Bist Du auch schon berühmt?

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Bist Du auch schon berühmt?

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Früher hatte der gut bestückte Bildungshaushalt ein 20-bändiges Lexikon im Wohnzimmer stehen. Wenn man mal etwas wissen wollte, konnte man dort alles nachschlagen. Solche gedruckten Enzyklopädien gibt es bekanntlich nicht mehr. Die Welt dreht sich einfach zu schnell – und außerdem gibt es Wikipedia. Aber nicht nur die Art und Weise des Nachschlagens hat sich durch Wikipedia verändert, sondern auch die Beurteilung, was eigentlich wichtig ist – und was nicht. Relevant ist, was man in Wikipedia findet – und als vermeintlich wichtig darf gelten, über wen es einen Eintrag in Wikipedia gibt.

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Community entscheidet, wer erwähnenswert ist

Heute schaffen es auch Soap-Sternchen oder IT-Promis ins kollektive Wissen – oder Blogger. Die Kriterien, wer in Wikipedia auftaucht und wer nicht, sind nicht objektiv. Einer muss den ersten Eintrag einstellen – und dann muss die Wikipedia Community der Meinung sein, dass es die Person wert ist, im Onlinelexikon aufgeführt zu werden. Das führt allerdings zu einer regelrechten Explosion der “wichtigen Leute”.
In dieser interaktiven Grafik kann man gut sehen, wie viele Menschen es ins Wikipedia-Lexikon geschafft haben. Die Grafik stellt die Zahl der Geburten und die Zahl der Nennungen von Personen mit diesem Geburtsjahr in Relation. Und siehe da: Richtig häufig erwähnt werden erst Menschen, die ab dem 18. Jahrhundert geboren wurden. Die letzten 50 Geburtsjahre sind besonders gut vertreten.

Wikipedia sorgt für schnelle Prominenz; Rechte: Schieb
Wikipedia sorgt für schnelle Prominenz

Wahrnehmung verändert sich

Die Grafik ist mehr als eine Spielerei. Sie zeigt, wie sich Wahrnehmung und Wertschätzung verändern. Früher musste wirklich viel passieren, damit man in einem Lexikon landet – heute geht das schneller. Viel schneller. Doch obwohl in Wikipedia theoretisch auch jeder Künstler oder auch nur besonders Begabte aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert erwähnt werden könnte, ist das nicht so. Denn diese Talente von einst sind vergessen. Das Internet verändert das kollektive Gedächtnis. Jetzt kann theoretisch jeder im Lexikon landen – die Schwelle liegt deutlich niedriger.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Pingback: PK studies

  2. Naja, im Internet ist mehr Platz als in 20 Bänden und wenn irgendjemand genug Interesse an irgendwem aus dem 18ten Jahrhundert hat, wird er irgendwann einen Eintrag haben.
    So oder so: Wikipedia ist VIEL ausführlicher als ein Lexikon. Klar fehlen Dinge, aber in Lexika fehlen viel mehr, wenn auch andere Dinge. Wikipedia gehört eigentlich in das Weltkulturerbe aufgenommen. Es ist mehr wert als der Rest des Internets zusammengenommen. Wenn irgendwann die Zivilisation kollabiert, werden die mit einer Wikipedia-Kopie die Könige sein.

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