Audio AR – Sonnenbrille mit Flüsterassistent

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Audio AR – Sonnenbrille mit Flüsterassistent

Kommentare zum Artikel: 7

Eines der größten Probleme in der Augmented Reality (AR), also der erweiterten Realität, ist zurzeit noch die visuelle Darstellung in den AR-Brillen. Das Sichtfeld ist begrenzt, die nötige Technik klobig und teuer.

Audio-Hersteller Bose hat für all diese Probleme eine Lösung: Die visuelle Ebene wird einfach weggelassen. Bose hat jetzt eine AR-Sonnenbrille auf den Markt gebracht, bei der die Realität allein über Ton erweitert wird.

AR Kneipenführer

Vergangene Woche konnte ich auf der SXSW-Konferenz die ersten App-Demos für die Brille ausprobieren. Eine der Anwendungen ist eine Art Kneipenführer, wenn der Nutzer seinen Blick auf eine Kneipe richtet und auf den rechten Brillenbügel tippt, wird die Bewertung der Kneipe auf der Plattform Yelp vorgelesen. Das funktioniert in der Beta-Version oft ganz gut. Wenn die Kneipen zu nahe beieinander liegen, erkennt die App das Lokal manchmal nicht richtig.

Die Brille selbst enthält nur einen Lagesensor, um die Blickrichtung des Nutzers zu erkennen. Die App läuft auf einem per Bluetooth gekoppelten Smartphone, über das auch die Lokalisierung per GPS erfolgt.

Bose Frames ; Rechte: WDR/Ohrndorf

Die Bose AR Brille wiegt etwa 45 Gramm, die Brillenbügel sind etwas dicker, als bei reinen Sonnenbrillen. Das Ladekabel wird an der Innenseite angesteckt.

Eine weitere Demo-Anwendung ist eine historische Stadtführung. Sobald man an einem Ort vorbeigeht, zu dem die App eine Zusatzinfo hat, wird man über einen dezenten Signalton darauf hingewiesen. Mit einem Tipp auf den Brillenbügel wird die Erläuterung dann abgespielt. Angekündigt ist auch eine Anbindung an Navigations-Apps und Sprachassistenten.

Ohren bleiben frei

Die Beiläufigkeit, mit der die Informationen abrufbar sind, machen Spaß. Das Handy kann in der Tasche bleiben. Der Ton kommt aus kleinen Lautsprechern im Brillenbügel, das Ohr selbst bleibt aber frei und kann die Umwelt uneingeschränkt wahrnehmen.

Wer genug von AR hat, kann über die Brille auch Musik hören oder telefonieren, allerdings nur maximal 3,5 Stunden lang, dann ist der Akku leer.

https://www.youtube.com/watch?v=vw7LaLf0A08
Demovideo: Kriegskinder – AR Anwendung des WDR für Smartphones und Tablets

Über den Autor

Elektronikbasteln hat David schon immer fasziniert. Nach BWL-Studium und WDR-Volontariat arbeitet er als Journalist für Fernseh- und Online-Redaktionen. Mit Stefan Domke hat er das Storytelling-Tool Pageflow erfunden, für das er 2014 einen Grimme Online Award bekam.

7 Kommentare

  1. Off_Leiner am

    Im Anschluß an “Gero”:
    Wo soll überhaupt ein irgendwie gearteter Vorteil von so einem Quatschwie der “Augemented Realitiy” liegen ?
    Wer Augen, Ohren, Nase und Finger hat, braucht doch so etwas ungefähr so dringend wie einen Kropf – es sei denn, natürlich, man strebt eine letzten Endes auch biologische Symbiose mit Maschinen an – es soll ja sogar schon Leute geben, die sich allen Ernstes Chips unter die Haut implantieren lassen – einer der vielen Gipfel digitaler Perversionen.
    Ich für meinen Teil bleibe lieber ein lebendiger Mensch und benutze meine eigenen Sinnesorgane (und, by the way, auch keinen Navi und kein Auto und erst kein Suchtphone)

    • David Ohrndorf am

      Es stimmt schon, bei den Beispielen oben ist mal noch keine “Killer App” dabei, also etwas was so einen überzeugenden Nutzen hat, dass die Technik für viele Leute interessant ist. Und wenn Du kein Smartphone hast, wird dich so eine AR-Anwendung vielleicht auch nie überzeugen. Ich fänd die Brille zum Beispiel schon interessant, wenn ich darüber gut Zugriff auf mein Smartphone hätte, ohne es immer aus der Tasche ziehen zu müssen.

      • Off_Leiner am

        Ja, und am Ende vergammeln wir psychisch, physisch und mental auf unseren Sofas wie die Menschen (?) in dem augenöffnenden Film “Surrogates”: NEIN DANKE!
        (Von den sich exponentiell vervielfältigenden Überwachungs- und Manipulationsmöglichkeiten gar nicht zu reden…!)

        • Leider vergammeln wir alle irgendwann psychisch, physisch und mental auf unseren Sofas, wenn nicht die Gnade eines frühen, plötzlichen Todes uns davor bewahrt. Vielleicht wäre dann sogar ein off_liner ganz froh, wenn die trüben Augen, das nachlassende Gehör oder das demente Gehirn durch Technik die eigene Unabhängigkeit auch nur für kurze Zeit verlängern kann. Wie mein Vater so schön sagte: Alt werden ist Scheiße. Zumindest ich verzeihe ihm diesen drastischen Ausdruck, denn er trifft den Nagel auf den Kopf. Ich für meinen Teil, als trauriger Besitzer eines oculus ultimus mit altersbedingt schlechter werdendem last eye glaube, dass viele Behinderte technische Entwicklungen, die die gerühmten menschlichen Sinne verbessern können, begrüßen werden. Übrigens: Nur 30% aller Menschen sehen wirklich 100%. Viel Spaß ohne Technik.

          • David Ohrndorf am

            Tatsächlich ist das auch ein Anwendungsfall, den Bose vorgestellt hat. Ich glaube aber, dafür läuft das System noch nicht verlässlich genug.

  2. Ich kann mir aber doch auch einfach normale Kopfhörer aufsetzen und höre die Ansagen vom Navi, wo liegt da der Vorteil?

    • David Ohrndorf am

      Wenn es so funktioniert, wie Bose sich das vorstellt, gibt die Brille die genaue Blickrichtung an das Handy weiter, so dass die Ansage des Navis dann wirklich exakt ist.

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