Auftrieb für Selfmade-Encryption dank FBI

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Auftrieb für Selfmade-Encryption dank FBI

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Die Befürchtungen von Apple haben sich bewahrheitet: Nachdem es dem FBI gelungen ist, mit Hilfe einer noch unbekannten Partei das iPhone 5c des San Bernardino Terroristen zu knacken, bietet die US-Bundespolizei nun auch anderen Behörden Hilfe an. Genau das hatte Apple-Chef Tim Cook befürchtet: Wer einmal eine Hintertür aufmacht, kann sie nicht mehr schließen. Dass das FBI so ausdrücklich betont und das Vorhaben sogar öffentlich macht, darf durchaus als mediale Ohrfeige betrachtet werden. Das FBI will zeigen: Wir können auch ohne euch. Doch in Wahrheit sagt das FBI: Eure Bedenken scheren uns nicht.

Laptop-Tastatur Hacker; Rechte: dpa/Picture Alliance

IT-Riesen weigern sich, Backdoors einzubauen

Ich gehe davon aus, dass sich Apple, Google, Facebook, Microsoft und Co. auch weiterhin aktiv weigern werden, versteckte Hintertüren (Backdoors) in Betriebssystem, Anwendungs-Software und Apps einzubauen. Sicher kann man da aber nicht sein. Im Gegenteil, denn der Druck aus den Behörden wird größer – und auch aus der Politik. Barack Obama himself wirbt für einen Generalschlüssel für FBI und Co., zum Beispiel auf dem SXSW-Konferenz. US-Behörden sollten in die Lage versetzt werden, bei Bedarf jede Kommunikation abzuhören und mitzuschneiden.

Kein Wunder, dass alternative Verschlüsselungsverfahren da gerade Hochkonjunktur haben. Wer weiß, dass es auf seinem Smartphone eine Backdoor gibt oder das auch nur als nicht unwahrscheinlich annehmen muss, der hält Ausschau nach anderen Lösungen. Mit Cryptomator gibt es jetzt eine Lösung aus Deutschland: Die App verschlüsselt Ende-zu-Ende, es werden also keine Schlüssel auf Servern gespeichert. Darüber hinaus ist die gesamte Software OpenSource. Das bedeutet, jeder kann einen Blick hineinwerfen. Backdors lassen sich da nur schwerlich unterbringen.

Einfach selbst machen: Verschlüsseln mit Cryptomator und Co.

Und das Coole an Cryptomator: Die Software kann Daten auf gängigen Online-Festplatten wie Dropbox, Microsoft OneDrive, Apple iCloud Drive oder Google Drive ablegen. Einmal eingerichtet, bemerkt man die Verschlüsselung und Entschlüsselung nicht. Es ist auch keine Registrierung erforderlich. Die Daten landen sicher abgeschlossen in der Cloud. Ohne Schlüssel darauf zuzugreifen, ist schwer vorstellbar. Die Software ist kostenlos, zumindest für OSX, Windows und Linux. Wer die iOS-Version nutzen will, zahlt rund fünf EUR dafür. Doch das Mehr an Sicherheit dürfte es vielen wert sein.

Mit Lösungen wie Boxryptor lassen sich ganz ähnliche Ergebnisse erzielen. Oder man verwendet Cloud-Dienste, die sowieso alle Daten automatisch verschlüsselt speichern, etwa Spideroak oder Tresorit. Solche alternativen Lösungen werden in Zukunft deutlich mehr Leute nutzen. Zum einen, weil sie mehr Kontrolle bieten und darüber hinaus zu keinem großen Konzern gehören, teilweise nicht mal aus USA kommen. Alle Lösungen für Verschlüsselung weltweit überwachen und/oder mit Backdoors auszustatten wird nicht funktionieren.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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