Big Brother Award für ZEIT.de und Speichelproben

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Big Brother Award für ZEIT.de und Speichelproben

Kommentare zum Artikel: 5

Keine Frage: Um Datenschutz und Privatsphäre ist es nicht sonderlich gut bestellt. Die rasant zunehmende Vernetzung weltweit, auch und besonders aller Geräte, mag hier und da praktisch sein, führt aber auch zwingend zu einem maximalen Datenschutzproblem. Digitalisierung an sich führt automatisch zu Datenschutzproblemen – zumindest, wenn man sich nicht intensiv mit der Frage beschäftigt, auf welche Weise die Datenschutzinteressen jedes einzelnen betroffen sein könnten.

padeluun vom Verein Digitalcourage leitet den BigBrotherAward; Rechte: Digitalcourage

padeluun vom Verein Digitalcourage leitet den BigBrotherAward

Werbetracker und Facebook-Pixel

Diesen Job macht die Jury der Big Brother Awards. Jedes Jahr zeichnet die mehrköpfige Jury Angebote, Ideen und Konzepte in verschiedenen Kategorien aus, die dem Datenschutz und der Privatsphäre schaden. Ein Negativ-Preis für Datensünder, sozusagen. Jetzt wurden die Preisträger dieses Jahres bekannt gegeben. Darunter auch das Onlineangebot von ZEIT.de. Ausgezeichnet, wegen der Werbetracker auf der Webseite – und vor allem wegen der implementierten Facebook-Pixel.

Das Facebook-Pixel ermöglicht Facebook ein lückenloses Tracking der Interessen und gelesenen Artikel – nicht nur bei ZEIT.de, sondern bei praktisch allen News-Angeboten in Deutschland. 83% aller von onlinejournalismus.de überprüften Webangebote setzen das Facebook-Pixel ein – in der Regel, ohne dass die Leserinnen und Leser etwas davon erfahren. Aus Sicht der Betreiber der Webangebote ist der Einsatz verständlich. Dennoch ist es richtig, dass durch den Big Brother Award für ZEIT.de das Thema nun diskutiert wird.

Speicherproben und Stimmanalysen

Ausgezeichnet wurden unter anderem: Peter Beuth, Innenminister von Hessen für Anschaffung und Einsatz einer Analyse-Software der CIA-nahen US-Firma Palantir, die auf diese Weise Zugang zum höchst sensiblen Datennetz der hessischen Polizei erhält. Oder die Firma Ancestry. Weil sie Menschen mit Interesse an Familienforschung dazu verleitet, ihre Speichelproben einzusenden. Ancestry verkauft die Gendaten an die kommerzielle Pharmaforschung. Oder die Aachener Firma Precire für ihre Spachanalyse-Software. Precire wird nicht nur zur Vorauswahl von Bewerberinnen eingesetzt, sondern auch für Emotionsanalyse von Menschen, die eine Hotline anrufen.

Was mich an das Amazon-Patent erinnert: Auch Amazon kann anhand der Stimme die aktuelle Stimmungslage erkennen – wenn wir mit Alexa sprechen. Alle “Preisträger” stehen stellvertretend für einen Trend. Teilweise für Gedankenlosigkeit. Aber auf jeden Fall für eine unterentwickelte Sensibilität für das Thema Datenschutz und Privatsphäre.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

      • User Alex meinte vermutlich die Überschrift des letzten Absatzes
        “SpeicheRproben und Stimmanalysen” bzw. im Satz
        “Oder die Aachener Firma Precire für ihre Sp(R)achanalyse-Software”.

        P.S. Ich bitte um Freischaltung meines Kommentars “Big Brother Award für ZEIT”. Danke!

  1. Ich habe mir Zeit.de mal angesehen. Es funktioniert auf meinem stark gesicherten Browser, was nicht selbstverständlich ist. Cookies werden geblockt, mein Tracker-Blocker blockt dort den Google Tag Manager und mein Script-Blocker blockt 9 Scripte von 3 verschiedenen Drittanbietern. Trotzdem erkenne keine Einschränkungen; gäbe es erhebliche Einschränkungen, würde ich nicht meine Einstellungen ändern sondern den Krempel einfach wegklicken. Aus meiner Sicht ist Zeit.de in Ordnung. Wer Einstellung für Privatsphäre wie ein offenes Scheunentor hat, wird auch beim WDR getrackt.

    Genau auf dieser Seite werden Tracker von Soundcloud, Website-Analytics und INFOnline geblockt. Scripte von ioam.de habe ich schon immer geblockt. Soundcloud.com kannte ich noch nicht; laut Wikipedia eine „Kooperations- und Werbeplattform für Musiker“, die ich im Script-Blocker sofort auf „Misstrauen“ gesetzt habe.

    Manche Suchmaschinen bieten anonymisiertes öffnen, MetaGer zum Beispiel. Damit dürfte man die privaten Schnüffler weitgehend los sein; was sich damit nicht öffnen lässt, ist es nach meiner Ansicht nicht Wert angesehen zu werden. Sollte Werbung ohne Spionage dabei sein hätte ich kein Problem damit.

    Ich stimme zu: „Aber auf jeden Fall für eine unterentwickelte Sensibilität für das Thema Datenschutz und Privatsphäre.“

  2. ……..es ist und bleibt wohl im Internet um Datenschutz und Privatsphäre nicht sonderlich gut bestellt, daran änderten/ändern auch Gesetze oder Verordnungen wenig, da diese von etlichen Seiten mal mehr und mal weniger offen schlicht ignoriert werden…….
    Deshalb ist ein solcher jährlicher “Preis” bzw. Event nützlich, um Aufmerksamkeit auf die Internet-“Wildwest”-Gegebenheiten zu lenken……..

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