Authenpic – die Fotoapp für die Generation Analog

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Authenpic – die Fotoapp für die Generation Analog

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Je digitaler alles wird, desto mehr Leute versuchen, dem Analogen zu huldigen. Eines Tages werden wir uns all die Fotos von heute anschauen und uns fragen, warum zum Teufel wir trotz all dieser hervorragenden Kameras, die wir heute haben, unsere Fotos so verfälscht haben, dass sie aussehen wie aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.

Kirche; Rechte: picture-alliance/dpa/Markus C. Hurek
Großartiges Motiv, tolle Schärfe, schöne Farben? – dann bloß einen Retrofilter drüber, damit keiner denkt, man habe es im Jahr 2015 geschafft, ein perfektes Foto zu schießen.

Fotos aufzuhübschen gehört heute dazu. Selfies, Collagen, Filter. Instagram, Flickr, Facebook. Das führt dazu, dass wir selbst in Gesellschaft manchmal mehr mit unseren Smartphones beschäftigt sind, als uns zu unterhalten. Diese Erfahrung haben auch Mari und Linda Johannessen gemacht, zwei Schwestern aus Albany im Nordosten der USA. Bei einem Abendessen stand das Smartphone im Mittelpunkt – nicht das Essen.

“Alles muss toll aussehen, verschönert und mit der ganzen Welt geteilt werden, um Gefällt-mir-Klicks zu sammeln und sich Bestätigung zu holen”, sagt Mari. “Beim Fotografieren geht es heute zu sehr um technische Aspekte, zu wenig um den Moment.” Um das zu ändern, hat sie mit ihrer Schwester das Start-up “Authenpic” gegründet.

Die App der beiden funktioniert wie eine klassische analoge Kamera: Mit ihr lassen sich 24 Bilder schießen. Sobald die virtuelle Filmrolle voll ist, klickt man auf “Entwickeln” und muss wie früher darauf warten, dass man die Fotos geliefert bekommt – und zwar vom Briefträger und nicht übers Mailprogramm. Das kostet bei Authenpic knapp 10 US-Dollar. Etwas teurer ist die “Disposable Camera”, die 27 Bilder pro Film liefert.

Fotos; Rechte: Authenpic
“Because imperfect is fun” – mit diesem Motto wirbt “Authenpic” um Kunden.

“Es ist nicht falsch, seine Fotos online mit seinen Freunden zu teilen”, sagt der dritte Gründer von Authenpic, Jacques Bastien. “Aber wir haben vergessen, wie viel Fotos uns wert sein können – und das merken wir erst wieder, wenn wir auf sie warten müssen.”

Beim Auspacken nach dem Warten zeigen sich zwei Dinge. Erstens: Die Qualität der Fotos ist fast so, wie man sie von der klassischen Entwicklung eben kennt. Es gibt nur viel weniger verwackelte Fotos – dank der oft guten Smartphone-Linsen. Zweitens: Das Auspacken macht zwar Spaß, und die ein oder andere Überraschung ist auch unter den Fotos. Aber brauchen wir Apps, die so tun, als trügen wir die gute alte Kamera mit uns?

Wer “analoge Fotos” möchte, ist mit den wundervollen Fotos einer echten analogen Kamera eh besser beraten. Auf dem Smartphone dagegen hat mich Authenpic als App schnell genervt – einfach weil all die anderen Apps, mit denen ich mir meine Fotos direkt angucken kann, nur einen Fingerzeig entfernt sind. Trotzdem, die Botschaft ist klar: Die Zeit genießen, Freunde nicht nur durch die Linse angucken, Fotos nehmen wie sie sind – und nicht perfektionieren. Dass ich das mit meinem Smartphone und seiner Kamera aber so oft tun kann, wie ich will, nicht nur 24-mal – darüber bin ich sehr glücklich.

Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern – hier im Blog, jeden Dienstag in der WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der Servicezeit im WDR Fernsehen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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