Corona-Warn-App: Es kommt auf uns selbst an

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Corona-Warn-App: Es kommt auf uns selbst an

Kommentare zum Artikel: 12

Zur Corona-Warn-App war mir zuletzt zu viel Meinung unterwegs. Menschen, die von Beginn an genau wussten, warum sie kein Erfolg wird. Menschen, die um jeden Preis eine App sehen wollten, koste es an Privatsphäre und Datenschutz-Einschränkungen, was es wolle. Und zu wenige Menschen, die etwas sparsamer mit ihren Erwartungen haushalten und die App als das sehen wollten, was sie ist: ein mögliches Werkzeug von vielen – und ob es funktioniert, kommt darauf an, wie wir dieses Werkzeug nutzen.

Am Tag nach der Veröffentlichung der Corona-Warn-App hat der IT-Sicherheitsforscher Merlin Chlosta ein Experiment gestartet: Er hat sich zusammen mit einem Kollegen aufs Fahrrad gesetzt und die Bochumer Innenstadt auf Bluetooth-Aktivitäten gescannt, speziell auf die der Corona-Warn-App, die eine spezielle Kennung aussendet. Das Ergebnis seht ihr in der folgenden Karte. Es zeigt, wie schnell sich die App tatsächlich verbreitet hat.

“Am Tag nach der Veröffentlichung haben wir im Schnitt neun Leute in unserer direkten Umgebung gesehen, die die App wirklich nutzen”, erzählt Chlosta, der an der Ruhr-Uni Bochum zur Sicherheit in mobilen Netzen forscht, in der neuen Ausgabe von COSMO TECH. Eine Woche später seien es schon 20 Menschen gewesen. “Wir sind positiv überrascht”, schreibt Chlosta bei Twitter. Es sei ein guter Start für die App.

Die Zahlen sind zwar mit Vorsicht zu genießen. Denn Chlosta hat nicht gezählt, wie viele Leute an beiden Tagen in der Stadt unterwegs waren. Weil die Corona-Warn-App immer wieder unterschiedliche Zahlencodes ihrer Nutzer sendet, wurden außerdem Nutzer doppelt gezählt. Trotzdem bestätigt das Experiment den Eindruck, dass sich die Corona-Warn-App tatsächlich verbreitet – und das muss sie, um überhaupt Wirkung zu zeigen.

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Eine Woche Corona-Warn-App – und jetzt? – COSMO TECH

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kommt die App mittlerweile auf rund 13 Millionen Downloads. Eine Woche nach der Veröffentlichung sind in den vergangenen beiden Tagen auch die ersten Datenpakete mit den Zahlencodes infizierter Nutzer übertragen worden. Nach Schätzungen eines SAP-Entwicklers dürfte es sich um einige Dutzend Infizierte handeln. Einzelne von ihnen haben auch Screenshots gepostet.

Das alles zeigt: Die Corona-Warn-App wird tatsächlich genutzt. Mehr als 15 Prozent der Menschen haben sie installiert – die Marke, ab der Forscher der Uni Oxford vermuten, dass sie auch Wirkung zeigen könnte. Voraussetzung dafür ist aber, dass wir sie ernst nehmen. Dass wir uns in Quarantäne begeben und testen lassen, wenn sie Alarm schlägt. Dass wir eine Infektion melden, wenn wir positiv getestet wurden. Ob die Corona-Warn-App ein Erfolg wird, kommt nun also eher auf uns selbst an als auf die App.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

12 Kommentare

  1. Ich muss das was Martin sagt, bestätigen. Auch bei mir ist es so, dass der Akku viel schneller runter geht. Ist aber auch kein Problem, da ich es eh fast immer lade.

    • Dennis Horn am

      @Martin: Schwer, das pauschal zu sagen. Wenn du vorher die Bluetooth-Funktion komplett abgeschaltet hattest, wäre meine Frage: Nutzen sie auch andere Apps – und lohnt es sich, sie dort einzeln abzustellen und nur für die Corona-Warn-App freizugeben?

  2. Also bei mir läuft die App nicht richtig. So behauptet diese immer wieder, dass die Risikoermittlung nicht aktiv wäre, obwohl oben drüber das Gegenteil steht.

    Gestern hatte ich sogar mehrere Fehlermeldungen.

    • Dennis Horn am

      @ulrics: Ich würde hier auf erste Updates setzen; solche Fehlermeldungen wurden in den vergangenen Tagen auch im Entwicklerforum diskutiert, und ich habe die Hoffnung, dass sich die Lage mit Updates erstens der Corona-Warn-App selbst und zweitens der Android- und iOS-Betriebssysteme verbessert.

  3. Ich verstehe immer noch nicht wirklich, warum Corona-Infizierte (die das von sich wissen) mit dem Smartphone durch die Gegend laufen dürfen, anstatt in Quarantäne, bzw. brav zu Haus zu bleiben

    • Dürfen sie ja auch nicht. Der Benefit der Corona-App liegt darin, dass Personen, die positiv auf Corona getestet werden, damit all diejenigen anonym informieren können, die sich in den Tagen zuvor in deren Nähe aufgehalten haben. Positiv getestete Personen müssen laut Infektionsschutzgesetz umgehend in Quarantäne. Daher unterstützt die App vor allem die Arbeit der Gesundheitsämter, die alle potentiellen Kontakte eines frisch als Coronaträger Identifizierten nachverfolgen. Ein Freibrief für Infizierte von der Quarantänepflicht ist die App definitiv nicht!

    • DollyToll am

      Im Strafrecht gibt es – so weit ich weiß – den Grundsatz, dass ich nicht gegen mich belastend aussagen muss … Andersherum: Wissend Infizierte ohne Symptome können als Spreader ganz bewusst doch die Gesellschaft ‘ein wenig’ aufmischen …
      Die akt. Infektionszahlen in den USA sprechen für sich! Auch bei Jüngeren! Ob es hilft die Infektionzahlen in den USA zu senken, dass Trump weiterhin die ges. KV abzuschaffen will, weiß ich nicht …
      Das Leben ist halt Risiko: mit oder ohne App!

  4. Was bringt die App, wenn die sogenannten Risikogruppen die App gar nicht installieren kann. Sind ja immerhin geschätzte 3 Mio. Bürger. Eigentlich wollte ich die App installieren, aber ich bekommen immer vom Playstore die Meldung “Dein Gerät ist mit dieser Version nicht kompatibel”. Habe ein Wiko Jerry mit Android 6 Marshmallow. Wahrscheinlich liegt es am BT, die BT Version konnte ich bei meinem Handy nicht ermitteln, aber ich habe wohl noch die alte BT Version.
    Wenn es doch eine Open Source Software sein soll, warum kann keiner mal ein Downgrade für diese App programmieren? Selbst ein 3 Jahre altes Samsung Handy meiner Frau kann die App ohne Probleme runterladen, nur ich nicht, obwohl mein Handy maximal ein Jahr älter ist als ihres.
    Ja, ich weiß, man kann nicht alles für alle Geräte programmieren, aber vielleicht finden sich ja ein paar Hobbyprogrammierer die dieses Problem lösen können.
    Ich finde es schade, das sich die großen Konzerne wie SAP und Telekom gar keine Gedanken machen für die übrigen 3 Mio. Bürger eine alternative zu programmieren, dafür bekommen die doch schon viel Geld. Und nein, ich bin nicht bereit, deshalb ein neues Handy zu erwerben, nur um die App und der Handy-Industrie das Geld in den Rachen zu werfen. Das eben u.a. zum Thema Nachhaltigkeit.
    3 Mio. Bürger auszulassen finde ich verantwortungslos und Herr Laschet soll sich nicht an den Downloadzahlen laben, denn meine Frau hat mir nur kurz gezeigt wie die App aussieht und in etwa funktioniert, und sie hat 3 mal gedownloadet und 3 mal deinstalliert, weil sie es nicht braucht bzw. zu kompliziert ist. Da Frage ich mich nur wie viele Downloads mittlerweile deinstalliert sind von ca. 12 Mio..
    Ich dagegen würde gerne die App trotzdem auf mein jetziges Handy installieren, aber wie oben erwähnt geht es ja nicht
    Ein frustrierter Bürger

    • Ich war mal neugierig und habe mich auf der Projekt-Seite der Corona Warn-App auf GitHub umgesehen. Dort findet sich unter “Probleme” ein Eintrag das die zugrundeliegende SW-Plattform bestimmte Bluetooth-Funktionen benötigt. Was ein Smartphone bezüglich Bluetooth beherrscht wird primär von den verbauten Chips bestimmt. Beherrschen diese nur ältere Bluetooth-Versionen, welche für den Zweck nicht genügen, dann hilft keine Programmierung.

      Fazit: Es scheint primär ein Problem der Hardware zu sein und nicht der Software.

      Wäre ein gebrauchtes Gerät denkbar? Das kommt sowohl der Nachhaltigkeit als auch dem Geldbeutel entgegen. Evtl. findet sich ein Nachbar/Freund/Bekannter welcher noch ein brauchbares ausgemustertes Smartphone zu Hause liegen hat.

      Für die neugierigen Bluetooth gibt es seit 1999 in 5 Haupt- und vielen Unterversionen.

      • Dennis Horn am

        @Carsten/Matt: Es ist ein Problem der gemeinsamen Schnittstelle von Google und Apple. Die beiden Konzerne schreiben mindestens Android 6 oder mindestens iOS 13.5 (und damit mindestes ein iPhone 6s) vor. Es gibt hierzu Gespräche – aber es ist nicht klar, ob sich an dieser Lage noch etwas ändert. Laut Bundesregierung erfüllen dennoch 85 Prozent der Smartphones diese Vorgaben. Wenn deren Nutzer im Infektionsfall zu Hause bleiben, schützen sie damit auch Menschen, die die App selbst nicht einsetzen oder nicht einsetzen können.

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