Daddeln im Auftrag der Koalition

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Daddeln im Auftrag der Koalition

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Die Unterhändler der Arbeitsgruppe “Digitales” bei den Koalitionsvereinbarungen haben einen Beschluss gefasst: Computer- und Videospiele erfahren künftig staatliche Förderung. Man reibt sich die Augen: Dorothee Bär will, dass “Computerspiele endlich den Stellenwert bekommen, den sie längst haben sollten.” Die GroKo will sogar E-Sports populär machen.

E-Sport soll gefördert werden: Vielleicht bei Olympia 2024 dabei?; Rechte: dpa/Picture Alliance

E-Sport soll gefördert werden: Vielleicht bei Olympia 2024 dabei?

Mit Games wird kräftig verdient

Künftig daddeln wir also im staatlichen Auftrag. Egoshooten für die Volkswirtschaft, sozusagen. Aber woher nur der Sinneswandel? Bislang hat man nur dann etwas aus Berlin gehört, wenn es darum ging, Egoshooter in Bausch und Bogen zu verdammen und für alles Mögliche verantwortlich zu machen. Man kann Egoshoot kritisch sehen – doch die Kommentare aus Berlin waren selten sonderlich kompetent. Nun plötzlich sieht die GroKo in der Branche ein ungeheures Potenzial.

Man denkt halt wirtschaftlich: Die Games-Branche hat in Deutschland 2015 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro generiert. Das übertrifft die Musikindustrie (1,55 Milliarden) und die Film-Industrie (1,17 Milliarden Euro) bei weitem. Es geht also darum, zukunftsträchtige Branchen zu fördern und Punkte beim jüngeren Wahlvolk zu sammeln. Durchaus sinnvoll: Wir werden kaum ein Google, Microsoft oder Facebook in Deutschland entstehen sehen, wenn die Gesellschaft nicht reif dafür ist. Alle müssen sich öffnen: Die Universitäten, die Geldgeber, die Politik, die Kommunen. Nur wenn es die Bereitschaft und sogar den Willen gibt, die Digitalbranche zu entwickeln und zu fördern, wird das auch geschehen.

Die Kanzlerin auf der Spielemesse Gamescom; Rechte: WDR

Die Kanzlerin auf der Spielemesse Gamescom

Auch E-Sport soll gefördert werden

Davon sind wir in Deutschland meilenweit entfernt. Aber immerhin gibt es in Deutschland einige erfolgreiche Unternehmen aus der Spielebranche. Die sollen nun gefördert werden. Hier liegt immerhin eine Chance, dass sich da etwas entwickelt. Außerdem wirkt das modern und entfaltet vielleicht Strahlkraft auf andere IT-Branchen, das dürfte das Kalkül dahinter sein. Doch damit nicht genug: “Wir wollen dem Thema E-Sport einen größeren Bekanntheitsgrad geben”, sagte CSU-Unterhändlerin Dorothee Bär.

Die Koalition will das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- und Videospielen im Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und dem E-Sport so eine “olympische Perspektive” aufzeigen. Bedeutet konkret: Traditionelle Vereine sollen motiviert werden, neue Abteilungen aufzumachen, gezielt für E-Sportler.Wer weiß: Vielleicht macht Deutschland bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris eine gute Figur – in der dann vielleicht offiziell zugelassenen Disziplin E-Sports.

Alles interessant. Aber ganz ehrlich: Zweifellos nicht die wichtigsten Aspekte, die Berlin in Sachen Digitalisierung angehen sollte.

 

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Ich dachte eigentlich, auch wenn viele Medien die Groko heute schon als quasi beschlossene Sache bejubeln, dass die SPD-Basis eben diese GroKo noch mehrheitlich absegnen muss!?
    Reden wir hier vielleicht über ungelegte Eier oder wissen Sie schon mehr als ich?

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