BND-Schnüffeleien: Auch Du, Brutus?

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BND-Schnüffeleien: Auch Du, Brutus?

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Konstantin von Notz vermutet schon lange, dass NSA und BND unter einer Decke stecken. Immerhin muss von Notz nicht nur mutmaßen. Er kann auch Zeugen befragen. Denn Konstantin von Notz ist Mitglied im NSA-Untersuchungsausschuss. Da wird schon eine Weile ein Teil der Eskapaden untersucht, die sich die NSA auf bundesdeutschem Boden in den letzten Jahren geleistet hat. netzpolitik hat sogar einen Live-Blog aus dem Untersuchungsausschuss.

Offensichtlich hat die NSA mit tatkräftiger Unterstützung des BND spioniert. Der Bundesnachrichtendienst hat – wie es derzeit aussieht – den Amerikanern jede Menge Daten beschafft – ohne ausreichend darauf zu achten, ob auch deutsche Staatsbürger überwacht werden und was mit den Daten am Ende eigentlich passiert. Selbst deutsche Politiker sollen überwacht worden sein. Da bahnt sich ein faustdicker Skandal an.

BND schnüffelt Internetknoten Frankfurt aus

So wird verständlich, wieso der BND zum Thema NSA so eisern schweigt – und auch die Politik lammfromm auf die Schnüffelangriffe der NSA reagiert. Der BND steckt mit drin. Die Berufsspione haben sich zum Beispiel in den Frankfurter Internet-Knotenpunkt DE-CIX geklinkt – und im großen Stil Daten abgegriffen. DE-CIX ist der weltweit größte Internetknoten. Hier können Geheimdienstler also richtig Beute machen. Gegen die jahrelange Überwachung will der Betreiber von DE-CIX nun klagen. Völlig zu Recht.
„Wir haben uns seit Jahren dagegen gewehrt und sind der Meinung, dass Überwachung in dieser Form unzulässig ist“, erklärt DE-CIX-Aufsichtsrat Klaus Landefeld gegenüber NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“. Man muss sich mal das Ausmaß dieser anlasslosen Schnüffeleien klar machen: Am DE-CIX werden jede Sekunde (!) etwa drei Terabit Daten verarbeitet, das ist jede Sekunde der Inhalt von 600 CD-Roms. Über den Knoten wird der Internetverkehr vieler großen Provider abgewickelt, darunter (seit neuestem) Deutsche Telekom, Vodafone und Verizon.

Welches Kabel führt zum BND? Knotenpunkt DE-CIX in Frankfurt; Rechte: dpa/Picture Alliance
Welches Kabel führt zum BND? Knotenpunkt DE-CIX in Frankfurt

BND schnüffelt Internetknoten Frankfurt aus

Mindestens seit 2009 belauscht der BND laut einem aktuellen Bericht über den Knotenpunkt in Frankfurt Telefonate, Chats und E-Mails. Genehmigt wurde das von der G-10-Kommission des Bundestages. Angeblich sollen „nur“ Ausländer abgehört worden sein. Akzeptieren wir das, müssen wir auch damit leben, dass die NSA Ausländer zu Freiwild erklärt. Abgesehen davon sind 40.000 durch die NSA beantragte Überwachungsmaßnahmen gegen westeuropäische und deutsche Interessen gerichtet gewesen.

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Unser eigener Geheimdienst, der weitgehend unkontrolliert arbeitet, hilft fremden Geheimdiensten dabei, die eigene Bevölkerung auszuspähen. Es werden nicht nur Privatleute, sondern auch Wirtschaft und Politik bespitzelt. Ich bin gespannt, wie man das vernünftig erklären möchte. Mir fehlt schlichtweg die Phantasie, wie das gehen soll.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. World Wide Depp am

    Ich glaube, dass das auch nur die Spitze des Eisbergs ist. Aber hinterfragen sie auch mal, wie viele furchtbare Anschläge dadurch bisher verhindert wurden. Offiziell werden sie dazu keine Antwort bekommen. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass mir das an der ganzen Sache gefällt.
    Der in ihrem Artikel enthaltene Vorwurf der Wirtschaftsspionage ist nicht bewiesen. Meinen sie, die Amerikaner versuchen bei uns herauszufinden, wie man gute Autos baut? Tatsächlich wäre das gar nicht so abwegig…in diesem Sinne..

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