Briefmarke mit QR-Code ermöglicht Tracking von Briefen

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Briefmarke mit QR-Code ermöglicht Tracking von Briefen

Kommentare zum Artikel: 18

Die traditionelle Post auf Papier wird auch gerne etwas boshaft “Snail Mail” genannt – Schneckenpost. Weil sie nun mal deutlich länger braucht als eine E-Mail. Doch gibt es dennoch reichlich Situationen, in denen ein echter Brief überlegen oder sogar unverzichtbar ist. Beim Versand von Dokumenten zum Beispiel, bei Schriftstücken oder wenn ein kleiner Gegenstand verschickt werden muss.

Zugestellt: Tracking der Briefe - fast wie beim Paket; Rechte: WDR/Schieb

Zugestellt: Tracking der Briefe – fast wie beim Paket

Individueller QR-Code erlaubt Tracking

Ab Donnerstag (04.02.2021) werden auch die traditionellen Briefe digitaler. Denn die Post führt eine neue Briefmarke ein: Mit Motiv – und individuellem QR-Code an der rechten Seite, dem sogenannten “Matrixcode”. Die erste Marke dieser Art – 80 Cent für Standardbriefe – trägt den Titel “Digitaler Wandel” und zeigt ein KI-Motiv.

Der QR-Code birgt eine sehr interessante Funktion. Kunden können ihn vor dem Absenden mit der Post/DHL-App scannen, um so den Transportweg nachzuverfolgen. So ähnlich wie bei einem Paket. Die App verrät dann, in welchem Verteilzentrum sich der Brief gerade befindet. Nur ob der Brief zugestellt wurde, lässt sich nicht sehen.

Das wäre technisch zweifellos möglich – aber dann würde sich die Post das System der Einschreiben kaputt machen. Wirklich konsequent digital ist das Angebot aber trotzdem nicht.

Crypto-Stamp: Briefmarke in der Blockchain; Rechte: WDR/Schieb

Crypto-Stamp: Briefmarke in der Blockchain

Individueller QR-Code erlaubt Tracking

Der QR-Code dient aber nicht nur dem Komfort des Kunden, sondern soll Briefmarken auch fälschungssicher machen. Außerdem soll sich eine ungestempelte Briefmarke so nicht ein weiteres Mal nutzen lassen. Beides offensichtlich durchaus Probleme der Post.

Crypto Stamp: Porto in der Blockchain

Die Deutsche Post ist zwar nicht die einzige Post auf der Welt, die so etwas anbietet. Die österreichische Post hat sogar schon mit “Crypto Stamps” experimentiert. Porto in der Blockchain (eine Art dezentrale Datenbank: verkettete Server und Rechner verwalten gemeinsam alle Datensätze): top modern, da die Blockchain nichts vergisst, fälschungssicher ist und auch Tracking erlaubt. Ein Zahlencode reicht als Briefmarke.

Aber immerhin lässt sich bei der Deutschen Post der Wille erkennen, sich in puncto Digitalisierung weiterzuentwickeln. Die verschiedenen Apps von Post/DHL können durchaus eine Menge – und werden ständig ausgebaut.

Briefmarke mit QR-Code: Im Verteilzentrum ausgelesen und in der App trackbar

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

18 Kommentare

  1. Lutz Mergel am

    Habe ich denn überhaupt eine Möglichkeit hinter das Absendedatum eines Briefes mit QR-Frankierung zu kommen? Müsste bei Tracking doch irgendeinen Weg geben. Wenn ja, wie?
    Es geht im konkreten Fall um die Nichteinhaltung der Einladungsfrist zu einer Eigentümerversammlung.
    Danke vorab.

  2. Carsten Mohr am

    So, Herr Schieb, habe ich sie wieder erwischt beim schlechten Recherchieren. Denn die Briefmarke mit Barcode gab es schon Jahre zuvor. Sie müssen ihr Porto nur Online ausdrucken. Und da gibt/gab es schon lange entsprechende Software für Großverbraucher.
    Die Post bewegt sich nicht…und will es auch nicht. Denn Bewegen kostet Geld. Und wenn sich die Konkurrenz nicht bewegt, bewegt sich der Monopolist auch nicht.

    • Jörg Schieb am

      Das weiss ich wohl — ich habe schon vor Jahren Briefmarken mir Word Makros ausgedruckt.

      Aber wenn Sie sich besser fühlen, wenn Sie meinen, Sie hätten mich „erwischt“. Ehrlich.

      Neu ist — und das schreibe ich ja auch -, dass sich die Briefe tracken lassen.

      • Carsten Mohr am

        Um der Spitzfinigkeit wegen, Tracken lassen vom Auftraggeber. Aber getrackt wurden die Briefe schon seit ganz vielen Jahren.
        Sollte es Ihnen darum gegangen sein, bin ich durchaus auf Ihrer Seite.

    • Oberschiedsrichter Glaser am

      “Erwischt”
      Fein gemacht, gaaanz fein, bist ein ganz Braver, ein gaaanz ein Braver!

  3. heißt aber auch: der Staat kann besser überwachen wer welche Post von wem wann bekommt. Spannende Zeiten.

    • Aber auch nur dann, wenn ich die (freiwillige) App nutze. Denn Briefmarken kann ich doch weiterhin anonym kaufen. Ich kaufe in Schlumpfhausen Briefmarken, werfe den Brief in Hintertupfingen ein und vermerke keinen Absender oder einen falschen. Dann weiß der Staat nicht mehr und nicht weniger, als vorher auch: Sie bekommen einen Brief. Und wenn Sie denen irgendwie verdächtig/staatsgefährdend vorkommen, wird und wurde Ihre Post schon immer abgefangen; Postgeheimnis hin oder her.

      • Also mit dem Misstrauen ist das manchmal so eine Sache… ;-) Klar, wenn ich ONLINE eine Marke kaufe, dann könnte theoretisch(!) erkannt werden, in welcher Stadt der Brief wann landet (und wo groß er die Reise antritt). Aber was wäre damit gewonnen? Abgesehen davon bräuchte es schon sehr gute Gründe, einen Richter zu übrerzeugen, solche Daten herauszugeben… Eine E-Mail ist da allemal präziser zu verfolgen.

    • Claudius Mey am

      Es ist aber wirklich noch ein Punkt mehr, mit dem illegale oder staatliche Stellen durch Hacken herausfinden können, von wo nach wo eine bestimmte Person wann und wann und wann einen Brief gesendet hat. Und die unwissende Person nutzt die App und weiß nichts von den Datenklau’s. Sehr leicht wird es nun für Google, facebook. Das Wort “tracking” ist sonst nämlich ein negatives Wort! “Tracking heißt auch hier Nichts Gutes!

  4. Carsten Mohr am

    Die Briefe werden schon seit vielen Jahren codiert. Achte man mal auf die orangenen Striche im unteren Bereich auf der Briefvorderseite (wo i.d.R. das Adressfenster liegt).
    Vorteil für die Post jetzt: Der Kunde scannt am Startpunkt. Wenn der Kunde aber, Stichwort Firma und Azubi, der die Post wegbringen soll, den Brief nicht einwirft, sprich dem Postkreislauf zuführt, hilft auch das alles nichts.
    An der Wiederverwendung von Briefmarken ist zwar was dran, aber unerheblich. Selbst wir, die im Monat mehrere Hundert Euro für Postwertzeichen ausgeben, haben unter hunderten Briefen einen, wo das Porto nicht gestempelt ist. Und wenn die Marke auch noch wohl anzusehen ist, behält man sie gleich ganz.
    Ich wollte sagen, Beweischarakter wird die scannbare Briefmarke nie erlangen. Aber was soll es, die Post bringt’s. Apropos, sind die Klimaneutral und haben keine Subunternehmen? War da nicht auch was mit Briefmonopol und Quersubventionen zu Paketgeschäft?

    • Die orangen Codes sind “nur” Zielcodes, um bei der automatischen Sortieranlage in die richtigen Fächer geleitet zu werden, quasi ein Postleitzahlen/Adressen-Barcode. Viel mehr kann das bisschen Information da unten nicht, ist ja auch schon ein System aus anno. Tracking geht da nicht, weil die Codierung nicht auf einen einzelnen Brief heruntergebrochen werden kann.
      Da sind die Matrixcodes IM Fenster, wie sie bei DV-Freimachung verwendet werden, sicher aussagekräftiger… zwar steht auch da nicht allzu viel drin, genaugenommen auch nicht mehr als bei einer klassischen stempelnden Frankiermaschine (Porto, Druckdatum, laufende Nummer, Maschine/Unternehmen), aber wenn die Daten/Codes in Zusammenhang mit der Adresse gespeichert werden, könnte man schon die Wege des jeweiligen Briefs nachverfolgen.
       
      Dagegen ist die jetzige digitale Marke vergleichsweise Spielzeug, da sie ohne Scannen in der App nicht wirklich dem (echten) Absender zugeordnet werden kann. Denn der wird bei der automatisierten Verarbeitung nicht berücksichtigt, die Maschinen in den Briefzentren interessieren sich nur für den Empfänger/dessen Adresse.

  5. “Nur ob der Brief zugestellt wurde, lässt sich nicht sehen. – Das wäre technisch zweifellos möglich” … Dann müsste aber jeder Brief beim Einwurf in den Briefkasten des Empfängers gescannt werden. Technisch möglich, aber nicht praktikabel.

    • Es gibt ja für alles technische Lösungen. Wahrscheinlich gäbe es auch dafür eine, die den Postboten kaum oder gar keine Zeit kosten würde. Aber daran hat die Post wohl kaum ein Interesse.

      • Ich vermute mal, dass die beliebten Einwurfeinschreiben so auf Dauer entweder günstiger oder für die Post profitabler werden können. Kurzer Scan statt Unterschrift, erledigt.

        Möglicherweise wird das ja sogar gemacht – die ungetrackten Päckchen können, sofern mittels Internetfrankierung freigemacht, ja auch von der Post halbwegs nachverfolgt werden (nur nicht vom Kunden!). Wer mal eine Reklamation hatte, weil die Deppen das Paket statt an den Empfänger an den Absender zugestellt haben, weiß um diesen Mehrwert gegenüber der Briefmarke.

      • Carl Cayser am

        Ich selber bin Zusteller in der Briefzustellung. Wir scannen jetzt schon wie die Blöden. Pakete bis 2 kg, Warenpost 2.0, Einschreiben aller Art, Nachnamen, Sendungen mit P-Adress bei Rücksendung bzw. Unzustellbarkeit. Kleiner Scherz am Rande: warum werden EINWURFeinschreiben aus dem Ausland (so gennante “China-Post”) so genannt? Weil sie wegen ihrer Größe damit Scheiben EINWERFEN können.
        Wenn wir dann noch die Briefe e dazubekommen, dann wird die Post den Zeitansatz pro Brief für die Vorbereitung und die Zustellung zusammen nicht über 10 Sekunden hinaus bemessen. Auch wenn die Sendungsmengen der so gennannten vollbezahlten Briefe rückläufig ist (niemand konnte mir bisher sagen, wohin sie laufen), so sind das in meinem Bezirk dann doch zwei bis drei Behälter am Tag. Ich brauche länger in der Vorbereitung und mein Bezirk müsste dem allgemeinem Trend entgegen kleiner werden, weil ich später anfinge. Im Dunkelen arbeite ich nicht so gerne.

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