Bitcoin: Warum Anleger jubeln und das Klima leidet

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Bitcoin: Warum Anleger jubeln und das Klima leidet

Kommentare zum Artikel: 16

Der Bitcoin-Kurs kennt aktuell nur noch eine Richtung: nach oben. Mehr als 40.000 Dollar war der Bitcoin jetzt kurzzeitig schon wert.

Eine Menge Geld für – na ja, irgendwie nichts. Denn der Bitcoin ist eine komplett virtuelle Währung. Kein Staat, der dafür – zumindest theoretisch – haftet. Kein Sozialprodukt, das damit verknüpft ist. Nicht mal einen Warenwert gibt es, so wie bei Gold. Trotzdem sei der Bitcoin als “Anlage bald wichtiger als Gold”, spekuliert der Spiegel.

Mit Verdopplung von Bitcoin gelockt; Rechte: WDR/Schieb

Es gibt keinen Bitcoin, den man anfassen könnte

Der Bitcoin ist limitiert auf 21 Mio. Einheiten

Aber wie kommt es nur zu dieser verrückten Kursentwicklung?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der wohl wichtigste: Der Bitcoin an sich ist endlich. Während die Notenpressen der Nationalbanken endlos neue Geldscheine drucken können – und das in den letzten Jahren bekanntlich auch tun -, ist das beim Bitcoin anders. Er ist limitiert.

Es kann nur eine begrenzte Zahl von Bitcoins geben. Die Geldmenge ist auf 21 Millionen Bitcoins begrenzt. So haben es die Gründer des Bitcoin vorgesehen.

Noch werden zwar ständig neue Bitcoins “geschürft”: Durch Knacken immer komplizierter werdender mathematischer Rechenaufgaben (sogenanntes “Mining”). Aber in naher Zukunft ist Schluss. Dann gibt’s keine neuen Bitcoins mehr, die durch mathematische Verfahren erzeugt werden können – und genau das ist eine erhebliche Stärke der virtuellen Währung: Sie ist begrenzt. Beschränkt verfügbar, so wie Gold oder Diamanten.

Der Bitcoin Kurs entwickelrt sich aktuell rasant; Rechte: WDR/Schieb

Der Bitcoin Kurs entwickelrt sich aktuell rasant

Künstliche Verknappung: Das treibt die Preise

Ein knappes Gut: Da lohnt es sich, Geld zu investieren. Das dürfte den Kurs noch eine ganze Weile nach oben treiben, vermuten viele Experten.

Ein Konstrukt, das natürlich nur deswegen funktioniert, weil sich so viele Menschen überall auf der Welt darauf einlassen. Theoretisch wäre es denkbar, dass der Bitcoin von der Staatengemeinschaft verboten wird – und wieder von der Bildfläche verschwindet. Totalverlust wäre die Folge.

Allerdings scheint dieses Szenario denkbar unwahrscheinlich – und es würde sich wohl auch monatelang vorher ankündigen. Genug Zeit für fallende Kurse – und um auszusteigen.

Bitcoin ist ein Klimasünder

Unter den Tisch fällt dabei der enorme Energieaufwand, um Bitcoins zu schürfen – aber auch für die Verwaltung der Kryptowährung.  Der Bitcoin Energy Consumption Index veranschaulicht das: 77,8 Terrawattstunden pro Jahr “verbraucht” oder verursacht der Bitcoin derzeit jährlich. Aktuellen Studien zufolge ist der Bitcoin sogar für rund die Hälfte des Strombedarfs aller Rechenzentren der Welt verantwortlich.

Ein regelrecht absurder Energieaufwand. Für eine künstliche Währung, die derzeit mehr oder weniger ausschließlich der Spekulation dient.

Der Bitcoin schadet also eindeutig der Umwelt – und zwar enorm.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

16 Kommentare

  1. Joachim Köhne am

    So etwas umweltschädliches wie der Bitcoin sollte verboten werden. Am besten weltweit. Goldförderung ist auch nicht umweltfreundlich aber Gold wird zumindest teilweise auch für Schmuck und Industrie genutzt. Und der Bitcoin kommt noch dazu und zwar völlig nutzlos. Was hat die Menschheit davon, wenn am Ende das Klima und mehr zerstört ist. Bitcoin kann man auch nicht essen genausowenig wie Geld.

  2. Ich fahre schon fast 10 Jahre täglich 200 km täglich zur Arbeit nach Hamburg. Dank Pendlerpauschale bekomme ich ein Teil erstattet. Alle 3 Jahre benötige ich dafür ein neues Auto. Das Finanzamt hat sich noch nie bei mir beschwert, dass ich tausende Liter super im Jahr Verbrauche , ein neues Auto kostet auch Unmengen an Energie. Niemand stört sich aber der Bitcoin ist böse.

  3. Carsten Mohr am

    Das bedeute also, bei ca. 30 Cent je kWh würden wir von rund 23 Millarden Euro Stromkosten im Jahr für 21 Millionen Bitcoins reden. Rund 1.100. Euro je Jahr und Bitcoin reine Stromkosten.
    Kann das stimmen oder steckt da mehr dahinter? Ein Auto für € 40.000,- verbraucht im Schnitt mehr Strom/Energie im Jahr, Erstellungskosten und Klimafolgeschäden nicht eingerechnet.

    • Die Aussage verstehe ich leider nicht. Der aktuelle Stromverbrauch zur Absicherung des Netzwerks kann immer nur an Hand der Difficulty und der Leistungsfähigkeit aktueller Mininggeräte geschätzt werden. Die Energie wird nicht zum Berechnen neuer Bitcoins benötigt, sondern zur Absicherung des Netzwerks. Neue Bitcoins sind lediglich die Belohnung/Vergütung für die Aufwände um das Netzwerk zu sichern.

  4. Sehr geehrter Herr Schieb,

    schade das Sie Ihre Leser sehr tendenziös informieren. Ich erwarte als Rundfunkgebührenzahler auf öffentlich rechtlichen Portalen neutrale Berichterstattung, werde allerdings regelmäßig enttäuscht. Im Folgenden möchte ich Ihnen meine Kritik Begründen:

    Zu Beginn machen Sie folgende Aussage: “Eine Menge Geld für – na ja, irgendwie nichts.”
    An dieser Stelle möchte ich Sie fragen, ob Sie der Meinungs sind, das wenn mein Arbeitgeber mein Gehalt monatlich auf mein Girokonto überweist ich am Ende nichts von ihm erhalte? Mein Kontostand ist rein virtuell. Ich habe weder Bargeld noch Sachleistung von meinem Arbeitgeber erhalten. Ich beschreibe es mal mit ihren Worten: “Eine Menge Arbeitsleistung für – na ja, irgendwie nichts.”

    Sie und ich wissen, das an dieser Aussage irgendwie etwas nicht stimmen kann oder?

    Folgende Aussage zeigt mir deutlich, das Sie sich bisher noch nicht mit dem Thema im aussreichenden Maße auseinandergesetzt haben: “Ein regelrecht absurder Energieaufwand. Für eine künstliche Währung, die derzeit mehr oder weniger ausschließlich der Spekulation dient.”

    Der Energieaufwand ist in keinster Weise absurd. Wie kommen Sie denn darauf? Kein Miner würde mehr Energiekosten auf sich nehmen, als er Erträge mit dem Mining erzielen kann. Bei einem Bitcoinkurs von 30.000€ ist es doch nicht absurd wenn man Stromkosten von 25000€ auf sich nimmt um einen einzigen Bitcoin zu minen. Es ist wirtschaftlich und daher genau so in unserer Marktwirtschaft gewollt. Der größte Anteil des genutzten Stroms kommt bereits jetzt aus erneuerbaren Energiequellen. In Zukunft wird das Bitcoin Mining den Umstieg zu erneuerbarer Energie noch wirtschaftlicher machen, da die bei erneuerbarer Energie anfallenden Leistungsspitzen direkt durchs Bitcoin Mining monetarisiert werden können. Ein absoluter Segen für die Umwelt. Ich frage Sie nochmals warum absurd? Haben Sie das Konzept von Proof-of-Work nicht verstanden?

    Als letztes muss ich Ihnen wiedersprechen: NEIN, Bitcoin wird nicht mehr oder weniger ausschliesslich zur Spekulation genutzt. Bitcoin wird zunehmend als Wertaufbewahrungsmittel genutzt. Wie viele andere auch, habe ich in Bitcoin investiert, da ich es als einen Baustein meiner Altersversorgung sehe.

    Immer mehr Menschen erkennen die Bedeutung von Bitcoin. Das Fiat Geldsystem ist nicht mehr in der Lage den Menschen als Wertaufbewahrungsmittel zu dienen, daher besteht der Bedarf eines neuen Wertaufbewahrungsmittel. Diesen Zweck erfüllt Bitcoin. Es ist das modernste Geldsystem was ich kenne.

    Bitte kommen Sie Ihrer Verantwortung nach und informieren Sie sich bevor Sie solche Artikel verfassen.

    Mit freundlichen Gruß
    ein enttäuschter Leser

    • Carsten Mohr am

      Man kann hier Herrn Schieb mißverstehen wollen, muß es aber nicht. Er hat damit recht, dass der Währung ersteinmal auch nichts anderes als das normale Geld gegenüber steht und der Wert sich einzig und allein auf das Vertrauen in diese Währung stützt. Natürlich muß man “echtes” Geld für einen Bitcoin hinlegen. Dieses “echte” Geld muß irgendwie erarbeitet werden. Dem steht also ein Produkt oder eine Leistung gegenüber. Man könnte aber genauso eine Aktie kaufen, diese hochpreisen (IG Farben z.B.) und Leute springen auf den Zockerkurs ein. Im Falle eines Verlustes des Anlegers/Investors ist das Geld am Ende nie weg, es hat sich irgendwann nur anders verteilt.
      Bitcoin ist konvertibel geworden. Gold auch. Perse hat man aber bei Gold immer einen Klumpen Metall in der Hand, ob nun für 100.00 Euro oder, weil aus dem All ein Klumpen Gold der Abmessung 50x50x50m angeflogen kam, nur noch 1.000 Euro wert, oder garnichts mehr, weil keiner es will. Ein Haus, darin kann ich immer noch wohnen. Ein Auto immer noch fahren. Ein Bitcoin ist heiße Luft. Wenn die keiner mehr will, sitzt man auf etwas, was man sich nicht einmal an die Wand tackern kann.

      • Sehr geehrter Herr Mohr,

        ich denke nicht das ich Herrn Schieb mißverstanden habe. Er ist dem Bitcoin Netzwerk kritisch eingestellt was ich respektiere. Ich denke nicht das er ausdrücken wollte das Bitcoin ersteinmal nicht anderes ist als “normales Geld” (ich denke damit meinen Sie Dollar/ Euro). Er sieht schon die Unterschiede.

        Ich halte Gold als Baustein meiner Altersvorsorge, aber ganz ehrlich was ist denn eigentlich der Unterschied ob ich nun ein Klumpen Metallschrott liegen habe oder ein virtuelles Guthaben. Der Wert kommt doch einzig aus der Akzeptanz meiner Mitmenschen.

        • Goldförderung zerstört den Planeten und kostet Unmengen an Energie. Der Bitcoin ist die digitale Antwort.

          • Das sehe ich genau so. Gold durch Bitcoin ersetzen ist bereits aktiver Umweltschutz. Diese Argumente höre allerdings nie von Bitcoin Kritikern.

      • @C. Mohr:
        120000 BC “verschwanden” bei Bitfinex, sogar 850000 BC bei Mt. Gox. Pfutsch, einfach so! Analysten gehen davon aus, dass bereits bis zu 25 % der umläufigen/limitierten 21 Millionen BC irgendwo im digitalen Nirvana “verschollen” sind!? Eine Million davon hält BC-Vater und Phantom “Satoshi Nakamoto” im Wallet, falls der überhaupt noch lebt oder Zugriff darauf hat.
        So reizvoll das alles sein mag, für meine schwachen Nerven wär’ das nix. ;-)

        • Vielleicht wird in einem demokratischen Prozess der Algorithmus geändert und wallets die 20 Jahre nicht bewegt werden wieder für miner freigegeben. Das Protokoll ist da flexibel und anpassbar sofern sich eine Mehrheit findet.

          • Das hieße aber, dass andere ohne Kenntnis der jeweiligen geheimen Schlüssel über die Transaktionsrechte eines Wallets verfügen können. Dann wäre der ganze Aufwand für’n Allerwertesten. Streng genommen gibt es bei Bitcoin ja gar keine Coins, sondern nur Regeln darüber, welche Transaktionen als gültig anzusehen sind. Und Transaktionen übertragen die quantifizierte Möglichkeit, neue gültige Transaktionen zu generieren, vom Inhaber eines Schlüssels auf den Inhaber eines anderen.

    • @alfred: Danke für den sehr ausführlichen Kommentar.

      Neutrale Berichterstattung: Bei Nachrichten und Meldungen haben Sie zweifellos Recht. Aber bei vielen anderen Formaten selbstverständlich nicht. Bei Reportagen zum Beispiel, aberr erst recht bei Kommentaren und Glossen ist ausdrücklich keine Neutralität gewünscht/nötig.

      Der Blog hier ist einordnend, kommentierend und höchst subjektiv. Keine Frage. Das ist aber auch keine Überraschung und wird nicht versteckt.

      Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen dem EUR und dem Bitcoin. Der EUR ist das offizielle Zahlungsmittel in der EU. Sein Kurs mit dem Bruttosozialprodukt innerhalb der EU verbunden. Das gilt für den Bitcoin nicht. Er ist kein offizielles Zahlungsmittel, niemand haftet dafür. Er ist gewissermaßen überflüssig. Er wurde zwar nicht zum Zweck der Spekulation erschaffen, sondern für höhere Ziele. Aber in der Realität wird der Bitcoin derzeit vor alem zum Zweck der Spekulation eingesetzt. Wenn derart hoher Energieaufwand damit verbunden ist, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht nur erlaubt, sondern zwingend.

      Mir zu interstellen, ich würde mich nicht informieren, weil Sie meine Ansichten dazu nicht teilen, weise ich höflich, aber bestimmt zurück.

      • Sehr geehrter Herr Schieb,

        vielen Dank für die Reaktion auf meinen Kommentar. Sie haben sicherlich Recht mit der Aussage das im Gegensatz zu Nachrichten oder Meldungen in diesem Format keine Neutralität gewünscht bzw. nötig ist. Allerdings möchte ich Sie darauf hinweisen, das der Leser am meisten davon profitieren kann, wenn Pro und Kontra Argumente in einen Artikel einfließen. Mit meinem Kommentar habe ich versucht die mir fehlenden Aspekte zu erwähnen.

        Ja es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Euro und Bitcoin. Neben den von Ihnen erwähnten Unterschieden wird bei Euro ein Inflationsziel von 2% angestrebt. Mag jeder Leser selbst beurteilen wie hoch die tatsächliche Inflationsrate ist. Seit dem letzten Halving beträgt die Inflationsrate bei Bitcoin nur noch ca 1,8%. Sie ist rein mathematisch begründet und nicht politisch belastet. Im Jahre 2024 sinkt die Inflationsrate nach dem Halving auf unter 0,9%. Ich gebe Ihnen recht das niemand für den Bitcoin haftet. Aber wer haftet für den Euro? Oder zugespitzt wer haftet für den venezulanischen Bolivar? Wo können die Bürger in Venezuela den Verlust ihrer Vermögen wieder einklagen? Ich würde an dieser Stelle das Argument der Haftung nicht überbewerten. Für mich ist die Haftung eher eine politische Worthülse. Die Geschichte hat bereits mehrfach gezeigt das es mit der Haftung so eine Sache ist. Bitcoin ist ein inoffizielles Zahlungsmittel , das zur Zeit kaum genutzt wird. Was natürlich verständlich ist, da es noch nicht sehr verbreitet ist. Dies wird sich meiner Meinung nach mittelfristig ändern, sobald Zahlungsanbieter den Bitcoin integrieren. Paypal ist ja bereits ein Vorreiter.

        Das der Bitcoin derzeit vor allem zum Zwecke der Spekulation dient und gewissermaßen überflüssig ist, ist allerdings nur ihre Meinung, die Sie nicht weiter begründen.

        Ja die Frage nach dem hohen Energieaufwand ist selbstverständlich zu diskutieren. Da Sie sich über die Blockchain Technologie bzw. über das Bitcoin Netzwerk im Vorfeld informiert haben, können Sie dem Leser auch die Notwendigkeit dafür erklären.

        An dieser Stelle möchte ich mich für diese konstruktive Diskussion bei Ihnen herzlich bedanken.

        Gruß
        ein etwas zufriedener Leser

      • Carsten Mohr am

        “Euro: Sein Kurs mit dem Bruttosozialprodukt innerhalb der EU verbunden.”
        Wo haben Sie das denn her, Herr Schieb? Das hat vielleicht indirekt damit zu tun, aber eine Kopplung gibt es nicht. Fragen Sie bitte mal in Ihrer Wirtschaftsabteilung nach.

        • Naja, genau genommen mit dem Außenhandel, aber jedenfalls mit realwirtschaftlichen Vorgängen. Warum der Euro einen Dollar zwanzig kostet und nicht 13 Cent oder fünf Dollar, lässt sich daraus erklären. Und verwirrte Forex-Trader sind eher kein bedeutsamer Teil der Erklärung.

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