BGH-Urteil: Wer Cookies will, muss das auch sagen!

https://blog.wdr.de/digitalistan/bgh-urteil-wer-cookies-will-muss-das-auch-sagen/

BGH-Urteil: Wer Cookies will, muss das auch sagen!

Kommentare zum Artikel: 16

Cookie – das klingt lecker, süß – mehr davon! Als Cookies fürs Internet erfunden wurden, passte das Bild auch noch. Denn ein Cookie ist nichts anderes als eine kleine, auf der Festplatte (oder bei Mobilgeräten im Festspeicher) abgelegte Datei, in der einige Informationen hinterlegt sind.

Ursprünglich waren Cookies dazu gedacht, das Surfen einfacher zu machen. Damit eine Webseite zum Beispiel erkennen kann, dass ein/e Nutzer/in schon mal vorher da war. Mehr Komfort.

Ellenlange Cookie-Abfragen und Genehmigungen; Rechte: WDR/Schieb

Jede einzelne Cookie-Kategorie muss ausdrücklich genehmigt werden

Werbe-Netzwerke missbrauchen Cookies

Doch jedes Werkzeug lässt sich missbrauchen. Auch Cookies. Schon lange nutzen vor allem Werbe-Netzwerke Cookies, um Web-User bei ihren Surftouren zu “begleiten” – und so auf indirektem Weg Daten über Interessen und Verhalten zu sammeln. Es sind nicht die Cookies selbst, die das können. Sie sind lediglich Mittel zum Zweck. Die Werbe-Netzwerke machen sie zu unfreiwilligen Komplizen.

Deshalb gibt es heute gute Cookies – sie helfen, dass es im Onlineshop komfortabler läuft oder die Web-Suche präziser ist. Und es gibt schlechte Cookies, die Werbe-Netzwerken beim Spionieren helfen. Ein User kann die einen aber nicht von den anderen unterscheiden.

Deshalb ist es seit Jahren Pflicht, vor dem Anlegen von Cookies und dem Speichern von Daten auf dem Gerät des Web-Users die ausdrückliche Zustimmung der User einzuholen. Wir kennen das: Das erste Mal auf einer neuen Webseite gelandet – und als erstes erscheinen Fragen, ob Cookies gespeichert werden dürfen.

https://vimeo.com/423558561

So funktionieren Cookies: Eigentlich dienen sie einem guten Zweck…

Ausdrückliche Zustimmung nötig

Das Lotto-Portal Planet49 hat es sich – allerdings schon vor Jahren! – sehr einfach gemacht: Die Erlaubnis zum Speichern von Cookies war bereits vorab angehakt – und musste nur noch mit “OK” bestätigt werden. Dagegen hat die Verbraucherzentrale NRW geklagt. Heute (28.05.2020) hat nun der Bundesgerichtshof höchstinstanzlich entschieden: Das geht nicht. Es braucht eine ausdrückliche Zustimmung. Vorgegebene Antworten sind nicht erlaubt.

Das BGH-Urteil schlägt damit Pflöcke ein: Die aktuell ohnehin geltenden Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurden damit nicht nur bestätigt, sondern noch mal fett mit richterlichem Marker unterstrichen. Webseiten sind verpflichtet, die nötige Erlaubnis bei den Nutzern einzuholen.

Dennoch halte ich das für den falschen Weg. Denn – ganz ehrlich: Die ewigen Cookie-Abfragen nerven völlig. Kaum jemand prüft im Einzelfall die Bedingungen, welche Cookies zugelassen sein sollen und welche nicht.

Es wäre viel einfacher, strenge, wirklich strenge Vorgaben zu machen, welche Daten überhaupt gespeichert und ausgewertet werden dürfen. Wieso sollten Unternehmen überhaupt wissen dürfen, wofür wir uns interessieren und Rückschlüsse aus unserem Verhalten ziehen dürfen? Und das auch noch völlig intransparent. Ich würde bevorzugen, es gäbe hier klare Regeln – und von mir aus eine Art zentrale Zustimmung oder Ablehnung, damit das nicht jedes Mal neu erfragt werden muss.

 

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

16 Kommentare

  1. Cookies sind der Nährboden der Werbeindustrie.
    Ich finde es nicht gut, dass das durch die DSGVO so eingeschränkt wird.
    Lieber Cookies und zielgerichtete Werbung – und vielleicht davon auch weniger auf den Webseiten – als Werbung, die zufällig ausgespielt wird – was bedeutet, dass die Klickrate geringer ist – und dafür die Webseiten übersät davon sind.

  2. Es ist doch Wahnsinn was mittlerweile alles passiert in Sachen Tracking und Cookies. Man muss sich nur mal eine geeignete Browser-Erweiterung wie Ghostly installieren und wie gewohnt surfen. Da erschrickt man relativ schnell, wie viel Daten von Trackern und Cookies gesammelt und weiterverarbeitet werden.

  3. DollyToll am

    Ich mag lieber peanuts …
    Die Türsteher-Cookies nerven! Ganz übel die, die das ganze Display ausfüllen beim ersten Seitenaufruf und um ‘Zustimmung’ gieren! Da kann man nur sagen: >Und Tschüss!
    Nun frage ich mich, was ich da bei anderen Cookies zustimmen muss …. die mit Optionen …. Wohl die Rüpel unter den Werbe-Netzwerkern!
    Zeitfresser sind diese Cookies, die mit den verschiedenen Optionen …. wohl eine Pseudo-Transparenz – was ist ‘notwendig? …. ‘Entscheidungsfreiheit’ vorgaukeln!
    Für mich ist das alles menschenrechtwidriges Profiling!

  4. Es ist zu befürchten, dass dieses BGH Urteil eine Abmahnwelle nach sich ziehen wird.
    Besser checken, ob Dein Cookie Hinweis rechtssicher ist.

  5. Many people have been suffering from insomnia and that is why they lack a healthy and fit body. The Resurge supplement was invented by John Barban and it helps to get adequate sleep to stay healthy and reduce fat also.

  6. Google und Yahoo fragen immer wieder ab. Yahoo hat ein komplett labyrinthartiges System, wo man angeblich auswählen kann, was aber nicht gelingt. Nervcookiemethode nenne ich das, wo man so oft gefragt wird, bis man mürbe, wie ein Keks wird.

  7. Jetzt muss ich doch nochmal nachsetzen – aktuell sind ja viele Anbieter dazu übergegangen, eine Abfrage mit verschiedenen Cookie-Kategorien einzublenden. Da darf man dann (außer “notwendigen” Cookies) jede Kategorie einzeln an- oder abwählen.

    Diese Kategorien könnte die EU doch standardisieren/reglementieren – und dann im Browser einstellbar machen (lassen), so dass die Webseiten nur noch die im Browser gespeicherten Einstellungen auslesen müssen. Der User muss nach der Installation (Update) des Browsers dann einmal gezwungen werden, seine Cookie-Vorlieben einzustellen.
    Das ist dann ungefähr wie die bereits existierende “Do Not Track” Einstellung, die gibt’s ja auch in fast jedem Browser. (Nur dass die per Standard aus ist und kaum einer davon weiß.)

    So erhöht sich der Benutzerkomfort wieder immens, und die Webseitenbetreiber müssen nicht nach jedem Urteil wieder an den Cookie-Meldungen basteln. Und die großen Browserentwickler wird die EU ja soweit beeinflussen können (bei Mozilla wird man das wohl freiwillig umsetzen).

  8. OK, wir sind uns offenbar alle einig – also: wer schreibt die Petition, reicht sie ein, und verbreitet sie?

  9. Frank Habert am

    Machen wir es kurz. Komplett uninformierte Bürokraten haben, wie zu praktisch jedem einzelnen Thema rund um Computer und Internet, eine saublöde Richtlinie entworfen die niemanden etwas bringt aber dafür 500 Millionen Menschen in der EU Zeit und Nerven stiehlt. Im Gegensatz zu vielen anderen der tausenden sinnlosen EU Verordnungen gibt es hierfür jedoch eine Lösung. Das Browserplugin heißt “I don’t care about cookies” und klickt automatisch die sinnlose Cookiebenachrichtigung weg, die man ansonsten manuell wegklicken müsste.

  10. Hubertus am

    Die da oben haben keinen blassen schimmer. Wahrscheinlich blättern die brav im analogen Brockhaus, welcher nicht mehr produziert wird, herum. Seiten mit großen Cookie und DAtenschutzabfragen schließe ich sofort – es raubt mir zeit.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Solve : *
39 ⁄ 13 =


Top