Auch Facebook tippt ab – und zwar Sprach-Chats

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Auch Facebook tippt ab – und zwar Sprach-Chats

Kommentare zum Artikel: 1

Das dürfte Mark Zuckerberg erneut in Schwierigkeiten bringen: Der Facebook-Chef wurde schon mehrfach gefragt, wie es denn sein kann, dass Facebook-Usern Werbung präsentiert, die wie durch ein Wunder zu kurz vorher geführten Chats und Gesprächen passt.

Mark Zuckerberg bestritt bei einer Anhörung vor dem US-Kongress ausdrücklich jede Abhörpraxis. Er sprach sogar von einer “Verschwörungstheorie”. Zuckerberg vor den ernsthaft nachfragenden Abgeordneten: “Wir machen das nicht”.

Mark Zuckerberg auf der F8 Konferenz; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hat öffentlich behauptet: “Wir machen das nicht!”

Zuckerberg hat öffentlich gelogen

Klar – was (mal wieder) eindeutig belegt: Mark Zuckerberg ist nicht zu trauen. Auch wenn jetzt nicht bewiesen ist, dass Facebook die Gespräche vollständig abhört und/oder für Werbezwecke auswertet, so ist ein kategorisches “Wir machen das nicht!” bei der Anhörung eine glatte Lüge gewesen. Zumindest wäre es der richtige Zeitpunkt gewesen, über die offensichtlich übliche Praxis bei Facebook aufzuklären.

Denn wie der Finanzdienst Bloomberg berichtet, gibt es bei Facebook dieselbe Abhörpraxis wie bei Apple, Google und Amazon. Auch Facebook beschäftigt hunderte von Mitarbeitern, die von Usern gesprochene Texte transkribieren. Sie überprüfen, ob die Spracherkennung im Facebook Messenger richtig funktioniert hat. Denn viele User diktieren ihre Chat-Texte. Diese gesprochenen Texte werden von Menschen abgehört und aufgeschrieben.

https://vimeo.com/352905508

Anna Biselli von netzpolitik.org über Abhörpraktiken

In Chats sind Abhörpraktiken besonders heikel

Offizielles Ziel: Festzustellen, ob die Sprachanalyse im Facebook Messenger richtig funktioniert. Heikel an der Sache ist, dass praktisch niemand weiß, dass nicht nur Maschinen zuhören (können), sondern eben auch echte Menschen. Auch wenn das offenbar stichprobenartig und anonymisiert erfolgt: Aus privaten Chats lassen sich jede Menge indiskreter Informationen ableiten. Denn wer reißt sich schon zusammen, wenn er mit Freunden chattet?

Ein eindeutiger Betrug am Nutzer, der darüber nicht informiert wurde. Bei Facebook wiegt dieses Vergehen besonders schwer, weil die User in einem Chat privatere Dinge sagen als wenn sie Alexa und Co. eine Anweisung erteilen. Spätestens bei der in den letzten Wochen aufkeimenden Diskussion über die Abhörpraktiken bei Apple, Google und Amazon hätte Facebook ja proaktiv informieren können.

Hat Facebook aber nicht. Wie immer wird nur eingeräumt, was sich ohnehin nicht mehr leugnen lässt. Armselig.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Off_Leiner am

    Es wird mir hier zuweilen vorgeworfen, ich wiederholte mich.
    Diese Kritik übersieht freilich, daß diese Wiederholungen RE-aktionen sind auf Meldungen, die IHRERSEITS immer wieder gleichgeartete Skandale berichten – wie der obige Artikel von Jörg Schieb!
    Was soll man dazu anderes und mehr sagen als daß die Menschen sich doch vor derlei Ausspioniertwerden und Überwachung ganz einfach dadurch schützen können, daß sie ENDLICH DIE FINGER von diesen ASOZIALEN NETZWERKEN LASSEN und ABSTINENT werden!
    Facebook und Komplizen braucht doch in Wahrheit KEIN MENSCH.
    Diese Dinge sind überflüssig wie ein Kropf und wir “brauchen” sie ungefähr so nötig wie Crystal Meth und Crack!

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