteht sich. Es wird bei Betrachtung einer Seite, nach gewisser Zeit ein PopUp eingeblendet, für z.B. Newsletter. Da muss man sich einfach anmelden. Eigens eine Mail Adresse gibt es dafür. Dann teilt man mit seinen Freunden die/das Themen/-a.

    Eine Super Sache. Das macht sogar Spaß bei FB. Einen Warenkorb füllen, aber den letzten Schritt selbverständlich abbrechen.

    Diese Aktionen dürfen natürlich nicht zuviel und nicht zu schnell hinter einander passieren. Wie gesagt, es muss glaubwürdig bleiben.

    Die Freunde sind natürlich die allerbesten Freunde.

    Außerdem kann man ja dadurch lernen, wie FB funktioniert.
    z.B. Das FB Pixel, mit lookalike Audiences, Conversion Tracking und das Zielgruppen Targeting.

    Mich Interessieren tatsächlich nicht die User (die sind im Grunde FB auch egal).

    Für mich ist das Wissen über die andere Seite wichtig.

  3. „Wer sich versteckt, macht sich verdächtig“.
    Na und? Kann ich sehr gut mit leben!
    Nennt sich „persönliche (Entscheidungs-)Freiheit“!
    Und wenn ich z. B. sowas lese,

    com-magazin.de/news/soziale-netze/us-militaer-ueberwacht-soziale-netzwerke-weltweit-1437208.html

    dann weiß ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben! ;)

  4. Arbeitslos am

    Ich weigere mich meine Daten in den sozialen Netzwerken öffentlich zu machen, es muss nicht jeder alles über mich wissen, dann gibt es mich eben nicht, kann ich auch mit leben, Zu denken gibt mir, das ich jetzt bei einem Vorstellungsgespräch darauf angesprochen wurde, das über mich nichts im Internet zu finden sei!!! ich habe doch meine Bewerbungsunterlagen vorgelegt, das reicht doch fürs erste, alles andere sollte doch über ein persönliches Gespräch stattfinden. Und auch von der ARGE wurde ich genötigt mein Profil ins soziale Netzwerk zu stellen. NEIN, dem verweigere ich mich. Ich will kein gläserner Mensch sein.

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