Bildschirmzeit: So viel Zeit verbringst Du am Handy

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Bildschirmzeit: So viel Zeit verbringst Du am Handy

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Wie oft greifst Du am Tag zum Handy? Wie viel Zeit verbringst Du über das Display gebeugt? Das sind Fragen, die die meisten von uns nicht zuverlässig beantworten können. Und wenn wir schätzen müssen, liegen die meisten von uns vollkommen daneben. Rund 65 Aktivierungen pro Tag (also Handy in die Hand und loslegen) und 3:25 Stunden Handyzeit sind heute normal, sprich: das statistische Mittel.

Bildschirmzeit: Wie viel Zeit mit dem Handy verbracht?

Bildschirmzeit: Wie viel Zeit habe ich mit dem Handy verbracht?

Zeitkontingente fürs Handy

Drei Stunden und 25 Minuten. Unglaublich, oder? Ich habe es gestern auf zwei Stunden gebracht. Das finde ich auch schon extrem viel. Bedeutet aber, es muss jemanden geben, der gestern über vier Stunden handyaktiv war. “Keine Ahnung, wie das bei mir aussieht!”, denken sich die meisten wohl jetzt. Aber: Das ist keine legitime Ausrede mehr. Denn die neuesten Ausgaben von iOS und Android haben serienmäßig praktische Statistikfunktionen an Bord. Sozusagen Verhaltensüberwachungsagenten.

“Bildschirmzeit” heißt die Funktion bei iOS, “Digital Wellbeing” bei Android (Digitales Wohlbefinden). In beiden Fällen zu finden unter den “Einstellungen”. Hier erfahrt Ihr ganz genau, wie oft Ihr zum Handy greift, wie viel Zeit Ihr mit dem Handy verbringt – fein säuberlich aufgelistet nach Apps. Zwei Minuten bei YouTube oder zwei Stunden? Hier erfahrt Ihr es. Und als wäre das noch nicht genug, könnt Ihr Euch hier auch noch aktiv Ruhephasen verordnen oder Zeitkontingente für einzelne Apps vergeben.


Alle Aktivitäten werden registriert und der Zeitbedarf gemessen

Der Saubere-Weste-Trick

Ist interessant und klingt sogar praktisch und sinnvoll. Doch es stellt sich die Frage: Wieso bauen Apple und Google so etwas in ihre Betriebssysteme ein? Vor allem Google profitiert enorm davon, wenn wir möglichst viel und lange online sind. Und unser Wohlbefinden liegt ihnen nun garantiert nicht wirklich am Herzen. Warum also solche Funktionen? Ich bin sicher: Es liegt daran, dass immer häufiger und auch mit völliger Berechtigung über Suchtfragen und Gesundheitsaspekte diskutiert wird.

Durch die Tatsache, dass Apple und Google uns nun Werkzeuge an die Hand geben zwecks “Digitalem Wohlbefinden”, wie Google das nennt, können die Konzerne sagen: Wir haben alles getan, damit unsere Kunden Bescheid wissen – und sich selbst kontrollieren können. Und sind damit fein raus. Das eigentliche Problem, nämlich dass viele Onlinekonzerne so ziemlich alles tun, um uns möglichst viel und oft ins Netz zu holen, wird nicht angegangen.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. “Digitalem Wohlbefinden” tolles Wort. Habe ich so noch nie gehört. Und ja die großen Internetkonzerne wünschen sich massiv Onlinezeit. Das kann man ihnen ja nicht verdenken. Jeder sollte bei sich anfangen und seine “online” Aktivitäten selber einschränken.

  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß endlich auch einmal in Digitalistan unmißverständlich darauf hingewiesen wird, daß das Smartphone (und das, was man damit gemeinhin tut), nichts anderes ist als ein übles SUCHTMITTEL, eine gefährliche DROGE: Dafür gebühren Herrn Schieb Dank und Anerkennung.

    Ruchbar geworden ist ja mittlerweile auch, daß die Betreiber der asozialen Medien und ihre Komplicen und Spießgesellen Fachleute eigens und nur dafür beschäftigen, dafür zu sorgen, daß die Junkies immer noch länger online bleiben und immer noch tiefer in die Sucht getrieben werden.
    Und das wiederum erleichtert denen, die die Demokratie und den Rechtsstaat zerstören wollen sowie Konzernen und Unternehmen, die außer Profit nichts interessiert und zu allerletzt die physische und psychische Gesundheit der “NutzerInnen” (in Wahrheit aber: BENUTZTE UND OPFER!), das Betreiben ihrer schmutzigen Geschäfte.
    Ganz zu schweigen von der mit dem massenhaften Smartphone-Abusus einhergehenden zunehmenden Verblödung durch Gehirnbenutzungsverweigerung.

    DAHER; Leute, schmeißt die Dinger weg, denkt wieder selbst und hört auf, Euch manipulieren und fernsteuern zu lassen!
    Und Verantwortliche allerorten und auf allen Ebenen: Fangt endlich eine Suchtprävention an, die diesen Namen auch verdient, und bietet gangbare Ausstiegshilfen an; außerdem muß hier auch die gesetzliche Krankenversicherung reagieren und Prävention und Suchtbehandlung auch bezahlen:
    Smartphones und ihre “Apps” sind nichts anderes als Alkohol, Crack und Crystal Meth im Substanzsuchtbereich!

  3. B. Schmidt, Büderich 🙂 am

    Hallo,
    habe eben in der Aktuellen Stunde den Beitrag gesehen. Leider finde ich in den Einstellungen die Funktion Digital Wellbeing nicht. Nutze Android 8.1. 0.
    Können Sie helfen? Herzlichen Dank!
    Bea Schmidt

  4. Man hört ja hin und wieder von US-amerikanischen Schadensersatzklagen gegen Großkonzerne. Warum soll demjenigen, der etwa meint, drei Stunden täglicher Handynutzung seien für dessen zunehmende Vergesslichkeit verantwortlich, nicht auch dieser Schaden ersetzt werden, wie auch demjenigen, der z. B. täglich 3 Packungen Zigaretten gepafft hat und verwundert feststellen muss, dass seine Lunge nur noch von Krebsgeschwüren zusammengehalten wird?
    Abwegig? Nein! Sogar in Europa (Italien) konnte schon jemand erfolgreich eine Rentenzahlung einklagen. Siehe: n-tv.de/19803630

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