Blockchain ist interessant, Bitcoin nicht

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Blockchain ist interessant, Bitcoin nicht

Kommentare zum Artikel: 7

Was für eine Woche für alle, die Bitcoin besitzen. Zuerst rauscht der Kurs von Rekordhoch zu Rekordhoch, um dann mal eben um mehr als 20 Prozent zu fallen. Kurzzeitig war ein Bitcoin nahezu 12.000 Dollar wert. Sicher habt Ihr auch die „Wer vor fünf Jahren zweihundert Dollar investiert hat ist heute mehrfacher Millionär“-Hochrechnungen gelesen. Die Aussage stimmt. So wie jede rückwärts gewandte Rechnung dieser Art, wenn ein Aktienkurs durch die Decke geht. Hinterher ist man immer schlauer und kann sagen: Hätte ich doch.

Bitcoin: Der Kurs nähere sich diese Woche der 12.000-Dollar-Marke; Rechte: dpa/Picture Alliance

Bitcoin: Der Kurs nähere sich diese Woche der 12.000-Dollar-Marke

Bitcoin eignen sich nur zur Spekulation

Aber macht das Bitcoin gleich zu einem interessanten Projekt? Ich finde nicht. Außer für alle, die gerne spekulieren – und mit Bitcoin bereits eine Menge (echtes) Geld verdient haben. Wer ernsthaft an Bitcoin glaubt, der verkauft sie nicht. Jedenfalls ist nicht das in der Tat interessante Konzept hinter Bitcoin, das Prinzip der Blockchain für den derzeitigen Erfolg verantwortlich. Es ist die Gier. Eine Urkraft der Menschheit.

Es ist mächtig Druck im Kessel. Deshalb warnt die Finanzaufsicht Bafin mittlerweile auch vor Bitcoin: „Es tummeln sich auch Spekulanten und windige Geschäftemacher am Markt.“ Nur das erklärt die extrem hohen Schwankungen (Volatilität) des Kurses. Manche sagen, es sei sogar ein Totalverlust möglich. Natürlich, wenn zum Beispiel weltweit der Wechsel der Währungen in und aus Bitcoin verboten und unterbunden würde – was durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz empfiehlt ein Verbot des Bitcoin; Rechte: dpa/Picture Alliance

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz empfiehlt ein Verbot des Bitcoin

Nobelpreisträger empfiehlt Verbot

Die US-Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz fordert gar ein Verbot der Cyber-Währung. Der angesehene Ökonom ist der Ansicht, dass Bitcoin „keinerlei sinnvolle soziale Funktion erfüllt“. Absolut richtig: Im Darknet ist Bitcoin eine angesehene Währung, da diskret und anonym. Doch ansonsten spielen Bitcoin – so wie andere Kryptowährungen wie Ripple – bislang keine nennenswerte Rolle, man kann kaum irgendwo damit bezahlen. Kryptowährungen eignen sich bislang nur als Spekulationsobjekt.

Das alles ist ein bisschen schade. Denn das dem Bitcoin zugrundeliegende Konzept, die Blockchain, ist äußerst interessant. Dadurch wird es möglich, ein dezentral organisiertes Buchungssystem zu betreiben, das jede Buchung nachvollziehbar macht – und gleichzeitig sicher vor Manipulationen ist. Seit der Erfindung des Bitcoin (2008) ist eine Menge Zeit vergangen und es wurde weiter perfektioniert. Wir werden daher in Zukunft wohl noch viel von Blockchain hören, aber nicht unbedingt von Bitcoin – als Zahlungsmittel.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Sprache_ist_NICHT_unwichtig! am

    Das Wort heißt „interessant“, nicht: „interesant“!
    Siehe hier: https : // www . duden . de / rechtschreibung / interessant

  2. Heisenberg am

    Na dann warten wir mal auf das erste Digitale Goldverbot! Bleibt nur die Frage wie die Regierungen ein Weltweites Handeln verhindern wollen. Das Internet abschalten? Willkommen in der Steinzeit.

    • Andreas Heinze am

      Moin,
      die erste Runde der Digitalisierung ist an die USA gegangen.
      Die drei wertvollsten Unternehmen der Welt (Amazon, Google und eBay)
      sind kein produzierendes Gewerbe.
      Im Vergleich dazu ist die Deutsche Automobilindustrie nur noch ein Zwerg.
      Dann (in Deutschland) das Internet abschalten ist doch Fiktion.
      Das würde kurzfristig zum Bürgerkrieg führen.
      Gold hat als Währungsreserve ausgedient.
      Es gibt ja sowieso keine Golddeckung mehr.
      Gold taugt nur noch als Schmuckmetall und als Rohstoff für die (Computer-)
      Industrie. Es ist ja auch völlig unpraktisch, schwere Metalle umherzutragen.
      Alle, die Machthaber der totalitären Systeme bis hin zur Mafia haben längst
      den bequemen, und gebührenfreien Austausch von Internetwährungen
      aufgenommen. Das hat inzwischen auch die Deutsche Bank begriffen,
      und wird sich kurzfristig von der Hälfte seiner Mitarbeiter trennen.

  3. Zweifler am

    Reale oder irreale Währungen…… Angebot und Nachfrage…..keine Basis mehr. Wo ist eigentlich das reale Gold (Barren) der Bundesrepublik Deutschland in Amiland (ca. 30% des Bestandes) ? Alles verleast? Laut Presse ist das Depot leer und die USA verweigern die sachliche (in Barren) Übertragung zurück ins Land………….

  4. Andreas Heinze am

    Moin,
    Bitcoins sind längst in der Realität angekommen.
    In Griechenland, in Kalifornien und in einigen weiteren US-Bundesstaaten kann man
    bereits offiziell damit bezahlen.
    Die Zentralbanken werden kurz- bis mittelfristig ihre Existenzberechtigung verlieren.
    Die Digitalisierung und Dematerialisierung der Welt ist voll im Gang.

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