Cebit 2018: Flugtaxis – es gibt sie wirklich!

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Cebit 2018: Flugtaxis – es gibt sie wirklich!

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Was haben wir alle gelacht, als Dorothee Bär als neue Digitalministerin in Amt und Würden kam und sich bei Marietta Slomka im ZDF heute journal um Kopf und Kragen redete. Als sie deutlich machen wollte, dass Digitalisierung mehr ist als nur Breitbandausbau. Dass man groß denken müsse. Und dann darüber sprach, dass man irgendwann auch die Möglichkeit haben müsse, mit dem Flugtaxi durch die Gegend zu fliegen. “Blamiert” habe sie sich, hieß es. “Staatsministerin für Visionen und fliegende Autos”, nannte man sie. Und bei Twitter wurden die Flugtaxis zum Meme.

Nun: Auf der Cebit gibt es eins dieser Flugtaxis zu sehen. Dutzende Unternehmen auf der ganzen Welt arbeiten daran, eins kommt aus Bruchsal in Baden-Württemberg und stellt in Hannover den “Volocopter” aus: eine Mischung aus Hubschrauber (mit etwa halb so kleiner Kabine) und Drohne (mit ganzen 18 Rotorblättern, die ringförmig oben um den Volocopter herum angeordnet sind). Allein diese Erfindung zu sehen, relativiert die ganze Häme, die Dorothee Bär zum Amtsantritt entgegenschlug.

Der Volocopter macht beim Einsteigen einen fertigen Eindruck: eine Kabine für zwei Personen mit viel Fußraum, selbst ich mit meinen 1,90 Metern passte ganz wunderbar hinein. Dabei kam ich mir aber im ersten Moment ein bisschen verlassen vor: In der Mitte hat der Volocopter zwar einen Kontrollmonitor. Dafür fehlen ihm aber Steuerknüppel, Knöpfe und Hebelchen. Ich habe auch schon in selbstfahrenden Autos gesessen – die aber nach wie vor Lenkräder an Bord haben, um im Notfall eingreifen zu können. Im Volocopter zu sitzen, ganz ohne Möglichkeit, die Kontrolle zu übernehmen, fühlt sich sogar etwas mulmig an, wenn man die ganze Zeit am Boden bleibt.

Nachtmagazin

Volocopter aus Bruchsal: Taxi-Drohnen für Dubai

Science-fiction sind Flugtaxis also nicht mehr: Den ersten Prototypen gab es schon 2011. Es gibt in Deutschland erste Testgebiete. Und letztes Jahr waren in Dubai sogar schon zum Testbetrieb in der Luft; die Stadt würde am liebsten schon in wenigen Jahren in den Regelbetrieb gehen. Bis dahin sind aber vor allem noch Sicherheitsfragen zu klären – zur tatsächlichen Sicherheit, aber auch zur gefühlten Sicherheit der Passagiere: In einer Welt, in der selbstfahrende Autos noch immer die Ausnahme sind und in erste Unfälle verwickelt waren, wer traut sich da schon in selbstfliegende Flugzeuge?

Die Vision der Volocopter-Macher: Flugtaxis als neues Fortbewegungsmittel im öffentlichen Nahverkehr. Sie sollen vor allem in Städten zum Einsatz kommen, dort auf Dächern von Hochhäusern oder Bus- und Straßenbahnhaltestellen starten und landen. “Hubs” heißen diese Einrichtungen dann; an diesen Haltestellen könnten die Flugtaxis auch gleich repariert und aufgeladen werden – es handelt sich um Elektrogefährte, die damit auch deutlich leiser als Hubschrauber sein sollen.

Die Frage ist also nicht, ob da jemand verrückte Träume hatte, wenn er von Flugtaxis spricht. Die Frage ist, ob Flugtaxis eine Akzeptanz finden und wie wir sie “in unsere Welt einbauen” könnten. Mit Science-fiction oder Lustigem Taschenbuch hat die Technik auf jeden Fall nichts mehr zu tun – sie ist da und steht in Hannover, sichtbar für alle.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

2 Kommentare

  1. In der Zukunft bin ich sehr gespannt darauf, wie sich das Ganze noch entwickelt. Ich denke, dass der Drohnenverkehrt durchaus die Zukunft sein könnte. Ich meine, DHL hat ja auch schon die ersten Versuche gestartet.

  2. Reinhold Meyer am

    Sehr geehrter Herr Horn, ich fürchte, das Hauptproblem wird nicht Reparatur und Ladung der Batterien sein, sondern das Entfernen von Erbrochenem und dem damit verbundenen Geruch. Gönnen sie sich und Frau Bär einen kleinen Rundflug in einem Ultraleichtflugzeug. An einem Nachmittag, wie wir sie dieser Tage oft erleben. Ausgeprägte Thermik, auffrischende Winde mit unvorhersehbaren Richtungswechseln, in niedriger Höhe über freiem Gelände mit stark wechselnder Höhenstruktur (über Menschenansammlungen dürfen sie gewisse Mindestflughöhen nicht unterschreiten), um eine Vorstellung zu bekommen, was den Fluggast auf einem Flug z.B. über München erwartet. Ganz zu schweigen, von äusserst kritischen An u. Abflügen auf/von Hochhäuser(n). Auch darf man darauf gespannt sein, wenn in Dubai bei 45 – 50 Grad Aussentemperatur, zwei Araber, mit jeweils 120kg Lebendgewicht in ein Flugtaxi einsteigen und gerne in ihre Suite ins Dream Dubai Marina möchten. Ich will nicht unken, irgendwie erinnert mich das ein bisschen an die Geschichte mit dem Cargo Lifter Projekt. Und zum guten Schluss, brauchen sie dann noch einen ziemlich hochrangigen Inspektor vom Luftfahrt Bundesamt, der seinen Namen unter die Freigabe setzt…

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