Augmented Reality verkommt zum Verkaufshelfer

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Augmented Reality verkommt zum Verkaufshelfer

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Augmented Reality (AR) ist eine wunderbare Technologie. Wer in sein Smartphone schaut und die Kamera aktiviert, kann echte und reale Welt miteinander verschmelzen. Das hat uns Pokémon Go gebracht: Wer die App startet, sieht überall kleine Monster rumflitzen. Oder die App Flightradar: Einfach mit der Smartphone-Kamera am Himmel ein Flugzeug einfangen und sich Flugnummer und Ziel anzeigen lassen. Oder mit Skyview die Sterne am Himmel erkunden. Ganz zu schweigen von nützlichen Einsatzgebieten in der Medizin oder am Arbeitsplatz.

Augmented Reality Anwendung von L'Oréal; Rechte: L'Oréal

Neue Augmented Reality Anwendung: Wie sehe ich geschminkt aus?

Schminken per Augmented Reality

Doch Augmented Reality verkommt leider immer mehr zum Verkaufshelfer. Der Brillenhersteller Mister Spex zum Beispiel bietet die Möglichkeit der virtuellen Anprobe: Wer mag, kann in die Webcam schauen oder in die Kamera des Smartphones und verschiedene Brillenmodelle ausprobieren. Das funktioniert nicht perfekt, aber immerhin bekommt man einen Eindruck, welches Modell einem besser steht. Auch Amazon probiert Augmented Reality aus und will die virtuelle Umkleidekabine entwickeln – um die Retourquoten zu senken.

Doch nun wird die eigentlich praktische Technologie endgültig vor den Kommerz-Karren gespannt: Die französische Kosmetik-Marke L’Oréal hat gemeinsam mit Facebook ein System entwickelt, das Augmented-Realitiy-Werbeanzeigen ermöglich. Die User müssen keine App installieren und auch keine Webseite besuchen, sondern sehen sich selbst in einer Reklame in der Timeline und können mit Make-Up experimentieren.

https://vimeo.com/267744367

Der WDR hat einige AR-Projekte am Start: Sinnvoller Einsatz von Augmented Reality

AR-Anzeigen im News Feed

Das Prinzip ist einfach: Die User/innen bekommen eine AR-Anzeige auf Facebook zu sehen und klicken darauf. Sie starten quasi die Augmented-Reality-App, aktivieren die Webcam und legen los. Sie können dann virtuell Make-Ups und Kosmetik auf ihr Gesicht anwenden. Nicht in einem Foto, sondern auf ihrem Live-Bild. Ein echter Test ist das natürlich trotzdem nicht. Die Farben sind nicht natürlich, die eigene Haut reagiert nicht auf die Produkte. Das Ganz ist also in erster Linie ein PR-Coup und eine Verkaufsmasche mit Hightech-Flair.

Für Facebook eine tolle Sache. Ein neuer Verkaufstrick, den sich Facebook gut bezahlen lässt. Noch mehr Daten (welche Lippenstiftfarbe passt zur Userin?) gibt’s obendrein. Prima für den Aktienkurs. Gibt es ganz sicher schon sehr bald auch auf Instagram, denn da passt dieses Konzept noch besser hin.

Schade, dass Facebook Augmented Realitiy nicht für intelligente Dinge einsetzt. Aber überraschend kommt das auch wieder nicht.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Die Kombination „Nützliche Einsatzgebiete“ und „Smartphone“ ist eine contradictio in adiecto –
    ENTWEDER es ist ein Smartphone – ODER es hat nützliche Einsatzgebiete.
    BEIDES ZUSAMMEN gibt es nicht.
    Genau so gut könnten dann auch Heroin oder Crystal Meth „nützliche Einsatzgebiete“ beinhalten – das würde aber niemand im Ernst behaupten wollen, oder?
    Warum dann aber bei einem Ding, daß ein mindestens ebenso gefährliches Suchtmittel ist (und, anders als Heroin, obendrein DAS Überwachungsinstrument par excellence!).
    Die vermeintlichen „nützlichen Einsatzgebiete“ bei Smartphones sind das, was Zucker bei Alkopops ist: Ein Mittel, um die Leute in die Sucht zu treiben und dort zu halten.

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