Apple stellt iPhone mit randlosem Display und Gesichtserkennung vor

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Apple stellt iPhone mit randlosem Display und Gesichtserkennung vor

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iPhone X – ausgesprochen: „iPhone ten“ – heißt das neue Flagschiff-Smartphone von Apple. Es ist das erste iPhone mit OLED-Display, das auf 5,8 Zoll kommt und fast die gesamte Vorderseite des Geräts einnimmt. Die Auflösung des Displays beträgt 2.436 x 1.125 Pixel, wobei ein kleines Stück wie eine Scharte dort ausgespart ist, wo sich Hörmuschel, Frontkamera und eine Reihe von Sensoren für die Gesichtserkennung befinden.

Die Farbtemperatur des Displays soll sich ans Umgebungslicht anpassen. Das iPhone X unterstützt Dolby Vision und HDR, um auf einen größeren Kontrastumfang zu kommen. Auf der Vorderseite ist das Gerät mit einer 7-Megapixel-Kamera ausgerüstet, auf der Rückseite mit einer Dualkamera mit 12 Megapixeln. Beide Kameras setzen auf eine optische Bildstabilisierung. Ein neues Blitzsystem soll für eine bessere Ausleuchtung sorgen.

Umstrittene Entsperrung

Für den meisten Gesprächsstoff dürfte allerdings die Gesichtserkennung sorgen, mit der das iPhone X entsperrt werden kann. Die Funktion mit dem Namen „Face ID“ soll sicherer als der bisherige Fingerabdrucksensor mit dem Namen „Touch ID“ sein. Das System funktioniere auch dann noch, wenn Nutzer Sonnenbrillen oder Hüte tragen; per maschinellem Lernen seien auch Änderungen des Aussehens über die Zeit kein Problem.

Gesichtserkennung

Die Gefahr, dass eine Person mit identischen Gesichtsmerkmalen das eigene iPhone entsperren könnte, liegt laut Apple bei 1 zu 1 Million – und falle damit deutlich geringer aus, als bei Fingerabdrücken.

Voraussetzung dafür ist allerdings tatsächlich eine wesentlich bessere Kamera- und Sensortechnik als bisher. Allein die Gesichtserkennung der Fotos-App im iPhone 6S hält mich zurzeit für drei verschiedene Personen. So etwas darf mit Face ID natürlich nicht passieren. Wie zuverlässig diese Technik ist, dürften die Nutzerberichte der kommenden Wochen zeigen.

Face ID – und die erwartbare Datenschutz-Diskussion

Auch ohne technische Probleme dürfte Face ID aber in den kommenden Wochen für eine weitere (und erwartbare) Datenschutz- und Privatsphäre-Diskussion sorgen. Schließlich haben wir neben den Sprachassistenten, die „immer zuhören“ nun auch noch eine Kamera, die „immer zuschaut“ – anders lässt sich die Entsperrung eines Smartphones per Gesichtserkennung schließlich nicht lösen.

Auch der Homebutton ist mit dem iPhone X natürlich Geschichte. Dessen Funktionen gehen an anderer Stelle auf. Wer zum Homescreen wechseln möchte, wischt dafür in Zukunft einfach während der Nutzung einer App nach oben; Siri lässt sich über die Seitentaste des Geräts aufrufen.

iPhone 8, AirPods, Apple Watch

Neben dem iPhone X hat Apple auch das neue iPhone 8 vorgestellt, das sich ebenfalls drahtlos laden lässt.

Das iPhone X geht am 3. November in den Verkauf und wird in der 64-GB-Variante teure 1.149 Euro kosten – und in der 256-GB-Variante 1.319 Euro. Verdammt viel Geld für ein Smartphone; die Frage ist, ob die Käuferschicht, die auch bisher schon treu aufs iPhone gesetzt hat, sich daran stören wird.

Neben dem iPhone X kommt auch ein iPhone 8

Preislich darunter liegen werden das iPhone 8 ab 799 Euro und das iPhone 8 Plus ab 909 Euro – zwei Geräte mit dem bekannten Formfaktor mit 4,7- oder 5,5-Zoll-Display. Die wesentlichen Unterschiede zum iPhone 7: eine Kamera mit 12 Megapixeln, in der Plus-Variante auch als Dualkamera; Videoaufnahmen mit 4K; auch die Rückseite des Geräts besteht außerdem aus Glas, was laut Apple nun das drahtlose Laden möglich macht.

Apple unterstützt mit dem iPhone 8 den Qi-Standard, der schon in Möbeln und Autos verbaut wird, und will kommendes Jahr eine eigene Ladematte mit dem Namen „AirPower“ in den Handel bringen, die auch das iPhone X, die Apple Watch und die drahtlosen AirPod-Kopfhörer aufladen kann.

Apple-Campus

Vorgestellt hat Apple seine neuen Geräte am Dienstagabend (12.09.2017) im Steve-Jobs-Theater auf dem neuen Apple-Campus in Cupertino.

Das iPhone 8 kommt schon am 22. September in den Handel. Gleichzeitig wird Apple das iPhone 7, das iPhone 6S sowie das iPhone SE im Line-up behalten. Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich das auf die Verkaufszahlen auswirkt. Mit den älteren iPhone-Generationen spricht Apple nun auch stärker eine Käuferschicht an, denen Smartphones schlicht zu teuer sind, wenn sie sich der 1.000-Euro-Grenze nähern.

Nutzer aus der Android-Welt werden für die neue iPhone-Generation vermutlich nur ein müdes Lächeln übrig haben, denn viele der „Neuerungen“ sind so neu gar nicht – vom drahtlosen Laden (den Qi-Standard gab es beim Samsung Galaxy S3 schon im Jahr 2012) bis zur Gesichtserkennung (die Entsperrfunktion „Trusted Face“ wurde mit Android Lollipop im Jahr 2014 eingeführt). Apple beseitigt damit auch beim iPhone einen Entwicklungsstau und schließt zur Konkurrenz auf.

Neue Apple Watch, neues Apple TV

Neben den iPhones stellte Apple auch eine neue Version seiner Smartwatch vor. Darin steckt eine SIM, mit der die Uhr unabhängig vom iPhone wird. In Deutschland müssen Nutzer dafür aber Kunden der Deutschen Telekom sein; andere Anbieter werden das LTE-Modell der Apple Watch erst einmal nicht unterstützen. Auch Einzelheiten zu den Kosten sind noch nicht bekannt. Die Uhr selbst wird es in der LTE-Version ab 449 Euro geben.

Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook kündigt die Apple Watch Series 3 an.

Auch die Set-top-Box Apple TV erhält ein Update. Die neue Version des Streaminggeräts kann Inhalte in 4K-Qualität ausgeben, beherrscht Dolby Vision und HDR für einen größeren Kontrastumfang. Apple verspricht die passenden Inhalte von einer Reihe von Filmstudios – die 4K-Versionen sollen dabei nicht teurer als die bisherigen HD-Versionen werden; das preiswerteste Apple-TV-Modell soll 199 Euro kosten.

Es fällt schwer, ein Fazit der Produktvorstellung zu ziehen. Evolution statt Revolution – so läuft es in der Techwelt seit Jahren, und so ist es auch mit der Vorstellung der neuen iPhone-Generation. Wie sich die Geräte am Ende in der Praxis schlagen werden, wird erst der Langzeittest zeigen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

9 Kommentare

  1. Merkwürdig mal wieder, dass auch hier der Windows-Abteilung keine Rechnung getragen wird.
    QI? Gab es schon in den Lumia 920 (2012)
    Iris-Scan (statt gleich das komplette Gesicht zu nutzen)? Kam mit ‚Windows Hello‘, zB auf dem 950 (2015)

  2. Ich werde in nächster Zeit mein mitterweile sieben Jahre altes iPhone 4(!) in Rente schicken und (vornehmlich aus reiner Faulheit) erneut zu einem iPhone greifen – allerdings ist noch fraglich, ob 7 (günstig), X (teuer) oder 8 (Kompromiss).

    Für mein Empfinden ist das X der eigentliche Nachfolger des 7, während das 8 lediglich dezente Produktpflege ist. Und den Einstiegspreis hier einfach mal grob 50% höher anzusetzen als beim „Vorgänger“ erfordert schon Mut an der Grenze zum Größenwahn, zumal sämtliche neuen Features vor allem eines demonstrieren: das Smartphone scheint so langsam endgültig am Ende seiner Innovations- und Evolutionsfähigkeit angelangt zu sein, zumindest was die einigermaßen praxisrelevanten Aspekte angeht.

    Stattdessen stagniert man ausgerechnet bei den Basics auf eher niedrigem Niveau: Bei den Akkulaufzeiten tut sich seit Ewigkeiten praktisch gar nichts und sowohl das Galaxy Note 8 als auch das iPhone X kommen trotz vierstelliger Preisregionen mit eher bescheidenen 64 GB Speicher daher – ziemlich armselig.

    • Dennis Horn am

      @C.D.: Gerade, was den Akku angeht, sehe ich das genauso. Wie wohltuend wäre eine neue Smartphone-Generation, an der nichts neu wäre – außer mehr mAh und einem besseren Akku.

  3. …schließt zur Konkurrenz auf… was für eine Schmach für den einstigen Vorreiter Apple. Erst recht bei diesem Modell, das ja eigentlich die neue Weltspitze definieren sollte.

    • Dennis Horn am

      @Thor: Ich weiß manchmal nicht, ob Apple diese vermeintliche Vorreiterrolle nicht auch von außen aufgedrückt wird.

      • Zugegeben, das ist seit einer Weile wohl so. Ich bezog mich auf das erste Smartphone von vor 10 Jahren. Und das jetzige Jubiläumsmodell wird seinem Vorfahren nicht gerecht :)

        • Dennis Horn am

          @Thor: Ich weiß persönlich auch gar nicht, ob das so sein muss. Es heißt ja bei allen Herstellern seit vielen Jahren: Evolution statt Revolution. Vielleicht ist es so wie im Kommentar von C.D. über Ihrem: dass das Smartphone in seiner aktuellen Form einfach ausentwickelt ist.

          • Da ist was dran. Ich wäre noch happy, wenn die eingebauten Kameras einen ‚Action‘-tauglichen Autofokus bekämen und der eingebaute Soundprozessor mein Hi-Res-Audioplayer obsolet machten. Nothing more

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