Cebit: Warum Jaron Lanier vor Social Media warnt

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Cebit: Warum Jaron Lanier vor Social Media warnt

Kommentare zum Artikel: 4

Jaron Lanier war in Hannover. Auf der Cebit hat der Internetpionier mit den Rastalocken, der laut Wikipedia auch als „Künstler, Musiker, Komponist, Autor und Unternehmer“ aktiv ist, das Publikum wachzurütteln versucht. „Versucht’s mal ohne Social Media!“, war die Quintessenz seiner Präsentation. Klare Sache: Jaron Lanier ist kein Freund von Facebook und Co.

Er hat gute Gründe, wie ich finde. „Wir sind daran so gewöhnt, dass wir nicht mehr merken, wie bizarr und krank das ist“, mahnt Lanier. Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter und Co. solle man den Rücken kehren. Und wenn nicht dauerhaft, dann doch wenigstens mal für sechs Monate – um eine neue Haltung zu den Diensten zu entwickeln.

Jaron Lanier auf der CeBIT 2018; Rechte: dpa/Picture Alliance

Der Informatiker Jaron Lanier auf der Cebit 2018: Raus aus den Sozialen Netzwerken

Lanier stellt Schwarmintelligenz in Frage

US-Präsident Trump sei „abhängig von Twitter“, meint er. Ein gutes Beispiel, wieso Soziale Netzwerke gefährlich seien. Was Lanier am meisten an den Sozialen Netzwerken stört, ist die Tatsache, dass sie sich perfekt zur Überwachung eignen und praktisch nicht zu kontrollieren sind. Vor allem die eigenen Daten lassen sich nicht kontrollieren. Auch der Effekt der Filterblase macht ihm Sorgen.

Jaron Lanier war einer der ersten, der sich getraut hat, die sogenannte „Schwarmintelligenz“ in Frage zu stellen. Allgemein wird angenommen, wenn viele über ein Thema nachdenken, käme dabei sozusagen automatisch etwas Gutes heraus. Ein tolles Argument für Vernetzung – aber in den Augen von Lanier ein Trugschluss: „In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen.“

AudioplayerDie Cebit wird zum Festival – neue Zielgruppen sollen so erreicht werden

Raus aus den Sozialen Netzwerken

Klare Worte, die deutlich machen, dass Lanier gegen den Strom schwimmt. Das sind erfrischende Gedanken, die in der Community nicht gerne gehört werden und in der Filterblase womöglich auch untergehen – aber genau deswegen umso wichtiger sind. Denn vieles davon ist wahr oder zumindest wert, mal darüber nachzudenken. So schlägt er zum Beispiel vor, die Sozialen Netzwerke kostenpflichtig zu machen. Das würde ein Ende der Überwachungsmentalitäten bedeuten, da Werbekunden keine Daten mehr bräuchten.

Ein anfechtbares Modell – und mit Facebook zweifellos nicht zu machen. Aber es ist sinnvoll, Jaron Lanier zuzuhören und über seine zweifellos klugen Ansätze nachzudenken. Ein einstiger Tech-Guru, der heute ein wichtiger Mahner ist.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Interessant: Wenn Jaron Lanier das sagt, bekommt seine Meinung einen eigenen Artikel.
    Wenn ICH genau dasselbe sage und hier schreibe, kommt regelmäßig Dennis Horn daher und löscht meine Beiträge, angeblich wegen „Wiederholung'“, und andere beschuldigen mich, ein „Troll“ zu sein…

  2. Tobias Claren am

    Ich erinnere mich an eine Aussage von ihm, nach der JEDER bei Facebook aktive sinngemäß „dumm“, „blauäugig“, „naiv“ etc. ist. Habe hier Wörter verwendet die gerne in Deutschland von den radikalen Geiferern verwendet werden, aber es war genau die Aussage.
    Es gibt regelrechte Trolle, besonders im Rückenwind der DSGVO, die beleidigen jeden der in Foren nicht in ihre Hetze „gegen die Datenkraken“ einstimmt.

    Und Ich galaube auch, er hat direkte soziale Kontakte in einer Weise positiv erwähnt, als sei das für jeden Menschen „das Wichtigste im Leben“…

    Ich nutze FB, TWitter etc. wohl sehr wenig, aber genau so wie Ich mein Smartphone nicht zum telefonieren nutze nutze Ich FB, Twitter etc. überhaupt nicht zum Kontakt mit „Freunden“. Nein, auch offline nicht…

    Und dann gibt es diese „Lehrertypen“, auch Privatleute, die jeden für „dumm“, „naiv“, „Blauäugig“ etc. abstempeln, der identizierbar „privates“ veröffentlicht.
    Scheinbar geht es bei dieser Allgemeinkritik aber eher darum dass diese „Lehrertypen“ (oft ja echte Lehrer) damit meinen dass potentielle Arbeitgeber etwas nicht sehen sollen.
    Und diese Angestelltenmentalität die dahinter steckt (man soll froh sein über jede Arbeitsstelle die man erhält, der Arbeitgeber entscheidet am Ende ganz alleine ob man einen Arbeitsplatz bekommt, der Bewerber hat dankbar zu sein) ist widerwärtig.
    Ich WILL dass solche Menschen (würde ICh mich je wo Bewerben…) das über mich wissen.
    Meine Meinung, Weltanschauung, meine Verunglimpfung von „Anzugäffchen“ (Menschen die beruflich Anzug tragen, also auch die meisten Chefs, Personaler, Vorgesetzten…), Menschen die aus „Repräsentationsgründen“ bzw. Statusdenken eine Oberklasselimousine fahren (also auch wieder Chefs, Vorgesetzte…), Rechts-Szenarien wie dem, wo jemand gegen seinen Willen vom Notarzt behandelt/mitgenommen werden soll, und damit das Recht hat diesen und seine Sanitäter zur Not zu töten um das zu verhindern etc..
    Oder meine Ansichten zum Recht auf Suizid für jeden, eine provokante Suizidwebseite (kein Witz)…
    Und wenn Ich H4 beantragen würde, hat der/die SB das auch zu akzeptieren…
    Auch wenn Ich damit evtl. „unvermittelbar“ wäre…
    Wenn Ich mich irgendwo bewerben müsste, würde Ich eher sterben wollen, als so etwas „für mich zu behalten“.
    „Saufbilder“, „Partybilder“, „Schlafzimmerbilder“ etc. sind bei mir absolut ausgeschlossen…

    Neuwagen kaufe Ich NIE, auch wenn Ich es mir leisten kann/könnte. Meine Mutter fährt einen Opel Meriva von 2004, auch wenn sie einen Neuwagen, wenn sie es drauf anläge wohl auch „Oberklasse“, kaufen könnte…
    Lebensmittel praktisch keine „Marken.
    Ich bezweifele dass Werbung einen echten Einfluss auf mich hat. Bei mir müsste man suchen was NICHT Gebraucht von Ebay gekauft ist. Also verdient auch kein Möbelhaus etc. an mir.
    Kleidung kaufe Ich nur um alte defekte zu ersetzen, kein Wechsel aufgrund „Mode“. Wären alle wie Ich, die „Modebranche“ würde evtl. noch 5% oder weniger ihrer heutigen Größe haben…

    „Wahlmanipulation“.
    Damit unterstellt er auch mir, Ich könne mich da „manipulieren“ lassen. Was eine schwere Beleidigung ist.
    Früher nannte man das „Wahlkampf“. Und Adenauer und CO. waren da nicht besser… „Keine Experimente“, schon die Aussage dieses Spruchs ist sehr antidemokratisch…

    Ich WÜRDE GERNE bei Cambridge Psychotests über Stunden ausfüllen, und dasErgebnis soll an FB gehen, damit die mich besser „kennen“, um dann z.B. Funktionen wie die Suche nach Gleichgesinnten anbieten zu können.
    Ich meine keine „Partnersuche“, aber das dürfte im Grunde vergleichbar sein. Das will FB ja nun anbieten.
    Ich denke an Gleichgesinnte für Freizeit oder politische/soziale Aktivitäten, eine Webseite (auch solche die man anonym betreibt, um sich vor der Repression durch den Staat zu schützen…) etc..

    MUSS Ich eine „kleine Gebühr“ zahlen, oder DARF Ich das?
    Wenn es nach diesen Radikalen gaht, MUSS Ich das.
    Dieser „Max Schremms“ ist so radikal, in einer Doku war er in einer EU-„Shaddow“-Sitzung dabei, als die darüber diskutierte wie das neue Gesetz aussehen sollte, da fragte eine Frau dass ja wohl EU-Firmen die einen Dienst außerhalb der EU anbieten, sich dort NICHT an die DSGVO halten müssen. Eigentlich logisch, auch was die Moral und Ethik angeht.
    Aber dieser Schremms wollte dass nicht. Widerwärtig, „am Europäischen Wesen soll die Welt genesen“ 0_o…
    So eine Art „Datenschutz-Taliban“, dem es nicht reicht wenn das eigene Teritorium das glaubt was er will, sondern es muss auch noch der Rest der Welt, die „Ungläubigen“, „bekehrt“ werden.

    Facebook sollte Alternativ zur Werbung einen Betrag von €9,95 bis €29,99 pro Monat verlangen. Ich finde auch schon €9,95 viel, zu viel, wäre es mir nicht wert…
    Aber Ich würde es auch gerne weiterhin kostenlos inkl der „Datenkrake“ nutzen…

    „Das Beispiel Netflix zeige, dass Menschen durchaus bereit seien, für Online-Dienste zu zahlen.“

    Oder auch nicht…
    Solange Mordkopien billiger sind, und jemand nicht regelmäßig sehr viel sieht, wird es die weiter geben… Aber auch dann kann man sich dort ja nicht mal eben beliebige Filme in BR-Qualität oder UHD mit mindestens 50, 60… Mbit/s ansehen. Oder Kann man bein Netflix jetzt z.B. ohne Aufpreis Jurrasic Park in UHD sehen? Oder auch die neue Planet-der-Affen-Reihe… In UHD oder 3D mit 5.1/7.1…

    „Solange solche Lösungen nicht in Sicht sind, bleibe nur als Ausweg, das Nutzerkonto zu schließen – zumindest für ein paar Monate, um sich bewusst zu werden, dass es auch eine Welt ohne Facebook & Co. gibt. „Ich habe keine Konten bei diesen Netzwerken, aber ich habe trotzdem ein öffentliches Leben“, sagte Lanier.“

    Tja, aber es muss halt nicht jeder ein „öffentliches Leben“ haben, und dieses muss nicht „mehr“ werden, wenn jemand FB-Pause macht…
    Wenn Ich studieren könnte/würde, Ich würde ja auch nicht automatisch „Studentenleben“ haben wollen…
    Und wenn ich reisen würde, würde Ich evtl. im Hotel bleiben und dort das Internet nutzen und Filme sehen…
    Also würde Ich auch nicht reisen, wenn die Reise keinen speziellen Zweck vor Ort hätte…

  3. Klaus Lohmann am

    Vielleicht sollte man zunächst auch mal aufhören, dauernd von „Community“ zu schwätzen. *Die* Community gab und gibt es nicht und wird sie im Netz der konkurrierenden Interessen nie geben.

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