Deine IP-Adresse gehört Dir

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Deine IP-Adresse gehört Dir

Kommentare zum Artikel: 11

Egal ob Tischcomputer, Notebook, Tablet, Smartphone, Smart-TV oder Kaffeemaschine: Wenn Ihr mit einem Gerät online geht, verwendet es eine IP-Adresse, die ihm vom Provider zugeteilt wurde. Jedes Gerät verfügt über so eine weltweit einmalige IP-Adresse. Es sei denn, es nutzt ein LAN oder WLAN, dann wird automatisch die IP-Adresse des LAN oder WLAN verwendet – ergänzt um eine individuelle Portadresse, um all die Geräte im LAN oder WLAN unterscheiden zu können. So war das schon immer im Internet, so funktioniert das Netz.

IP-Adressen sind geschützt; Rechte: dpa/Picture Alliance

IP-Adressen sind geschützt

IP-Adressen speichern erlaubt?

Nun wäre es natürlich praktisch, wenn jedes Gerät eine eigene, stets gleichbleibende IP-Adresse hätte. Doch das geht nicht, denn bevor IPv6 eingeführt wurde, standen gar nicht genug Adressen für alle Geräte zur Verfügung. Deshalb bekommen wir als Privatnutzer normalerweise bei jeder Einwahl eine neue, so genannte dynamische IP-Adresse zugeteilt. Manchmal halten wir diese IP-Adresse nur für ein paar Minuten, manchmal ein paar Stunden, selten – bei DSL-Providern – auch schon mal mehrere Tage. Zum Glück merken wir von all dem nichts, das wird alles automatisch im Hintergrund abgewickelt.

Was viele nicht wissen: Über die IP-Adresse können wir ermittelt werden, allerdings nur, wenn der jeweilige Provider (über den wir online gehen) unsere Daten rausrückt. Denn nur der Provider kann sagen, wer eine dynamische IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt genutzt hat. In der Regel muss eine Behörde oder ein Gericht die Herausgabe anordnen. Das ist eine vergleichsweise hohe Hürde – aber: Es geht. Über die IP-Adresse können wir ermittelt werden. Da wir die IP-Adresse beim Surfen überall hinterlassen, ist es wichtig, das zu verstehen. Jeder Server kann unsere IP-Adresse sehen. Manche Webseitenbetreiber speichern die IP-Adressen dauerhaft, etwa um ihre Besucher besser kennenzulernen – oder um Hackerangriffe abwehren zu können.

Ein Hinweisschild mit Bundesadler; Rechte: dpa/Picture Alliance

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden: IP-Adressen dürfen nicht einfach so gespeichert werden

IP-Adresse = personenbezogene Daten

Aber dürfen die das? Das musste jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) klären. Die Richter sagen klar: Bei IP-Adressen handelt es sich um personenbezogene Daten, die nicht einfach so gespeichert werden dürfen – jedenfalls nicht ohne Zustimmung der Betroffenen. Grund: Durch eine Anfrage beim Provider lässt sich die Person, die die IP-Adresse benutzt hat, ermitteln. Einzige Ausnahme des Speicherverbots: IP-Adressen, die zur Abwehr von Hackerangriffen oder zur Ermittlung der Täter notwendig sind. Diese dürfen allerdings nur so lange gespeichert werden, so lange sie für die Abwehr tatsächlich erforderlich sind.

Datenschützer dürften sich über dieses Urteil freuen. Strafverfolgungsbehörden eher nicht. Auch Webseitenbetreiber, Shop-Betreiber sowie alle, die mit Online-Marketing beschäftigt sind, werden in Zukunft womöglich eingeschränkt. Sie dürfen die IP-Adresse nicht mehr speichern – oder müssen zumindest beim Benutzer nachfragen. Die Nutzung der meisten Webseiten schränkt das praktisch nicht ein. Schließlich können wir Nutzer uns auch eine Tarnkappe aufsetzen, etwa durch Nutzung eines Virtual Private Network (VPN), und die Webangebote trotzdem uneingeschränkt nutzen – obwohl durch das VPN die eigene IP-Adresse unsichtbar wird.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Hi,

    dem Teil mit der Speicherung der IP-Adressen, um unbeliebte Besucher von Websiten auszuschließen, kann ich mich nur anschließen. Tagtäglich versuchen sich unzählige Leute in meine Seiten zu hacken. Mit Hilfe einer Firewall lassen sich solche Besucher vermeiden.

    Soweit ich das weiß, ist das Abspeichern von IP-Adressen in Deutschland unzulässig. Beispielsweise bietet Google-Analytics(Ein Programm zur Erfassung von Website-Statistiken wie z.B.: Wie viele Besucher gab es in diesem Monat?) stellt für diesen Fall eine Funktion namens „IP anonymization“ zur Verfügung. Amerikanische Software kennt dieses Problem mit dem „Datenschutz kaum“. Wodurch die meisten Programme im deutschsprachigen Raum unbrauchbar sind. Mit Hilfe der IP-anonymization können auch solche Programme hier von uns verwendet werden.

    VG

    Tobi

  2. Bitte noch richtigstellen, dass man mit einem VPN erstmal mitnichten „verdeckter“ surft als ohne. Ohne ist die IP-Adresse unter der man unterwegs ist dem Zugangsprovider bekannt. Mit VPN ist die IP-Adresse unter der man unterwegs ist dem VPN-Provider bekannt. Da ist kein großer Unterschied.

  3. Martin Däniken am

    Und wiedereinmal wird klar das es Leute gibt,
    denen der Unterschied bei den Befugnissen von Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten nicht klar ist?!
    Strafverfolgungsbehörden wie Staatsanwaltschaften oder Polizei brauchen Gesetze damit sie vor Gericht bestehen können…..
    Geheimdienste gehen nicht vor Gericht um jemand dingfest zumachen-das ist nicht ihre Aufgabe….
    Aber im Zweifelsfall gilt das ein Gesetz ein schon eingeübtes Verfahren den letzten legalen Schliff geben soll/muss.

    • Und wieder einmal wird klar, dass es Leute gibt, die tatsächlich alles glauben, was ihnen aus Berlin lächelnd verkündet wird! Haben Sie z. B. schon mal vom GTAZ (Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum, seit 2004) gehört? Dort sitzen Bundes- und Landesverfassungsschutz, BKA, LKA, BND, Generalbundesanwalt, Bundespolizei, Zollkriminalamt, BAMF, MAD an EINEM Tisch! Datenschützer (wie z. B. Peter Schaar) kritisieren regelmäßig die faktische AUFHEBUNG jenes Trennungsgebotes zwischen Nachrichtendiensten und Polizei (siehe dazu z. B. heise.de/-2437972 ), das Sie oben so schön lehrbuchhaft beschrieben haben!

  4. „Wenn Ihr mit einem Gerät online geht, verwendet es eine IP-Adresse, die ihm vom Provider zugeteilt wurde. Jedes Gerät verfügt über so eine weltweit einmalige IP-Adresse“

    Falsch. Und zwar krachend. „Ein Gerät“ in einem LAN mit RFC-1918- oder RFC-6598-IP-Adressen-Struktur verwendet Adressen, die ihm von einem „dual-homed“ LAN/WAN-Router, ergo mit zwei IP-Interfaces ausgestattetem IntermediateDevice, vom ISP bereitgestellt werden – per manueller Konfig oder DynIP-Verbreitung. Dabei können eigentlich solitäre IP-Adressen auch mehrfach vergeben werden, wenn der Provider für deren sichere Verwendung nach den genannten RFCs sorgt.

    Ich wusste zwar schon immer, lieber Herr Schieb, dass Sie keine Ahnung von IP-Routing haben, aber dass Sie jetzt auch noch Falschinfos verbreiten, hätte ich trotz Ihres Jobs bei einer Larifari-Medienanstalt nicht erwartet.

    • Stebereus am

      @vaikl: Ihnen als Experte hätte eigentlich auffallen sollen, dass sich die WDR-Website und die Beiträge von Herrn Schieb an breite Zielgruppen richten, unter denen in der Regel IT-Experten unterrepräsentiert sein dürften. Gerade die Fähigkeit, komplexe Themen für interessierte Nicht-Experten mittels Vereinfachung auf den zentralen Aussagegehalt zu fokussieren ist nicht „Larifari“ sondern beherrschen professionelle Medien wie der WDR und Journalisten wie Herr Schieb aus meiner Sicht hervorragend. Um das nachvollziehen zu können, schlage ich vor dass Sie einmal selbst versuchen, Ihre Erläuterungen so zu schreiben, dass auch der Computer-Laie jedes Fachwort (LAN/WAN, RFC …), genauso gut versteht wie den Text von Herrn Schieb mit zumeist gebräuchlichen Begriffen.

      @ Hr. Schieb: Danke für Ihre wieder einmal gelungene journalistische Arbeit!

      • Vielen Dank! In der Tat habe ich in über 30 Jahren einiges an Erfahrung gesammelt, was man „normalen“ Menschen an technischen Infos zumuten kann (und wann) und was nicht. Kritik ist trotzdem immer willkommen, allerdings ist es natürlich besser, wenn sie nicht persönlich ist (abwertend). Aber auch da sammelt man Erfahrungen. :)

    • Das ist nicht falsch, denn weiter unten im Text erkläre ich das sogar: Wer im WLAN/LAN unterwegs ist, verwendet die IP-Adresse des Routers – erweitert um eine Portadresse. Wenn Sie hätten fair sein wollen, dann hätten Sie diesen Satz auch noch gelesen.

  5. B. Franke am

    Meine IP-Adresse gehört also mir. Welch frohe Botschaft und welch ein -augenscheinlich- weises Urteil des BGH!
    Und was bringt mir eine IP-Adresse, die „mir“ gehört, vor dem Hintergrund folgender Meldungen, die allein in den letzten paar Tagen zu vernehmen waren?
    Wie beispielsweise:
    – „Schwarz-Rot will Einsatz von Staatstrojanern massiv ausweiten“,
    – „Netzwerkdurchsetzungsgesetz geht unverändert in den Bundestag“,
    – „Automatisierter Zugriff auf biometrische Passbilder für alle Geheimdienste – ab sofort“,
    – „Vorratsdatenspeicherung ab Juli – trotz Verstoß gegen EuGH-Vorgaben“,
    – „Bundesrat beschließt anlasslose Vorratsdatenspeicherung der persönlichen Daten aller Flugreisenden für fünf Jahre“.
    Und ich soll jetzt tatsächlich noch darüber jubeln, dass meine IP-Adresse „mir“ gehört!? Echt jetzt?
    Herzlich willkommen im TOTALEN Überwachungsstaat! Hier werden grundgesetzlich verankerte Rechte mit Füßen getreten und viel schlimmer noch: die uns diesen menschenrechtsverachtenden Murks einbrocken, werden auch noch bejubelt und von den treu-doofen Schlafschafen immer wiedergewählt, da scheinbar „alternativlos“! Und außerdem: man hat ja eh nichts zu verbergen, nicht wahr!?
    Man kann nur noch den Kopf schütteln!

    • Freuen Sie sich lieber, dass Ihr Nachbar Sie nicht bei der Stasi verpfeift. Die DDR war ein totaler Überwachungsstaat. Was Sie hier bemängeln ist dagegen Kleinkram ;)

      • P. Gedoehns am

        Da bin ich doch eher der Meinung von B. Franke und versuche meine Überwachung so gering wie möglich zu halten, in dem ich kein Smartphone habe, alles bar zahle und selbstverständlich nicht bei Facebook angemeldet bin. Die von B. Franke angesprochenen Punkte halte ich keineswegs für Kleinkram, sondern für massive Eingriffe in die persönliche Freiheit.
        Für damalige Verhältnisse war die DDR sicher ein Überwachungsstaat, nur würde sich Erich Honecker im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, was heute möglich ist und das die Menschen sogar freiwillig ihr halbes Leben preisgeben, denn sie haben ja nichts zu verbergen, wie es immer so schön heißt.
        Zugegeben, ich hätte auch nicht in der DDR leben wollen, obwohl nicht alles schlecht war. Aber in einer Welt, in der man als möglicher Verbrecher und zu Werbezwecken auf Schritt und Tritt überwacht wird, fühle ich mich auch nicht wohl.
        Sie schreiben von dem, der seinen Nachbarn bei der Stasi verpfeift.
        Sind wir nicht auch heute wieder an einem Punkt, an dem man seine Meinung nicht mehr frei äußern darf, ohne gleich in eine Ecke gestellt zu werden? Wurden nicht vor etwa 4 Wochen Autos von Politikern zerstört, deren Meinung nicht der offiziellen Meinung entspricht?

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