Das große Impfen: Wie wär’s mit einer App?

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Das große Impfen: Wie wär’s mit einer App?

Kommentare zum Artikel: 22

„Das Licht am Ende des Tunnels“: So haben viele Politiker die Impfaktion in den Impfzentren genannt. Ziel muss sein, möglichst viele impfbereite Menschen schnellstmöglich zu impfen. Doch es gibt nicht nur ständig Hiobsbotschaften, was die Lieferbarkeit der Impfstoffe anbelangt – sondern auch jede Menge Schwierigkeiten und unnötige Hürden bei der Vergabe der Impftermine.

Nicht erreichbar und schlecht gemacht

Streckenweise war die offizielle Webseite nicht erreichbar. Das ist mir völlig unverständlich. Denn wer auf Cloud-Dienste zurückgreift (sogenannte „Content Delivery Networks“), kann wenigstens die Erreichbarkeit der Startseite („Landing Page“) bequem sicherstellen. Selbst wenn eine Million Menschen gleichzeitig darauf zugreifen, gibt es dann kein Problem.

Auch der grundsätzliche Aufbau der Seite wirkt wenig überzeugend. Pro E-Mail-Adresse ist nur ein Termin möglich. Warum können Ehepaare keinen gemeinsamen Termin buchen? Warum können die Tochter oder der Sohn nicht mit ihrer Mail-Adresse für die Eltern einen Termin buchen? Wo waren die Entwickler und die Auftraggeber mit ihren Gedanken?

Die Webseite hatte erhebliche Schwächen; Rechte: WDR/Schieb

Die Webseite hat erhebliche Schwächen

Digitalisierung? – Och nö …

Und überhaupt: Jeder, der seine Lebensmittel oder Getränke online ordert oder beim Arzt einen Onlinetermin buchen will, bekommt heute mehr Transparenz und Komfort geboten. Es ist zermürbend und frustrierend, wie schlecht es um die Digitalisierung in Deutschland bestellt ist.

Ideal wäre eine Impf-App, die folgende Informationen vermittelt: Wo stehe ich in der Prioritätenliste? Wo ist das nächste Impfzentrum? Wann kann ich mich impfen lassen? Und wenn das Impfzentrum Leerlaufzeiten hat, etwa durch Absage eines Termins, könnten Nutzer im Last-Minute-Prinzip die Lücken füllen.

So eine Impf-App könnte auch automatisch den Recall machen: Die zweite Impfung genau dann, wenn der Impfstoff verfügbar und der optimale Zeitpunkt ist.

Doch um es wirklich gut zu machen, ist es zu spät, wir haben zu viel Zeit verloren. Stattdessen haben wir nun eine Webseite, die nicht richtig funktioniert.

Eine komfortable App wäre die viel bessere Lösung; Rechte: WDR/Schieb

Eine komfortable App wäre die viel bessere Lösung – gewesen

Das Problem ist schon lange klar

Jens Spahn, wie erklären Sie dieses Drama? Seit Monaten weiß der Bundesgesundheitsminister, dass eine große Impfaktion kommen wird. Die Verantwortlichen hätten schon vor Monaten mit der Entwicklung einer App beginnen können – die nicht einmal viel kosten muss, wenn man ein Startup beauftragt anstatt Telekom und SAP.

Ich kenne die Argumente: Der Bund besorgt die Impfdosen (was nicht gut klappt). Und die Länder sind für die Impfung zuständig (was auch nicht gut klappt). Föderalismus als Bremse also? – Das Argument zieht nicht, denn die Probleme sind längst bekannt.

Auf das Potenzial und die Vorzüge der Digitalisierung hat das Bundesgesundheitsministerium weitgehend verzichtet.

Wann geht es endlich voran mit der Digitalisierung im Gesundheitssektor?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

22 Kommentare

  1. Ob App oder nicht. Was meiner Meinung nach zu wenig diskutiert wird, ist die durch die Hintertür eingeführte Impfpflicht. Restaurant, Reisen nur für Geimpfte usw. – egal aus welchen Gründen man sich nicht impfen lässt.

  2. Stefan Kunzel am

    Wir brauchen weder eine Impfung die uns eh nur krank macht oder das Leben nimmt noch so eine bescheuerte app. Leute wacht mal auf und zählt eins und eins zusammen. Die Leute werden in den Heimen geimpft und sterben aber das hat natürlich nichts mit dem Impfstoff zutun. Hallo aufwachen ihrSchlafschafe

    • Carsten Mohr am

      Was bist Du denn für einer? Tut mir Leid, habe ich kein Verständnis.
      Gehe mal ins Krankenhaus auf eine Station mit den Erkrankten, dann redest Du nicht mehr diesen Stuss.

    • Aus Einzelereignissen ohne Gesamtkontext systematische Erkenntnisse schließen zu wollen ist ein Fehler der gerne gemacht wird. So auch im obigen Kommentar von Hr. Kunzel.

  3. Ich versuche seit einiger Zeit online einen Termin für die Schwiegermutter meines Bruders zu bekommen. Wenn ich es auf die Seite schaffe, werden mir dort „verfügbare Termine“ angezeigt. Ich klicke diese der Reihe nach alle (!) an und siehe da: „Der Termin wurde bereits gebucht“ – bei allen Terminen! Ich lade eine halbe Stunde die Seite neu und dort stehen immer noch dieselben Termine, immer noch alle „schon gebucht“. Was soll das? Verarschen kann ich mich alleine!

    • Hey, das funktioniert genauso gut wie meine Zulassungsstelle! Dort muss man auch jeden einzelnen Tag für jeden einzelnen Schalter anklicken. Um dann zu sehen, dass man nichts sieht. (Und das in einer Landeshauptstadt. Die vorherige, sozusagen Provinzstadt, hat das wesentlich besser im Griff bzw. braucht erst gar keine Termine…)
      Ob die da dieselbe Software nutzen? Ist ja bestimmt noch keine 20 Jahre alt… aber war dann wenigstens billig in der Anschaffung, weil schon da (nur will ich nicht wissen, was die Anpassung kostet, wenn sich keiner mehr wirklich auskennt).

    • Gisbert Soldat am

      Ich sollte den Termin für meine 93 jährige Mutter buchen, auf der Internetseite sind die vorgeschlagenen Termine immer schon belegt und jetzt habe ich beim Neuversuch keine Berechtigung mehr 😭
      Wenn man per Telefon endlich mal durchkommt …..
      „Sie gehören nicht zur berechtigten Altersgruppe“ und das Gespräch wird durch den Automaten beendet😡
      So braucht man weniger Impfstoffe 🤔😁😁😁

    • Udo Saß am

      Warum gibt es keine Konsequenzen aus diesem Fehlern? Warum müssen die Verantwortlichen der furchtbaren Schul-digitalisierung die so wie sie ist als nicht existent bezeichnet werden kann, nicht dafür mit ihrem Namen gerade stehen? Ebenso die Verantwortlichen der Impftermin Katastrophe? Jeder mit dem ich darüber vor einem halben Jahr gesprochen habe, sagte das in der Art voraus. Mit Ideen und Konzepten was reingehört, wie die Mindestanforderungen sein müssen usw. Ist aber keiner davon im öffentlichen Dienst oder bei den Firmen die das verbrochen haben.

    • Ralf Klein am

      Tag
      Genau mein Problem! Wie groß werden die Probleme wenn die Impfbereitschaft noch größer wäre oder wird? Eine App? Herr Schieb wie wäre es mit einer App zur Termin Vergabe auch bei Ärzten und Behörden und so weiter. Eine App für alle Termine. Gibt es die schon? Wenn nicht schreiben zu doch bitte eine. Bei Hello world sind meine Programmierkenntnisse zu Ende.

  4. Johann Moritz am

    Noch eine App, die dann wieder so gut (bzw. schlecht) funktioniert, wie NINA, die Corona-Warn-App und alle ihre Kollegen? Nein Danke. Auch eine Web-App hätte man gut machen können, und dazu universell benutzbar auf allen Geräten. Aber man hat es offenbar nicht mal geschafft, angefragte Termine zu reservieren, sondern sich darauf verlassen, daß es da keine race conditions gibt – bei 1000000 gleichzeitig anfragenden Kunden sehr blauäugig. Hat man wohl nur mit drei Leuten gleichzeitig getestet und für ausreichend befunden. Diesen Mangel an Softwarequalität und Ressourcen ist man als Vater von Schulkindern derzeit aber gewohnt – auch die Lernplattformen brechen regelmäßig ein, wenn zu viele gleichzeitig drauf arbeiten wollen / müssen.

    Das wird noch ein langer Lockdown, ohne Vakzin, und ohne buchbare Impftermine.

  5. Ralf Klein am

    Hallo
    Das die Seite zusammenbricht war mir vorher klar. Ohne technischen Hintergrund zu haben. Habe vorher einen kurzen Blick darauf geworfen. Da ist mir das mit der E-Mail direkt aufgefallen. Welche ist überhaupt gemeint? Meine oder die meiner Mutter? Das bei Ü80 und Mail oder App halte ich für etwas optimistisch. Für jüngere OK. Scheint auch ein Widerspruch bei der Vergabe der Zweittermine zu geben. Online gibt es nur einen Ersttermin bei sofortigen Zweittermin Vereinbarung.Bzw. der erste ohne zweiten evtl. verweigert wird. In den Unterlagen per Brief steht anscheinend das beim ersten Termin der zweite vergeben wird. Gute Anleitungen sind mittlerweile auch Mangelware. Hatte Minister Laumann nicht gesagt: Kinder oder Enkel möchten bei der Anmeldung helfen. Nur wie? Die NRW Seite ist mir auch etwas zu knapp mit Info’s. FAQ wie oft nicht das was man sucht. Telefon, Internet, App ist nicht das entscheidenden, sondern wie es gemacht ist. Digital ist nicht automatisch besser.

    OT:Ein Handbuch für Software/Dinge oft Fehlanzeige. Video gut und schön, aber bitte nur zusätzlich. Verweis auf Online Hilfe bei Frage nach einen Handbuch üblich. Support outgesourct? Vermutlich nach Indien. Nach den letzten Pisa Studien meinen anscheinend viele lesen und schreiben kann kaum noch jemand in D. Oder wo ist das Problem? Zu teuer, zu bequem?

  6. K.Kaiser am

    Hallo Herr Schieb,
    ich sehe wie Sie. Was sich da derzeit tut war und ist ein Fehlschlag mit Ansage. Aber wie sagte Frau Merkel 2013 noch „wir müssen das mit dem Internet erst noch lernen“. Wie es scheint ist der Lernprozess in Bund und Ländern noch nicht vorbei. Traurig.

  7. Momentan „leiden“ ja gerade die älteren Mitbürger unter dem Impf-Chaos und die haben nur selten ein Smartphone. Spontan hätte ich eine alphabetische Verteilung im Rahmen derselben Gruppe besser gefunden. Dann freut sich Herr Abel und Frau Zyster weiß zumindest, dass es noch ein wenig dauern wird, bis sie dran kommt.

    • Nun, die Älteren sind wichtig – aber nicht allein. Wir müssen ja ALLE impfen. Ich sage ja nicht, dass eine App alleine angeboten werden sollte. Aber es wäre eine super Alternative. Für Ältere könnte man immer noch eine Hotline anbieten, die das dann über die App regeln. Es gäbe intelligente Lösungen – nur sehen wir davon leider nichts.

  8. Carsten Mohr am

    Sehr geehrter Herr Schieb,
    hier könnten Sie als Redakteur einer der wichtigsten Institutionen unseres Landes die betreffenden Herren schärfer in die Zange nehmen und ihnen konkret das Versagen minutiös aufzählen. Denn Sie haben recht mit allem, was Sie aufgeführt haben. Grundlegende Dinge funktionieren nicht. Und das ist inakzeptabel.
    Bohren Sie nach, machen Sie sich „unbeliebt“ und kritisieren durch die richtigen Fragestellungen an die richtigen Adressen. Ich drücke Ihnen die Daumen.
    Und nein, ich gehöre nicht zu den Nörglern, wie Sie auch nicht. Nur so(!) kann man das nicht machen. Dafür ist die Situation zu ernst.

    • Hans-Jürgen Kraatz am

      In den nächsten drei Monaten ab Februar werden nur die 90-80-70 jährigen geimpft, die können mit einer App nix anfangen. Die Corona App zeigt zudem, das von der Regierung nix brauchbares kommt. Eine Diskussion darüber ist also verfrüht….

      • Hans Otto Schönwald am

        Moin Herr Kraatz,
        bin kurz vor dem Siebzigsten, Rechner, Tablets und Mobiltelefon
        inklusive Programme und Apps werden fleißig von mir genutzt.
        Glaube in meiner altersgruppe , und älter sind es doch recht viele.
        mit freundlichen grüßen

    • W.J.Hardt am

      Hab eben was bei Heise gefunden: Hamburg hat die Vergabe der KV weggenommen, Eventim hat übernommen.
      Die hatten schon analoge Aufträge aus Österreich und Brasilien.

      Das passt.

      • Passt wirklich.
        Die haben momentan eh nicht viel zu tun, solange keine Events stattfinden dürfen – und wenn solche Firmen lieber für staatliche Aufträge bezahlt werden anstatt die Milliarden ohne Gegenleistung zu erhalten, haben alle was davon.
        (Aber Korrektur: es war Schleswig-Holstein.)

        • Carsten Mohr am

          Haben die nicht bei der Maut schon dick abkassiert bzw. kommen mit der dicken Klage gegen „Super Andy“?

    • Adolf Petermann am

      PS Seit gestern 25.1. bis jetzt 26.1. versuche ich telefonisch oder online einen Impftermine zu bekommen der mir zusteht dazu wurde ich angeschrieben, aber es ist bisher vergeblich. Ich bin 90 Jahre alt und alleinstehend

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