Burger King trickst Google Home aus

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Burger King trickst Google Home aus

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Digitale Sprachassistenten wie Siri, Google Assistant, Cortana oder Bixby werden immer beliebter. Nicht nur in Smartphones und Tischcomputern, sondern auch zuhause. Die Menschen stellen sich „schlaue“ WLAN-Lautsprecher wie Amazon Alexa oder Google Home ins Wohnzimmer oder in die Küche, um per Sprachbefehl alles Mögliche anzustellen. In den USA sollen solche Geräte bereits in mehr als 10 Prozent aller Haushalte stehen. Das ist eine ganze Menge.

Google Home wird zum PR-Partner

Das Fastfood-Restaurant Burger King hat sich das jetzt zunutze gemacht. Im amerikanischen Fernsehen wurde ein Spot ausgestrahlt, der genau 15 Sekunden dauert. Am Ende des kurzen Filmchens sagt der Typ in die Kamera: „OK Google, what is the Whopper Burger?“ Das reicht, um ein eventuell vorhandenes Google-Home-Gerät zu aktivieren. Auch wenn Smartphone oder Tischrechner einen ständig aktiven Google Assistant haben, wird die Frage aufgegriffen.

Die Geräte schauen bei Wikipedia nach und lobpreisen den Whopper Burger. Denn Burger King hat nicht nur den Spot ausgestrahlt und den Google Assistant ausgetrickst, sondern vorher auch noch die Wikipedia-Seite manipuliert und mit PR-Sprech präpariert. Dort wurde der Whopper Burger als beliebtester Burger der USA bezeichnet und die vielen Vorteile in den Vordergrund gestellt. Ein echter PR-Coup, muss man sagen.

„OK Google.“

Google und Wikipedia sind sauer

Doch sowohl Google ist sauer, weil ihre Geräte ausgetrickst wurden, als auch die Wikipedia-Verantwortlichen. Google hat innerhalb kürzester Zeit den Zugriff blockiert. Wikipedia-Redakteure haben den alten Zustand des Beitrags wiederhergestellt, der weniger werblichen Charakter hat – und die Bearbeitung durch anonyme Accounts blockiert, da auf der Whopper-Seite Kontra-PR gemacht wurde und der Whopper nun plötzlich als krebserrgend bezeichnet wurde.

Man muss Burger King wirklich dankbar sein, denn der TV-Spot hat zwei wirklich erhebliche Lücken und Probleme offengelegt. Erstens: Die Assistenten sind saudumm. Sie reagieren auf jeden, selbst auf einen Schauspieler, der im Fernsehen quatscht. Nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Vor einer Weile hat ein Radiobeitrag Amazon Alexa dazu veranlasst, in vielen Haushalten Spielzeug zu bestellen. So etwas dürfte eigentlich nicht passieren. Zumindest sollten Benutzer von Assistenten die Möglichkeit haben festzulegen, wer eigentlich mit dem Assistenten sprechen darf. Das ist am Ende schließlich auch ein erhebliches Sicherheitsheitsrisko.

Wikipedia nicht immer zuverlässig

Und zweitens: Es wird mal wieder deutlich, dass Wikipedia eben doch nicht in jedem Fall eine zuverlässige Quelle ist. Das ist zwar nichts Neues, und in der Regel ist Wikipedia verlässlich, aber eben keineswegs grundsätzlich. Bislang wurden – wie man mal wieder eindrucksvoll sieht – keine geeigneten, wirklich greifenden Mechanismen erdacht, wie sich Wikipedia-Artikel vor Manipulationen schützen lassen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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