Das E-Rezept kommt

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Das E-Rezept kommt

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Wenn Ärzte ein Medikament verschreiben, dann greifen sie zum Rezept-Block und notieren Wirkstoffe und Präparate darauf – und unterschreiben oft mit einer kaum zu identifizierenden Unterschrift. So war das vor 100 Jahren – und so ist es heute im Prinzip auch noch.

Doch jetzt kommt das digitale Rezept, E-Rezept genannt. Zunächst als Testbetrieb in Berlin und Brandenburg (mit 50 Arztpraxen und 120 Apotheken), schon bald aber im ganzen Land.

Eine eigene App für E-Rezepte; Rechte: WDR/Schieb

Pilotprojekt gestartet: Eine eigene App für E-Rezepte

Spezielle App für E-Rezepte

Seit ein paar Tagen steht die offizielle E-Rezepte-App für iOS und Android im App-Store zum Download bereit. Wenn der Arzt ein digitales Rezept ausstellt, erzeugt er einen QR-Code – so ähnlich wie bei den Impfzertifikaten – und der Patient scannt den QR-Code mit seinem Smartphone, mit der E-Rezept-App. Dann ist das Rezept im Smartphone – und der Patient kann sich entscheiden, zu welcher Apotheke er damit geht.

In der Apotheke scannen die Mitarbeiter den QR-Code im Handy – und können dann die Medikamente herausgeben. Praktisch: Direkt in der App lässt sich eine Apotheke kontaktieren – und das Rezept übertragen. Die kann die Medikamente besorgen – und wenn alles bereit liegt, holt der Patient seine Medikamente ab. Das spart Zeit und Wege. Auch die Abrechnung mit den Krankenkassen wird so einfacher.

Für alle, die einwenden, ich habe aber gar kein Smartphone: Es soll auch möglich sein, den QR-Code in der Praxis auszudrucken und den Ausdruck in den Apotheken vorzulegen. Zumindest für eine Übergangszeit.

Rezepte lassen sich auch an Vertrauenspersonen weitergeben; Rechte: WDR/Schieb

Rezepte lassen sich auch an Vertrauenspersonen weitergeben

E-Rezept lässt sich vorab an Apotheke schicken

Das klingt nach einem echten Fortschritt. Das digitale Rezept lässt sich auch an eine Vertrauensperson weitergeben, um die Medikamente abzuholen. Selbst das Erstellen von Rezepten in einer Video-Sprechstunde ist möglich.

Kommen wir aber zum Thema Sicherheit – bei medizinischen Themen nun mal nicht unwichtig. Das Bundesgesundheitsministerium verspricht sich durch das E-Rezept eine höhere Arzneimittelsicherheit, weil sich so eingenommene Medikamente mit Blick auf Neben- und Wechselwirkungen leichter überprüfen lassen.

Sicherheit: Mehr Maßnahmen gegen Hackangriffe nötig

Bedeutet aber ja auch: Die Rezepte bleiben gespeichert und einsehbar. Deshalb verlangt das BSI (Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik), dass die App noch nachgebessert wird. Sie soll einen warnen, wenn man auf dem Smartphone auf PIN oder Fingerabdruck-Scan verzichtet – weil dann die Rezepte mehr oder weniger ungeschützt einsehbar sind.

Im Januar 2022 soll es für alle kommen, das E-Rezept. Bis dahin sollte sich die Regierung aber auch Konzepte überlegen, damit die Menschen Vertrauen in die digitale Speicherung bekommen. Denn die andauernden Hackangriffe auf Behörden, Krankenhäuser, Kliniken und Einrichtungen machen keinen Mut. Wer digitale Projekte voranbringen will und so uns alle angreifbarer macht, muss auch wissen, wie die sensiblen Daten optimal zu schützen sind.

https://vimeo.com/571630053

So funktioniert das E-Rezept

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Carsten Mohr am

    Und wieder eine Chance, es besser zu machen, vertan. Warum muß ich immer noch bei der Apotheke vorstellig werden? Doc Morris und Co. machen es ja schon lange vor. Das Rezept wird bei denen natürlich als eine Bestellung erfaßt und eventuelle Wechselwirkungen mit den Herstellerangaben automatisch abgeglichen. Also ist das schonmal kein Grund, sich der „Apotheke“ anzuvertrauen. Dann die mögliche Gefahr, jemand anderes könnte an die Medikamente gelangen, die nicht für ihn bestimmt seien. Wer, außer der, der akuto oder chronisch krank ist, nimmt diese Medikamente, bei denen mitunter Haarausfall, Übelkeit, Magenbluten, Gerinsel etc. entstehen könnten? Ein Selbstmörder greift zum guten Solinger Messer oder dem Klassiker, den Schlaftabletten.
    Kann der Arzt nicht das Rezept meiner elekt. Patientenakte hinzufügen, ich kontaktiere den Apotheker meiner Wahl (im Internet, in Hamburg oder wo auch sonst) und lasse es mir dann zuschicken und meine Krankenkasse spart durch zusätzliche Rabatte (ich weiß, Rabattsysteme sind in dem Bereich auch nicht unproblematisch).
    Um eine oder zwei Arztpraxen herum gibt es immer nur einen Steinwurf weit entfernt Apotheken. Brauchen wir so viele? Warum brauchen wir soviele Ärzte? Und, warum darf ein Heilpraktiker mit einem 30-Stündigen Kurs fast soviel wie ein fast ein Jahrzehnt lang ausgebildeter Mediziner?
    Ich muß regelmäßig zum Arzt, dort bekomme ich meine Dauermedikamente als Rezept, dann zur Apotheke, dort wieder nur die Hälfte da. Ja, bringt man mir Abends nach Hasue, was fehlte. Und der Schüler verdient sich auch noch, zu Recht, einen kleinen Euro dazu.
    Diese Form der Digitalisierung ist absoluter Schwachsinn und kaschiert nur die Probleme. Es mal richtg anzupacken, mit richtigen Fachleuten, daran fehlt es.
    Aber, Baerbock und Co. werden das schon richten…leider werde ich wohl öfter wieder krank, denn auf das im Hühnerfleisch enthaltene Antibiotikum, das mich bislang schützte, muß ich dann verzichten ;-)

    • Schon mal in die App geschaut? man kann auch die Versandapo seiner Wahl für die Einlösung des E-Rezept angeben. Ich bevorzuge die vor Ort aus Umweltgründen (Zustellfahrzeuge!).

    • >> Brauchen wir so viele Apotheken?

      Brauchen, hm, weiß ich nicht, gefühlt „nein“. Wirtschaftlich scheint es sich zu lohnen. Apotheken sind einer der wenigen „Läden“, welchen der Online-Handel bis dato nicht zugesetzt hat. Wer sich nicht daran stört, dass der Einzelhandel verschwindet, der braucht auch keine Apotheken. Das ließe sich durch das E-Rezept, Videoanrufe etc. vollkommen digital erledigen.

      >> Brauchen wir so viele Ärzte?

      Wer monatelang auf einen Termin wartet, wer auf dem Land ein paar zehn Km fahren muss, der wird wohl eine andere Antwort finden, als urbane privatversicherte Menschen.

      >>Diese Form der Digitalisierung ist absoluter Schwachsinn und kaschiert nur die Probleme

      Es gibt nicht den heiligen Gral der Digitalisierung. Manches wird verbessert, andernortens entstehen neue Probleme. Dazu ist das ganze ein Prozess, welcher sich Stück für Stück entwickelt, nach dem Prinzip zwei Schritte vor, einer zurück. Und nicht jeder Mensch ist gleich, was der eine als Schwachsinn sieht, empfindet der andere als Segen.

      • Carsten Mohr am

        Sollte der Prozess tatsächlich Vorteile für den Patienten bringen, bin ich gerne dabei und sehe dann weniger die Nach- als die Vorteile.

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