CPU-Probleme: Wie die Branche uns Kunden verhöhnt

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CPU-Probleme: Wie die Branche uns Kunden verhöhnt

Kommentare zum Artikel: 7

Aufklärung sieht anders aus: Mittlerweile wissen die Großen der Branche seit gut zwei Wochen von den dramatischen Sicherheitsproblemen, die in gängigen Prozessoren stecken. Und das nicht nur in einzelnen Chips, sondern in fast allem. Wir sind alle betroffen, mehr oder weniger. Ob mehr oder weniger, das bekommen wir allerdings nicht erklärt. Es gibt kaum nützliche Hilfen von den Herstellern.

Prozessor mit vielen Datenleitungen; Rechte: Pixabay

Man sieht ihnen nicht an, ob sie Sicherheitslecks haben -. und die Industrie hilft uns auch dabei nicht

Praktisch keine Informationen

Wir können nicht nachschauen, ob wir mit einem bestimmten Gerät und einer bestimmten Version des Betriebssystems betroffen sind – und was wir tun müssen. Microsoft, Apple und Co. bemühen sich zwar und bringen Updates ihrer Betriebssysteme heraus – wie Apple diese Woche mit einem neuen iOS -, allerdings erfahren wir nicht, was konkret damit erledigt wird. Apple teilt lediglich mit, dass die meisten Schwierigkeiten mit Spectre und Meltdown damit beseitigt sind. Die meisten – nicht alle.

Und Intel? Immerhin Branchenprimus und damit einer der Hauptverantwortlichen des Skandals. Auf der deutschen Homepage gibt es einen Hinweis, man habe “erhebliche Fortschritte bei der Implementierung von Updates gemacht”. Klickt man auf den Hinweis, gibt es eine technische Dokumentation – in Englisch. Behandelt man so seine Kunden? Es ist eher eine Form von Verachtung als Wertschätzung und Demut. Unfassbar.

TALK_spectre; Rechte: WDR

Talk über Spectre und Meltdown auf WDR5/Töne, Texte, Bilder

Man sollte sie aus dem Dorf jagen

Wir erfahren weder, was wir genau machen müssen, noch, was nach einem Update passiert. Wie sicher sind wir danach wirklich? Sind alle Probleme beseitigt oder nur bestimmte? Um wieviel werden unsere Geräte und Rechner langsamer, wenn wir uns – qua Update – gegen Spectre und Meltdown wehren? Auf Servern soll die Leistungseinbuße durchaus bis zu 10% betragen. Auf Systemen mit SSD-Laufwerken (also Speicher-Festplatten) sogar noch mehr. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein Desaster.

Ich finde: Praktisch niemand aus der Branche bekleckert sich gerade mit Ruhm. Microsoft reagiert meiner Ansicht nach noch am souveränsten – dabei hat Microsoft das Problem nicht zu verantworten. Apple als Hardwareverkäufer schon. Und Intel, AMD und ARM erst recht. Sie haben den Super-Gau zu verantworten – und es ist ihnen nicht mal peinlich. Man müsste sie eigentlich aus dem Dorf jagen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. DollyToll am

    Die Postings liegen alle auf meiner Wellenlänge …

    Heute habe ich mir den Update-Affen gegeben. In der Liste fehlt mir noch die Grafikkarten, z. B. von Nvidia.

    Intel will diesen Monat was herausbringen und mein Notebook-Hersteller hat fürs BIOS-Update mir einen Link geschickt, den ich zeitnah immer wieder überprüfen soll …

    Es ist doch ‘rührend’, wenn der ehem. Chef der Abt. von der NSA, der für das Schnüffeln in fremden Rechnern zuständig war, jetzt im Weißen Haus sitzt und Intel nicht an den Pranger stellen wollte …

    Leute: der PC wird immer mehr zu einer Kriegswaffe!

  2. Ich habe den Intel i7-8700@3.20GHz im Dezember erworben, erschienen ist dieser Anfang Oktober, also 3 Monat nach Bekanntwerden der Sicherheitslücken. Meltdown ist kein Problem aber Spectre schon. Und ich fahre auch VW aber Intel ist halt nicht VW. Daher haben sie auch keine Milliardenstrafen zu erwarten. Alle schreien nach Digitalisierung und niemand berücksichtigt, welcher Schaden enstehen kann, wenn diese immer mehr Einzug in unser Gesundheitswesen erlangt und dann Menschenleben direkt davon abhängen. Von anderen Szenarien, wie automatisiertes Fahren, mal ganz abgesehen. Aber wir sind ja nur das rückständige Deutschland und nicht in der Lage, Konzernen wie Intel die Stirn zu bieten! Bald werden wir alle merken, dass Konzerne mächtiger als Länder sind und sich schon lange um die Weltregierung streiten.

  3. Die eigentliche Sicherheitslücke in Intel-CPUs heißt Management Engine (ME), was alle Menschen mit Interesse an IT-Sicherheit spätestens seit 2015 wissen: Intel x86 considered harmful, https://blog.invisiblethings.org/2015/10/27/x86_harmful.html
    Im vergangenen Jahr sind zahlreiche Details und Hacks zur ME bekannt geworden, per Suchmaschine leicht zu finden. Wer größere IT-Budgets verantwortet, sollte langsam nachdenken…

  4. Browser-Check (Spectre):*
    xlab.tencent.com/special/spectre/spectre_check.html

    Smartphone-Check (vgl. Liste):*
    ricompro.it/smartphone-security-check-android-iphone-iOS

    CPU-Check (nur Win7,8,10)*
    ashampoo.com/de/eur/pin/1304/sicherheitssoftware/spectre-meltdown-cpu-checker

    (*) natürlich alles ohne Gewähr und jegliche Haftung ausgeschlossen ;)

  5. Klaus Lohmann am

    Kann C.Z. nur beipflichten – *wer* wollte denn immer schnellere Prozessoren, um möglichst sofort und heute immer höher auflösende Zeitvertreibs-Spielchen und -Videos zu konsumieren??? Musste das Pre-Fetching sein, um beruflich Dokumente zu erstellen und zu bearbeiten?
    Und ja – Ihr von den Medien hattet jede CES, jede CEBiT doch richtig gut zu tun, um all die schnellen Sachen an den Mann zu bringen;-))

  6. Wir leben in Deutschland! Was erwarten Sie denn?
    Siehe Diesel-Gate: VW schreibt trotzdem Rekordergebnisse (aber nur, weil der “blöde” Kunde immer noch VW-Produkte kauft), den Aktionär freut’s, die Gewerbesteuer sprudelt, die Politik bleibt untätig. Weiter so! – Alles gut!

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