Der Deutsche Computerspielpreis nimmt Spieler nicht ernst

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Der Deutsche Computerspielpreis nimmt Spieler nicht ernst

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Ich habe mir den Deutschen Computerspielpreis angesehen. Damit ihr das nicht machen müsst. Ihr könntet den drei Stunden langen Stream vom DCP 2019 auf Youtube nachgucken. Aber spart euch Zeit und Nerven und macht das nicht. Denn der Deutsche Computerspielpreis war in dieser Ausgabe eine peinliche Veranstaltung: Er hat die Preisträger nicht ernst genommen.

Natürlich kann man eine Preisverleihung ironisch moderieren. Doch die Moderatorin Ina Müller nahm jedes abgedroschene Klischee mit. Die dicken Kellerkinder, die sich von Energy-Drinks ernähren, lassen grüßen. Studenten, die mit dem Preisgeld ein Unternehmen gründen und ihr Spiel realisieren können, feierte sie mit den Worten: “Liebe Eltern, hättet ihr gedacht, dass die Jungs mit so einem Scheiß mal Geld verdienen?”

Das war eine bittere Pille für alle Nominierten: Wer den Deutschen Computerspielpreis als Instrument der Kulturförderung verstehen möchte, sollte die ausgezeichneten Werke ernst nehmen. Oder wenigstens ein gewisses Grundinteresse zeigen. Oder zumindest keine Gags auf Kosten ihrer Schöpfer machen.

Denn darum ging es: Kultur- und Wirtschaftsförderung. Der Deutsche Computerspielpreis ist noch immer das einzige Förderinstrument für digitale Spiele auf Bundesebene. Das macht ihn für die Branche so wichtig. Auch wenn viele Spieler beim Blick auf die Liste verständnislos mit den Köpfen schütteln: Denn wirklich große, namhafte Titel sind dort nicht zu finden.

“Trüberbrook” ist das beste Spiel

Das Adventure “Trüberbrook” hat mit seiner Modellbau-Optik den Preis fürs beste deutsche Spiel und die beste Inszenierung bekommen. Das Adventure “State of Mind” ist bestes Serious Game, das Adventure “Unforeseen Incidents” bestes Jugendspiel. Adventure-Games, in denen es ums Lösen von Rätseln und eine interessante Story geht, funktionieren beim DCP. Gegen aufwändig gemachte Blockbuster wie “God of War” oder “Red Dead Redemption 2” sehen diese Spiele aber ganz alt aus.

https://www.youtube.com/watch?v=ul4aNkzU9aw

Drei Stunden Computerspielpreis im Stream.

2018 hat Deutschland, der weltweit fünftgrößte Markt für digitale Spiele, keine Vorzeigeprojekte auf internationalem Niveau hervorgebracht. Aber allein der Blick auf die Nominierten der Nachwuchspreise zeigt, dass es auch in Deutschland einen riesigen Pool von kreativen Ideen gibt. Die Branche wartet auf den versprochenen Fördertopf der Bundesregierung in Höhe von 50 Millionen Euro, damit sie zeigen kann, was wirklich in ihr steckt. Die Spieleentwickler haben diese Chance verdient. Und sie haben eine Preisverleihung verdient, die ihre Arbeit respektiert.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

2 Kommentare

  1. Man hätte sich wenigstens besser vorbereiten können auf die Verleihung. Und zudem sollte Ina Müller doch bermerkt haben, dass absolut niemand über ihre unlustigen Witze gelacht hat. Schade, wie hier mit den Herstellern, die man fördern sollte, umgegangen wird. Als wären alles nur weltfremde Idioten, die den ganzen Tag in ihrer “Zockerhöhle” sitzen.
    Sich das anzuschauen ist Fremdscham pur. Leider.

  2. Ein weiterer Mosaikstein im Bild des Umgangs der Politik mit Computertechnologie.

    Das Gesamtbild ist wenig schmeichelhaft. Man scheint sich irgendwie einig, das das ganze wichtig ist. Die Hauptakteure vermitteln, wie bei der Verleihung, aber glaubhaft den Eindruck, das Sie selbst nur wenig Verständnis der Materie mitbringen.

    Weitere Beispiele könnten Problemlos dargebracht werden.

    Kein Wunder das der “digitale Rat” geboren wurde. Doch was hat der digitale Rat bislang erreicht? Liebe Digitalistan-Journalisten, das wäre vielleicht mal ein nettes Thema für Euch, hier an diesem Ort.

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