Blockchain kann für Transparenz und Vertrauen sorgen

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Blockchain kann für Transparenz und Vertrauen sorgen

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Es gibt Themen, die nimmt man am Rande immer mal wieder wahr – aber ihre tatsächliche Durchschlagskraft eröffnet sich einem nicht. So geht es mir mit der Blockchain, die auch auf der re:publica ein großes Thema war. Wie die meisten, weiß ich natürlich, dass Digitale Währungen – vor allem Bitcoin – auf diesem Konzept basieren. Im Grunde verbirgt sich dahinter ein dezentrales Buchungssystem, das (unter anderem) durch Verschlüsselung manipulationssicher ist. Jeder kann in die Buchführung hineinschauen. Das sorgt für Transparenz.

Blockchai: Eine strikt verschlüsselte Zahlenkette ist wie eine dezentrale Buchhaltung; Rechte: Pixabay

Blockchain: Eine strikt verschlüsselte Zahlenkette ist wie eine dezentrale Buchhaltung

Mit Blockchain mehr Transparenz bei Medien

Das Prinzip der Blockchain eignet sich aber keineswegs nur für digitale Währungen, hat mir Frank Bolten von Chainstep auf der re:publica erklärt. Blockchain kann dabei helfen, Vertrauen in digitale Prozesse zu bringen. Besonders gut hat mir die Idee gefallen, mit Hilfe von Blockchain die Quelle von Inhalten nachweisen zu können: Texte, Bilder oder Videos könnten zum Beispiel ihre Quelle enthalten – und präzise nachweisen, wann, wer, was bearbeitet hat, da in der Blockchain alle Bearbeitungsdaten “gespeichert” sein könnten. Ideal eigentlich, um das Thema Fake-News zu bekämpfen.

Frank Bolten bringt es auf den Punkt: Wenn er via Internet zum Beispiel ein Bild schickt, dann schickt er mir nicht wirklich dieses Bild, sondern eine Kopie davon. Ist ein Bild mit Blockchain kombiniert, dann verschickt er tatsächlich dieses Bild. Durch die Blockchain ist es einzigartig – und nicht kopierbar. Dank Blockchain kann man sogar sehen: Frank Bolten hat das Bild besessen – und dann an Jörg Schieb weitergegeben. Die Blockchain ist also wie eine Art Grundbuch, das untrennbar mit dem Bild verknüpft ist.

Blockchain: Programmiertes Vertrauen

Denkt man mal weiter darüber nach, ergeben sich tatsächlich interessante Einsatzgebiete. Vor allem Fotos und Videos können um eine Blockchain erweitert werden. Es wäre dann kein Problem mehr, die Quelle eines Fotos oder Videos festzustellen. Man könnte sogar sehen, wer die Medien online gestellt hat – oder von wem sie zuletzt bearbeitet wurden. Durch die systemeigene Verschlüsselung der Blockchain ist eine Manipulation unmöglich.

Alles nachvollziehbar? Das ist ja das komplette Gegenteil von Anonymität – mag manch einer entgegnen. Stimmt! Allerdings ist der Grad an Öffentlichkeit in einer Blockchain programmierbar. Ob alles, also jede Transaktion öffentlich einsehbar ist, lässt sich festlegen. Das macht das Konzept tatsächlich interessant für viele Aufgabenbereiche. Man sollte also die Möglichkeiten abseits von Bitcoin sehen. Da Bitcoin heute vor allem ein Spekulationsobjekt ist, hat die Blockchain – womöglich zu Unrecht – ein schlechtes Image. Mit Blockchain lässt sich einiges an Vertrauen ins Internet (zurück) bringen. Ich finde das interessant.

 

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Schon blöd, wenn man sich aus dem Stegreif etwas ausdenken muss, weil man – wie alle – eigentlich keine Ahnung hat, was das Blockchain-Gebell allerorten soll, aber unbedingt dabei sein will. Mein Vorschlag zum Thema: Wir hören mal auf, den Nachplapperern im Netz ihre nachgeplapperten Geschichten noch einmal nachzuplappern und versuchen es stattdessen mit Journalismus. Das heißt wir recherchieren und fragen dabei nicht nur Goldgräber und Goldgräberausrüster, ob es da hinten Gold gebe, sondern gehen mal selber hin und schauen nach. Gibt es reale Probleme, die man bisher nicht lösen konnte und für die ein konkreter und plausibler Blockchain-Lösungsvorschlag vorliegt? Und gibt es reale Anwendungen – andere als die Dark-Web-Ökosysteme der Cryptocoinz und ICOs – die im Produktivbetrieb irgend etwas sinnvolles tun? Wie ist der Stand der Forschung zum Thema und wo und wie hat sich diese Forschung von anderen Zweigen abgespalten? Existiert überhaupt etwas, das man mit gutem Gewissen als Blockchain-Technologie bezeichnen kann? Falls ja, welche Eigenschaften und Leistungsmerkmale – die ätherische Behauptung, Vertrauen zu schaffen, ist kein Leistungsmerkmal – machen die Blockchainerei für welche Anwendungen und Zweck geeignet? Was macht man besser ohne Blockchain und warum?

    Oder von mir aus eine Nummer kleiner: Wie soll die Geschichte vom Bild und der Blockchain praktisch funktionieren und wer oder was verhindert unter welchen Annahmen das Kopieren?

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