Darf man das noch sagen: White Hat und Black Hat?

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Darf man das noch sagen: White Hat und Black Hat?

Kommentare zum Artikel: 11

Die aktuelle Debatte über Diskriminierung und Rassismus reicht bis in die IT-Technologie. Auch hier gibt es Begriffe, an denen sich manche stören – oder die zumindest diskussionswürdig sein könnten.

Googles Sicherheitschef für Android David Kleidermacher hat gerade erst seinen Auftritt bei der bedeutenden Securitykonferenz “Black Hat” abgesagt. Seine Begründung auf Twitter: “Black Hat” wirke auf ihn diskriminierend.

Black and White: Guter Hacker, böser Hacker

“Black Hat”: Ein Terminus für Insider. Hacker werden unterteilt in die Gruppe der “Black Hat” (schwarze Hüte) und “White Hat” (weiße Hüte). Die “White Hat” bewegen sich innerhalb von Gesetzen und Hackerethik, sie nutzen ihre Fähigkeite konstruktiv. Während die “Black Hat” ihre Fähigkeiten außerhalb des gesetzlichen Rahmens einsetzen – vor allem zum eigenen Vorteil, etwa um Daten zu kopieren, sich zu bereichern oder zu spionieren.

Nun flammt eine Diskussion darüber auf, ob diese Begriffe noch verwendet werden dürfen. Da “weiß” für gut steht und “schwarz” für schlecht. Es gibt noch andere Beispiele dafür, etwa “Blacklist” und “Whitelist”: Auf einer “Blacklist” stehen etwa Mail-Adressen, die geblockt werden sollen, da schlecht/schädlich. Auf einer “Whitelist” hingegen Datensätze, die ausdrücklich willkommen sind.

Black Hat oder White Hat? Begriffe stehen in der Kritik; Rechte: WDR/Schieb

Black Hat oder White Hat? Begriffe stehen in der Kritik

Die Diskussion kann man führen – allerdings erscheint sie mir persönlich übertrieben. Denn “schwarz” und “weiß” werden hier nicht im Entferntesten mit der Hautfarbe von Menschen oder Kulturen verbunden. Sondern sie fußen auf alten Traditionen, die eher mit hell (Tag) und dunkel (Nacht) zu tun haben.

Das hat in diesen Fällen eher nichts mit Hautfarbe zu tun – sagen auch die Kritiker. In meinen Augen eine klare Überreaktion. Vielleicht gut gemeint, aber deswegen nicht richtig und gesund.

Master und Slave – oder Primary und Replica?

Aber die Diskussionen gehen weiter. Eigentlich spricht man in der IT von einer “Man-in-the-middle-Attack”, wenn sich ein Hacker oder Betrüger gewissermaßen in einen Datenstrom klinkt und so Daten abgreift oder manipuliert. Eine häufig verwendete Hackmethode.

Auch dieser Begriff steht in der Kritik. Vorschlag: “Person-in-the-middle-Attack”. Es könnte ja auch eine Frau sein, die den Angriff durchführt.

Klar, man könnte künftig von “Person-in-the-middle-attack” sprechen, auch von “Ethical Hacker” und “Unethical Hacker”.

Ein anderes Beispiel sind die Begriffe “Master” und “Slave” in der IT. Der “Master” gibt den Takt vor, hält die Originale (etwa bei Servern), der “Slave” hat zu gehorchen, hält nur Kopien vor. Hier wären meiner Ansicht nach in der Tat andere Begriffe glücklicker, etwa “Primary” und “Replica”. Oder von mir aus “Admiral” und “Cadet”.

Es kommt Bewegung in die Welt der Begriffe.

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Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Farben ergeben bildhafte Assoziationen, welche der Mensch am besten verinnerlichen kann. Und Gegensätze können mit Farben eben auch gut bildhaft dargestellt werden, am besten mit schwarz und weiß. Mit bildhaften Bezeichnungen kann man Fachbegriffe gut verstehen und sich merken. Solche Verständnis- und Gedächtnishilfen als menschlich diskriminierend zu bezeichnen und abschaffen zu wollen, ist einfach nicht praktikabel.

    • @ulrics
      Das stimmt nicht, bevor ich mir Urlaub leisten konnte war ich auffallend weiß, nach etwas Sonne auffallend rot. Aber im Grunde haben Sie recht, es gibt jede Menge Abstufungen die man auch beschreiben könnte aber nur wenn man unverkrampft mit dem Thema umgeht. Zuckt man sofort zusammen wenn die Farbe schwarz im Spiel ist, funktioniert so einiges nicht mehr. Schauen Sie sich mal Täterbeschreibungen in den Presseportalen der Polizei an, entweder gibt es die gar nicht mehr oder sie reichen von unbrauchbar bis lächerlich was die Hautfarbe betrifft. Was dann vom WDR übernommen wird oder nicht ist dann wieder ein Thema für sich. Im Groben könnte man die Hautfarbe von Nordafrika bis Zentralafrika abstufen und irgendwann ist man bei schwarz angelangt. Das ist nicht sehr zuverlässig aber auch nicht ungenauer als ein geschätztes Lebensalter, das fast immer in der Täterbeschreibung auftaucht. Mit Änderung der Sprache und Tabuisierung von Begriffen ändert man nicht die Grundprobleme, schon gar nicht wenn man das auf andere Zusammenhänge ausweitet was hier thematisiert wurde.

  2. Bei der Frage nach der Politischen Korrektheit habe ich schon lange abgeschaltet, es ist mir nicht mal mehr die Mühe wert darüber zu spotten. Auch sehe ich es nicht als Rassismus an, wenn ich bei der Mohrenapotheke einkaufe und wenn man Karnevalsvereine, Kinderlieder oder Süßigkeiten umbenennen muss fehlt mir auch dafür jedes Verständnis, selbst wenn einige Ursprünge zweifelhaft waren.
    Bei den jeweiligen realen Kernprobleme lenkt Wort-Akrobatik eher ab als das es hilfreich wäre, zum Teil wird es damit sogar unfreiwillig ins Lächerliche gezogen. Es führt zu einer zusätzlichen sprachlichen Mauer in der Filterblase. Man kann auch schlecht diskutieren wenn man nicht mehr die gleiche Sprache spricht weil Begriffe von einer Seite umgedeutet werden.

  3. Inglaterra am

    Auf den Kontext kommt es an! Darauf muss man sich besinnen, da sonst jegliche Kommunikation in linguistischen Spitzfindigkeiten untergeht. Wenn beim Schachspiel Weiss anfangen darf, dann ist das halt eine Konvention – und es ist unwahrscheinlich, dass sich die Erfinder des Schachspiels dabei ueber Hautfarben Gedanken gemacht haben. Ich habe das Gefuehl, dass manche Menschen verlernt haben, sachorientiert zu denken und anstelledessen Formalismen hinterhereilen. Bevorzugt eine Personalabteilung weisse vor schwarzen Menschen, dann ist das Diskriminierung. Beim Schachspiel ist es das eben nicht. Der Unterschied sollte doch eigentlich im Glibber des obligat Trivialen untergehen.

  4. Ist das Problem nicht eher, dass Menschen als schwarz und weiß bezeichnet werden?

    Es geht doch um den Menschen, nicht um andere Dinge.

  5. Wann fangen eigentlich die Veganer an, gegen den Begriff ‘Bugs’ zu protestieren? Der Begriff diskriminiert eine ganze Tierordnung! Man kann es auch übertreiben … Wenn man etwas bewegen will, muss man mehr hinterfragen als nur ein paar Begriffe

  6. Erinnert mich irgendwie an “Des Kaisers neue Kleider”.
    Wir fallen wieder zurück in’s Mittelalter. Was für Idioten, die so etwas verlangen.

  7. elfriede bär am

    Sorry, alles hat seine grenzen. Wenn man soweit geht kann sich bei jedem Begriff irgendjemand angegriffen fühlen. “Maus” beim Computer.. Herr Maus fühlt sich diskriminiert. “Kalter Hund” Herr Hund fühlt sich diskriminiert.

    “black and white” dürfte nicht mehr verwendet werden. die farbe schwarz dürfte nicht mehr mit dem tod und bestattern assoziiert werden. die farbe weiß dürfte nicht für frieden stehen. jegliche redewendung müsste gestrichen werden. im endeffekt müssts man auf eine neutrale beamtensprache ausweichen.

    mir ist bei “white hat” und “black hat” noch nie in den sinn gekommen dies mit der hautfarbe von menschen zu verbinden, geschweige denn zu denken die “weißen” menschen stehen für frieden und die schwarzen für bösartig.

    es wird nie vollkommene gerechtigkeit geben. man sollte sich fragen: welche menschen forcieren den hass? narzissten? psychopathen? 1-2% der bevölkerung. in unternehmensetagen ca 5 -6 prozent oder mehr. da sollte mal durchgekehrt werden.

  8. Bei all dem nicht vergessen, das Personen und Unternehmen, die im Rampenlicht stehen oder stehen möchten, gerne Provokantes von sich geben, da dies für Leser interessant erscheint und somit die Medien (inkl. soziale) so etwas schnell aufgreifen.
    Von daher sollte man ganz entspannt bleiben, wenn Diskussionen zu sehr in Extreme abgleiten.

  9. Alle Farben in adjektivischer Nutzung sofort verbieten! “Red Alert / Alarmstufe Rot” könnte die Indianer beleidigen, “Yellow Cab” die Asiaten, wer gar noch das Kinderspiel “Schwarzer Peter” spielt, ist sowieso ein Rassist und wer, statt betrunken, “Ich bin blau!” sagt, könnte gar die gebeutelten Schlümpfe beleidigen.
    Die “Eskimorolle” der Kajakfahrer sollte auch unbedingt umbenannt werden. Mein Neid gilt den Zebras und Pandas; hier hat die evolutionäre Genetik neopolitisch absolut korrekt reagiert. Sorry, manche haben echt viel zu viel Tagesfreizeit. Man (m/w/d/b für bekloppt) kann auch alles übertreiben.

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