Bluetooth als Corona-Bremse – Mitmachen erwünscht!

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Bluetooth als Corona-Bremse – Mitmachen erwünscht!

Kommentare zum Artikel: 44

Wenn irgendwann der durch Corona erforderlich gewordene Lockdown wieder gelöst werden soll, müssen neu aufkeimende Infektionsherde schnell und zuverlässig erkannt, identifiziert und eingedämmt werden. In Asien kommen da verschiedene Trackingsysteme auf dem Handy zum Einsatz. Allerdings teilweise mit erheblichen Eingriffen in die Privatsphäre.

Maximaler Datenschutz: App soll diskret vorgehen

Und das hat Folgen: Dort sind zum Beispiel durch Pannen die Namen von Infizierten öffentlich geworden – oder Liebeleien aufgeflogen. Ein Albtraum für Datenschützer. Deshalb wurde in Deutschland in den letzten Wochen ausgiebig diskutiert, wie eine App-Lösung aussehen könnte, die in punkto Datenschutz keine Wünschen offen lässt.

Eine solche Lösung gibt es jetzt. Sogar eine Lösung, die europaweit eingesetzt werden kann und soll. Mehrere Dutzend Soldaten testen die App aktuell auf Herz und Nieren – im praktischen Einsatz. Die App zu installieren soll freiwillig sein.

Kommen sich zwei Handys näher als ein paar Meter, erkennen sich die Geräte durch Bluetooth Low Energy. Dieser Funkstandard funktioniert ohnehin nur auf wenige Meter. Geräte eine Etage höher etwa reagieren nicht.

Das ist schon ein erheblicher Vorteil gegenüber anderen Lösungen, sogar gegenüber der ansonsten gut durchdachten GeoHealth-App, die ich hier bereits vorgestellt habe.

GPS Tracking; Rechte: WDR/Schieb

Die gewählte Lösung trackt keine Bewegungen

Bluetooth sinnvoll eingesetzt

Die beiden Smartphones unterhalten sich untereinander, stellen vollkommen automatisch die aktuelle Distanz fest. Und wenn die unter zwei Meter beträgt und mehrere Minuten andauert, wird das “Aufeinandertreffen” registriert.

Aber anonym: Jeder Nutzer hat eine ID, die sich alle paar Minuten ändert. Ob die Personen sich miteinander unterhalten haben, zufällig in derselben Schlange standen oder im Taxi gesessen haben, erfasst die App nicht.

Infos per Push-Nachricht

Sollte irgendwann jemand Corona-positiv getestet werden, kann er oder sie das einer Zentrale mitteilen. Bequem mit der App. Anschließend werden alle registrierten Kontaktpersonen per Push-Nachricht informiert. Es ist keine Telefonnummer bekannt (wie in Singapur). Es ist nicht mal bekannt, wo sich die Personen getroffen haben. Nur, dass es so war.

Wer informiert wird, wendet sich am besten umgehend ans Gesundheitsamt oder einen Arzt und lässt sich testen. Ein Maximum an Datensicherheit – das sogar den Chaos Computer Club besänftigt hat.

Hier und Heute: Jörg Schieb erklärt die neue App

Nur nützlich, wenn viele mitmachen

Jetzt kommt es allerdings darauf an, dass möglichst viele Menschen die App installieren und nutzen, wenn sie demnächst kommt. Denn nur dann kann das System seine volle Wirkung entfalten. 60 Prozent der Bevölkerung sollten es wenigstens sein – besser mehr.

Angesichts der Tatsache, dass die App nach aktuellem Kenntnisstand keinerlei Rechte einschränkt und auch keine relevanten Daten erfasst, insbesondere keine Bewegungsprofile erstellt, kann man sich nur wünschen, dass tatsächlich möglichst viele Menschen mitmachen. Denn die App scheint wirklich ein nützliches Instrument zu sein, um möglichen Neuinfektionen schnell begegnen zu können.

Andernfalls droht ein erneuter Lockdown – und der könnte länger dauern.

Tagesschau: So funktioniert die Corona-App

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

44 Kommentare

  1. I have no a clear idea about this. If any one have more information and to like to share this then please post his/her comment. I am very thank full for this act of kindness. i will come back soon is you have more idea about this.

  2. Konfuzius am

    Soweit ich weiss, gibt es zum Einen bereits auch Anwendungen in Europa, die dies leisten können. Der Hinweis auf die Nützlichkeit erschien bereits am 03.04 in einem Bericht der Leopoldina-Wissenschaftsgruppe. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass hier in Deutschland alles neu gemacht werden muss, selbst wenn das dann halt Ewigkeiten dauert – leider.
    Ansonsten gute Idee, die Umsetzung ist hoffentlich auch gut. Wobei ich mir da keine Sorgen um die Sicherheit von Bluetooth machen muss, mein Smartphone unterstützt höchstwahrscheinlich nicht das genannte Verfahren (zu alt). GPS wäre da…

  3. Router comes with a black sleek design with four antennas that you can position according to your network’s area priority. It is built for providing a high-performance connection that can directly boost your network strength.

  4. Thorsten am

    Also ohne auf technische Umsetzung oder Datenschutz einzugehen:
    Wenn sich die Beteiligten einige Zeit ( mehrere Minuten, im Netz oft zitiert 15min) begegnen müssen, um einen “Eintrag” zu bekommen, dann frage ich mich, wieso so ein Wirbel um das Virus gemacht wird. Wieso sind nicht alle Geschäfte geöffnet ? Wie groß ist die Zeit, in der ich anderen Meschen in einem Geschäft begegne ? 10 sek, dann ist der Abstand wieder größe als 1,5 Meter, also Sicherheit.
    Das RKI widerspricht somit wohl seinen eigenen Aussagen, was die Gefahr des Virus betrifft. Das RKI versagt auf ganzer Linie, wir könnten in vielen Bereichen wieder einen normalstatus mit entsprechenden Schutzvorgaben haben.

  5. Wolfgang Miller am

    Als ich das erste Mal von dieser App bei Markus Lanz hörte, war ich begeistert. Als dann Prof. Drosten et al sich positiv dazu geäußert haben und sogar noch über nützliche Feinjustierungen fabuliert haben, stand mein Ja zu dieser Lösung fest. Schade, dass nun verschiedene “Apps” (z.B. RKI) für Verunsicherung sorgen und der Start der hier diskutierten App noch nicht bekannt ist. Ich glaube, mehr Öffentlichkeitsarbeit wäre nützlich, damit die ca 65% potentiellen Nutzer bei ihrer Entscheidung bleiben. Je mehr umso besser!

  6. Wie sieht das mit dem Risiko der permanenten Aktivierung von Bluetooth in der Öffentlichkeit vor dem Hintergrund aktueller Sicherheitslücken wie z.B. BlueFrag (CVE-2020-0022) aus?

  7. Toll erklärt, wie es funktioniert. Leider keine Angabe, ab wann verfügbar, für welches Betriebssystem, wie die Apo heisst und ob man ggfs. per TestFlight teilnehmen kann.
    Mitmachen erwünscht ?
    „Abwarten ist angesagt, auf unbestimmte Zeit“ wäre die richtigere Überschrift gewesen.

    • Noch ist die App nicht in den App Stores. Deshalb kann ich auch keinen Namen nennen – und auch das offizielle Startdatum steht noch nicht fest. Sobald das so ist, werde ich das natürlich melden. :)

      Soll es für iOS und Android geben.

  8. Ich gehöre üblicherweise zu der Gruppe, welche von vielen Daten-Dienstleistungen die andere ohne Bedenken verwenden abstand nehmen, bzw. nur restriktiv verwende.

    Im Rahmen einer Abwägung und den Chancen, welche dieses Konzept bietet komme ich allerdings für mich zu einem positiven Schluss.

    Und ja, natürlich gibt es Risiken und Unabwägbarkeiten. Es gibt nie etwas wo man nicht ein Haar in der Suppe findet, wenn man es den finden will. Die Chancen sind aus meiner Sicht aber deutlich größer.

    Vor allem habe ich es selbst unter meiner Kontrolle wann ich die App nicht mehr verwende.

    Den Ruf nach Open-Source, wie in einem Kommentar hier gefordert, kann ich aber nachvollziehen. Transparenz schafft Vertrauen und das ist für die Akzeptanz dieser App unbedingt erforderlich.

    • Experten betonen immer wieder, wie wichtig es ist, nach einer Neu-Infektion unverzüglich die Infektionskette zu durchbrechen. Dafür sind mögliche Übertragungen in den zurückliegenden Tagen wichtig – die App kann helfen, diese schnell und mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit zu identifizieren.

  9. Dafür müsste aber Bluetooth aktiviert sein, etwas von dem aus Sicherheitsgründen abgeraten wird. Und man müsste der App vertrauen.

    • Zustimmung! Egal ob Panne oder Vorsatz, nach vielen Beispielen ist mein „Vertrauen“ in Versprechen nach Anonymität schlicht weg. Der Glaube an riesige Datensammlungen zum Wohle der Menschheit war nie da. Die Aussagefähigkeit einer solchen App ist extrem begrenzt. „Sicherheitsgründe“ gehen vor, „Mitmachen“ wird verweigert.

    • Nun, die meisten haben Bluetooth aktiviert, weil sie ihre AirPods, Lautsprecher, Smartwatch oder was auch immer mit dem Smartphone verbinden. Datenabgleich findet erst nach Koppeln statt. Und das bekommt man mit. :)

  10. Dirk Lange am

    Wie wird sichergestellt, dass micht jemand aus Spass sich als infiziert meldet ind dadurch evtl. hunderte Menschen in Angst und schrecken versetzt.

    • Wo liegen denn die Sicherheitsbedenken? Und gibt es so gar keine Motivation, etwas für andere zu tun und nicht nur an sich zu denken? Die Aussagefähigkeit ist begrenzt? Wieso? Sie liegt nicht bei 100% – ist aber garantiert höher als bei einer auf Erinnerung gestützten Protokollierung.

  11. Ich finde die Idee gut, möchte aber die App als Open Source sehen, ich will selbst den Programmcode einsehen können, das da nicht mehr Daten verwendet werden als auf dem Etikett drauf steht. Danach hat die App auch von mir ein go

    • Es ist mir unbegreiflich, warum man deutschen Firmen beim Datenschutz nicht vertraut, aber gleichzeitig Google, Facebook & Co. benutzt die mit den persönlichen Daten ihr Geld verdienen.

      • Das Problem ist ja genau, dass es Firmen (mit überwiegender Gewinnerzielungsabsicht) sind und eben keine gemeinnützigen Vereinigungen der Wohlfahrt o. ä.. Gerade deshalb, wäre “open source”, wie hier von Prov94 und auch anderen gefordert, ein wichtiger und richtiger Weg zurück zur Vertrauens- und Glaubwürdigkeit. Hinzu kommen z. B. noch die Erwartungen an die Firmen aus den jüngsten Innenministerkonferenzen, die Zugang bzw. Backdoor zu jedem(!) Datenstrom fordern.

        • Mathilde Welker am

          Ich bin für diese App , wenn gesichert ist dass sie nicht in meine Privatsphäre eingreift.
          Alles was hilft das Virus in Grenzen zu halten sollte genutzt werden.

  12. Christian Harig am

    Bis gestern war ich auch gegen eine solche APP.
    Nachdem ich nun aber von 3 mir als äußerst seriös bekannten Fachleuten: Linus Neumann, Christian Drosten und Jörg Schieb nachvollziehbare und positive Erklärungen zur Kenntnis nehmen konnte und als 71-jähriger zu Problemgruppe gehöre, werde ich die APP sofort installieren, wenn sie für iPhones verfügbar ist.
    Danke allen für die konstruktive Diskussion.

      • Geht niemand was an am

        Unlogisch … ID ändert sich alle paar Minuten und trotzdem sind Kontaktpersonen bekannt, weil sie informiert werden können. Also ist der ID Verlauf nachvollziehbar und eine ID würde auch reichen. Reines Täuschungsmanöver, um das Tracken zu verschleiern, wenn es so stimmt wie im Artikel geschildert. Also stinkt das gewaltig.

  13. Ralf Klein am

    Gut der Datenschutz scheint nicht mehr das Problem. zu sein. Ist wie schon geschrieben wurde eher testen. In mehrerer Hinsicht. Bleiben noch Fragen zu den eingebauten Funktionen außer den Warnmeldungen. Und der Hinweis das der Zweck wohl darin liegt den R0 Wert auf unter 1 zu bekommen/halten, ohne das es allzu große Einschränkungen gibt. Die App natürlich keine Hundert Prozentige Sicherheit bietet. Hätte auch noch zu technischen Dingen Fragen, sprengt vermutlich hier den Rahmen. Diese Info’s hätte ich nur gerne bevor ich mitmachen würde. Oder auch zum Thema freiwillig. Was ist mit Gruppenzwang. Macht einen Teil des Erfolges von WA aus.
    Ohje Rechtschreibung funktioniert nicht. Gruß

  14. Zitat:
    „Wer informiert wird… lässt sich testen“
    Wenn das denn mal in Zukunft funktioniert. Ein konkretes Beispiel aus meinem direkten Umfeld:

    Risikoperson (Herz + Asthma + weitere chronische Organerkrankungen) wird von Zahnärztin behandelt und erhält von der Praxis 3 Tage später die Nachricht, dass die Zahnärztin positiv getestet wurde. Auch nach einer Telefon Odyssee (116117, Gesundheitsamt, Hausarzt) gab es keinen Test. Der einzige Rat war:
    Lassen Sie Ihren Mann einkaufen, gehen Sie nur zum Spazieren raus und halten Sie Abstand.

    Schauen wir mal, ob genügend Tests vorhanden sind, wenn die App rauskommt.

    Meine grundsätzliche Skepsis, was Datenschutz betrifft, würde ich jedenfalls dem Nutzen unterordnen, wenn dann auch die Rahmenbedingungen erfüllt sind. Ohne konsequente Tests erschiene mir die App nutzlos.

    • Nutzlos würde ich nicht sagen, denn es ist trotzdem wichtig, von dem Kontakt zu wissen, weil damit eine Quarantäne einher geht.

      Natürlich wäre es besser, schneller und mehr testen zu können. Das ist gar keine Frage. Aber Laborkapazitäten lassen sich nicht beliebig skalieren. Auf einen derartigen Andrang war das System nicht vorbereitet – in vielen Bereichen.

      In punkto Datenschutz braucht es nach meiner Einschätzung aber keine Sorgen zu geben.

  15. Petra Girrulat am

    Hört sich für mich besser an als befürchtet. Mein klares Nein könnte ins Schwanken geraten. Nur eins ist mir noch unklar. Wenn sich die ID alle paar Minuten ändert, woher weiß die App auf dem Handy der infizierten Person, an wen sie die Push-Nachricht schicken soll?

    • Das eigene Handy kennt die Chronik der IDs — und weiss, es ob angesprochen wurde. Die Warnmeldung geht also nicht an ein spezielles Handy, sondern an alle. Ist ja nicht schlimm, die IDs sind ja nicht zuoertenbar.

      • Petra Girrulat am

        Danke, jetzt verstehe ich. Das Handy greift sich die Information, die es für sich identifiziert, nicht andersrum.

        Ob es die App auch noch für windowsphone geben wird?
        Oder bin ich die einzige, die noch eins hat? 😬😁

  16. Diese Möglichkeit muss unbedingt umgesetzt und unterstützt werden!!!!!!!!!!
    Wir machen auch mit. (78+70)

    • Danke für die Blumen. Was soll den falsch sein? Kritik der Kritik willen ist nicht mein Ding. Was kritisiere Sie denn an der vorgeschlagenen Lösung? Die übrigens sogar dem CCC keine hörbare Kritik entlockt…

    • Petra Girrulat am

      Reflektiert, kritisch und immer gut recherchiert – das ist für mich „Schieb“.

      Nur deshalb bin ich gerade in der Lage, meine negative Einstellung zu dieser App gründlich zu durchdenken.

      • Jürgen Fischer am

        Der Schnüffelstaat hat mein FB-Profil gesperrt, darher werde ich meine Datenverbindungen nicht mehr frei schalten. Was passiert dann mit mir? Bleibe ich daheim eingesperrt bis der letzte Coronavirus weg ist????

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