Das Vertical Video Syndrome: Alles hochkant, oder was?

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Das Vertical Video Syndrome: Alles hochkant, oder was?

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Hochkant statt Querformat: Das sogenannte Vertical Video erfreut sich zunehmender Popularität. Gerade erst hat Instagram den neuen Dienst Instagram-TV (IGTV) gestartet, hier gibt es ausschließlich hochkante Videos zu sehen. Begründung: Jugendliche schauten vor allem auf dem Smartphone Videos – und die seien nun mal meist hochkant im Einsatz. Für alle, die hochformatige Videos nicht sonderlich mögen (und ich zähle mich eindeutig dazu!), also keine gute Entwicklung.

IGTV setzt voll auf Vertical Video; Rechte: dpa/Picture Alliance

IGTV setzt voll auf Vertical Video

Vertical Video Syndrome (VVS)

Manche sprechen bereits (ironisch) vom “Vertical Video Syndrome”, wie hier auf der gleichnamigen Webseite. Weil sich die hochkanten Videos wie ein Virus verbreiten und mehr Nach- als Vorteile mit sich bringen. Denn – mal ehrlich: Wieso gibt es Vertical Videos überhaupt? Kinofilme sind im Querformat (Landscape). Fernsehen sendet im Querformat – seit einigen Jahren sogar im besonders queren 16:9-Format. YouTube ist so gestartet. Displays im Auto sind quer.

Und warum das alles? Weil wir Menschen nun mal so die Welt sehen. Quer, nicht noch. Das ist eine anatomische Gewissheit… Der einzige Grund, wieso es überhaupt Vertical Videos gibt: Wer mit dem Smartphone in der Hand dreht, muss sich nicht anstrengen und beide Hände benutzen. Es reicht eine Hand. Vertical Videos sind also bequemer.

https://vimeo.com/277022419

Das Hochformat wird immer beliebter: IGTV setzt voll darauf

Vertical Videos ruinieren jede Ästhetik

Es sind also meiner Meinung nach keine vernünftigen und schon gar keine guten Gründe, wieso es überhaupt hochkantige Videos gibt. Sollen Faulheit und Bequemlichkeit unsere Sehgewohnheiten bestimmen? Bitte nicht! Klar: Vertical Videos passen besser in die Welt von Instagram, da man sich und andere so viel besser in Szene setzen kann. Im hochkanten Video sieht man sich und andere von Kopf bis Fuß (“Bin ich nicht schön?”). Kein Platz für die Welt daneben und drumherum. Bildausschnitt wählen? Tiefenschärfe? Alles unnötig.

Ich finde: Vertical Videos sind keine Laune. Sie ruinieren die Ästhetik – und unsere Sehgewohnheiten.

https://www.youtube.com/watch?v=Bt9zSfinwFA

Ironisch gesehen: Das “Vertical Video Syndrome”

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Wolfgang Klein am

    Warum bauen die Hersteller der Smartphones keine Aufnahmesperre in das Gerät, die kein Filmen im Hochkantformat zulässt? Oder warum nicht gleich den Videochip so programmieren, daß er immer im Querformat film, egal, wie das Gerät gehalten wird.

    Was beim Fotografieren je nach Situation und Bildmotiv sinnvoll ist, sieht beim Filmen einfach nur sch***e aus.

    Und, lieber Herr Schieb, so sehr ich Ihre Meinung über diese Unart teile, so sehr sollten Sie aber auch Ihrem eigenen Arbeitgeber, dem WDR auf die Füße treten, denn leider sehe ich in Sendungen wie der Aktuellen Stunde immer wieder Videos von Zuschauern, die meinen, im Hochkantformat könne man z.B. die Ausmaße eines Hochwassers besonders gut darstellen.

    (Nachtrag: ich sehe übrigens beim Absenden des Formulare überall Sternchen hinter den Eingabefeldern. Aber wo sind die zugehörigen Erklärungen? )

  2. Werden 4:3-TV-Röhrengeräte bald wieder in den Lofts und Wohnraumwelten der Hipster aufgestellt und per Bluetooth-Scart-Adapter voll kultig mit sinnbefreiten IGTV-Clips vertikaler Selbstdarsteller, sorry, “Creators” bestreamt?
    Warum macht man eigentlich nicht gleich Nägel mit Köpfen und “sendet” wieder in schwarz-weiß? Oder ist das vielleicht schon der nächste, coole Trend, der noch in den Schubladen der Marketingstrategen schlummert?
    Wie auch immer: IGTV ist definitiv ein weiteres Top-Argument für noch schnelleres Internet!

  3. Als ich noch analog fotografiert habe, waren vertikale Bilder bei mir sehr beliebt, für mich ein künstlerisches Gestaltungselement. Allerdings nur für eine gerninge Anzahl von Bildern, vielleicht 10-20 Prozent. Der Umstieg auf digital hat mir dann horizontale Bildschirme beschert, was mich in meiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt hat. Ich denke vertikal hat seine Berechtigung und vielleicht werden wir eines Tages Geräte haben, die beides gut darstellen können. Ein Smartphone kann es heute schon, einfach drehen :-)

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