Das iPhone X zerbröselt … ein Streitgespräch

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Das iPhone X zerbröselt … ein Streitgespräch

Kommentare zum Artikel: 7

Jörg: Mit Anschaffungspreisen von bis zu 1.319 EUR ist das neue iPhone X das mit Abstand teuerste iPhone aller Zeiten. Wie blöd, dass es leichter zu Bruch geht als die Vorgänger. Das haben nicht nur die üblichen Ich-schmeiß-das-Luxushandy-mal-auf-den-Boden-Tester herausgefunden, sondern auch die über jeden Zweifel erhabenen Tester der Stiftung Warentest. Die Stiftung spricht vom „zerbrechlichsten iPhone aller Zeiten“. Warum? Weil nicht nur die Vorderseite, sondern auch die Rückseite des iPhone X aus Glas besteht. Bei einem Sturz geht das ganz leicht kaputt. Vor allem auf der Rückseite. Kostet dann schnell 500 EUR und mehr an Reparatur. Ist doch ein Skandal.

iPhone XVorsicht – zerbrechlich: Das neue iPhone X zerbricht leichter als jedes andere Smartphone

Drahtlos aufladen – und deswegen leichter zerstörbar?

Dennis: Das kann ärgerlich sein, wenn es kracht. Aber ein Skandal? Nein. Die Rückseite des iPhone X ist aus gutem Grund aus Glas. Nicht, damit es besser aussieht – darüber kann man sich streiten. Erstens liegt eine Rückseite aus Glas rutschfester in der Hand, als es bei den bisherigen Gehäusen der Fall war. Zweitens argumentiert Apple, dass es ein besseres drahtloses Laden ermöglichst. Das ist doch was: AirPods und iPhone X auf die Ladematte werfen – und, booom, schon werden die Geräte geladen. Ohne Stöpseln und Kabeln.

Jörg: Im Ernst? Das begeistert Dich? Die Idee ist ja auch wunderbar. Hat sich bei anderen Modellen durchaus schon bewährt. Doch wenn es Apple so wichtig wäre, das mit dem drahtlosen Aufladen, warum gibt es dann zwar Ladestationen von Ikea – aber nicht von Apple? Das ist doch wohl ein Witz: Qi-Ladetechnik einführen – aber keine eigene Ladestation im Angebot. So richtig ernst scheint es Apple doch nicht wirklich zu meinen, sonst gäbe es vom Start weg eine Qi-Ladestation mit Apple-Logo.

Dennis: Apple kommt ja noch mit einer eigenen Ladestation – und es gibt jetzt schon diverse Anbieter. Sonst beschweren sich immer alle, dass Apple uns Nutzer in sein Ökosystem zwingt, und jetzt soll es ein Problem sein, dass Apple mit Qi einen Standard unterstützt, aber noch keine eigene Ladematte im Angebot hat? Und abgesehen davon: Ich nehme es gerne in Kauf, mit meinem Smartphone etwas vorsichtiger sein zu müssen, wenn ich das Gerät dafür drahtlos aufladen kann. Ich gehe mit meinen Smartphones sowieso sehr sorgsam um, die fallen nicht runter – schließlich kosten sie viel Geld und sind meine wichtigsten Begleiter im Alltag. Ohne Schutzhülle geht da schon einmal gar nichts.

Dennis findet es nicht tragisch, dass iPhone X schneller zerbrechen können

Eine Schutzhülle ist Pflicht

Jörg: Das stimmt: Eine Schutzhülle ist mehr denn je Pflicht. Hätte Apple da nicht gleich serienmäßig eine beilegen oder mehrere zur Auswahl stellen können? So wie zumindest für kurze Zeit die Adapter, als die Kopfhörerbuchse weggelassen wurde? Ich finde: Wenn Apple sich schon für Glas für die Rückseite entscheidet, das nun mal leichter bricht als anderes Material, dann muss auch für ein Maximum an Schutz gesorgt werden. Das scheint offensichtlich nicht der Fall zu sein, wie viele Tests bereits zeigen. Die neuen iPhone-Modelle sind zerbrechlicher denn je. Man muss fast den Eindruck haben, das Zusatzgeschäft sei willkommen – denn die Reparaturkosten für iPhone 8 und iPhone X liegen in preislichen Regionen, da kaufen andere neue Smartphones für. Apple scheint sich zu freuen auf möglichst viele Schäden.

Dennis: Das kann man so sehen. Man kann aber auch sagen: Reparaturen waren bei Apple noch nie günstig, denn dafür muss sauber und vorsichtig gearbeitet werden – schließlich sprechen wir über Geräte, die so verbaut sind, dass ein einfacher Schraubenzieher für eine Reparatur schon lange nicht mehr reicht. Wer 1.300 EUR für ein Smartphone ausgibt, kann eben nicht damit rechnen, dass eine Reparatur für 50 EUR zu haben ist. Und sollte lieber noch ein paar Euro mehr für eine hochwertige Schutzhülle hinblättern. Wer dann noch gut aufpasst, dem sollte nichts passieren. Mir scheint die Diskussion über die Rückseite aus Glas etwas aufgebauscht – und wir kennen sie von jeder einzelnen neuen iPhone-Generation: erst Antennagate, dann Bendgate, jetzt Glasgate. Skandalwellen gehören dazu, es geht mit Apple und dem iPhone ja auch um einen Konzern und ein Produkt, die extrem polarisieren. Die Gemüter werden sich schon wieder abkühlen.

Jörg Schieb testet seit Jahrzehnten Geräte – und stört sich an der Zerbrechlichkeit des iPhone X

Jörg: Aber Apple könnte seine Geräte doch wenigstens so konzipieren, dass man nicht gezwungen ist, bei Apple zu reparieren, sondern auch bei Drittanbietern reparieren lassen könnte. Doch das verhindert Apple mit seiner eigenwilligen Bauart. Es ist praktisch unmöglich, ein defektes Teil in einer günstigen Werkstatt reparieren zu lassen.

Dennis: Das stimmt. Apple setzt auf Qualität und überlässt in der Produktionskette nichts dem Zufall – und das gilt auch für den Fall, dass eine Werkstatt nötig ist. Lass uns doch einmal sehen, lieber Jörg, ob wirklich so viele iPhones zerbrechen, wie Kritiker und Skeptiker gerade befürchten. Ich denke, es wird sich im Rahmen halten. Du wirst sehen.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Sehr informativ. Bin seit Jahren iPhone Besitzer und Fan!! Bis dato musste mein iPhone lediglich ein einziges Mal in die Handy Reparatur, daher erstaunt es mich, dass das neue so sensibel sein soll.

  2. Bei Smartphones wie dem iPhone X wird ja nicht irgendein Glas verbaut, sondern extrem stabiles.

    Ich habe mir vor Kurzem ein neues Handy gekauft und davor über sieben Jahre lang(!) ein iPhone 4 genutzt, dessen Vorder- und Rückseite ebenfalls aus Glas sind. Eine Hülle dafür habe ich nie besessen und im Laufe der Jahre ist mir das Ding etliche Male heruntergefallen – häufig auch auf harten Betonboden. Passiert ist genau – gar nichts. Da das Glas des X eher noch besser und härter sein dürfte als das des 4, würde ich mir da überhaupt keine Sorgen machen.

    • Wenn es extrem stabiles Glas verwendet werden würde, käme es erst zu gar keinem Bruch; es gibt Glas, das mit herkömmlichen Werkzeugen nicht einmal geschnitten werden kann geschweige denn bricht. Es handelt sich dabei um ein Sicherheitsglas, das nicht viel dicker ist als eine einzelne, völlig normale Glasscheibe ist. Damit könnte man das Handy mit Wucht an eine Wand werfen und dem Glas würde nicht das geringste passieren . Das ist ein Spezialglas, das z.B. für den Schutz von Ausstellungsstücken in Museen oder Sicherheitsverglasung für besonders zu sichernde Räume, Geschäfte usw. verwendet werden. Es wäre also tatsächlich möglich ein Glasgehäuse herzustellen, das nicht zerbricht – man könnte sogar mit einem Auto darüber fahren. Das man das bei einem Handy für 1300,- € nicht macht, zeigt doch mehr als genau, das man bei Apple nicht an Handys interessiert ist, die so jedenfalls keinen Schaden nehmen können. Und noch eines: Wenn ein Handy auf einen Betonboden fällt – und das sogar mehrfach – ist das Glas an der Front ganz sicher kaputt und hat sich in Kandis verwandelt.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Die beiden haben in Wahrheit gar keinen Streit:
    Beide Smartphoneanbeter tanzen gleichermaßen um ihren Götzen herum wie Aaron und die Israeliten um das Goldene Kalb.
    Man kann nur hoffen, daß ein neuer Moses erscheint und das neue Goldene Kalb ins Feuer wirft….

  4. Ich kann die Aufregung nicht verstehen! Wer sein Handy öfters fallen lässt, der hat eh eine entsprechend geeignete Hülle. Mir ist in 5 Jahren EIN MAL ein Handy runtergefallen, wo ich auch noch selber Schuld war, weil ich über den Durst getrunken hatte.
    Wir sprechen hier über komplizierte und komprimierte Spitzentechnik in einem Keinstgerät! Da kann man nicht ernsthaft erwarten, dass die Geräte robuster sind.

    • Wer sein Handy öfter mal fallen lässt, hat offenbar ein anderes Problem… Wenn die „Innereien“ anständig hergestellt wurden, passiert daran nicht das geringste – es passiert nur dann etwas an den Platinen usw., wenn es gewollt ist das die Geräte nicht ewig halten. So ist das mittlerweile seit über 30 Jahren schon mit Elektrogeräten; wo früher die Miele Waschmaschine 25-30 Jahre ohne jeglichen Schaden ihren Dienst tat, überleben die Geräte vielleicht 1 Monat mehr als die Garantiedauer. Im inneren werden nämlich Bauteile verwendet, die in der „richtigen“ Kontruktionsweise , so z.B. Kunststoffe die nach einer bestimmten Zeit spröde werden und brechen.
      Und so macht man es eben auch bei teuren Smartfones, denn man will doch ständig wieder neue verkaufen. Alte Barrenhandys z.B. konnten ruhig mal runterfallen, das hat denen nicht das geringste ausgemacht, doch wenn es wirklich mal zu einem Schaden kam, war es mit 20,-DM /Euro erledigt.

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