Die Big Four schlucken alles

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Die Big Four schlucken alles

Kommentare zum Artikel: 11

Auf der Tech-Konferenz DLD in München wird viel über die Zukunft des Internet und kommende Trends geredet und spekuliert. Ein Vortrag hat mich besonders angesprochen: Der von Wirtschaftsprofessor Scott Galloway von der NYU Stern School of Business. Professor Galloway – er könnte optisch und in punkto Energie auf der Bühne mühelos einem IT-Konzern wie Apple vorstehen – beschäftigt sich mit Markenstrategien und digitalem Marketing. Sein nur rund 25 Minuten langer Vortrag aber war vollgestopft mit Informationen, die zu verdauen es eine Weile dauert. Denn Galloway zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft – und dafür macht der die „Big Four“ verantwortlich, die großen Vier. Und das sind natürlich: Apple, Google, Facebook und Amazon.

Scott Galloway auf der DLD in München

Scott Galloway auf der DLD in München

Facebook erfolgreichstes Unternehmen aller Zeiten

Galloway zeigt in seinem atemlosen Vortrag, der vor konkreten Zahlen und Daten nur so strotzt, wie die großen Vier den Markt unter sich aufteilen. Oder besser: die ganze Welt. Google hat den Werbemarkt revolutioniert. Facebook dominiert den Mobilmarkt. Amazon macht den Handel kaputt. Und Apple dominiert gleich mehrere Märkte, ob Smartphone, Tablet oder Smartwatch. Die vier Unternehmen können alle niederwalzen – und werden es auch, schließlich ist Wachstum das Heroin der Wirtschaft. Laut Galloway ist es keine Frage, ob Apple und Google in den Fernseh- oder Automarkt einsteigen, sondern nur – wann. Denn anders ließe sich der Hunger nach Wachstum bei diesen Megakonzernen gar nicht stillen.

Recht hat er. Alle vier Unternehmen wachsen in enormen Tempo und offensichtlich auch unaufhörlich. Galloway betone in seinem Vortrag Dutzende Male, dass Facebook das erfolgreichste Unternehmen aller Zeiten ist. Der Professor – ganz unprofessoral: „Facebook ist erfolgreicher als Buddha und die Kardashians.“ Er denkt, dass Mark Zuckerberg schon bis 2018 mit Diensten wie Instagram, WhatsApp und Ocolus Rift Geld verdienen wird – und dann ist die Eine-Billion-Dollar-Grenze geknackt. Er prophezeit Mark Zuckerbergs Unternehmen also, das erste Unternehmen der Menschheitsgeschichte zu werden, das eine Billion Dollar Umsatz pro Jahr machen wird („one trillion dollar“, heißt das im Amerikanischen). Die Chancen stehen gut, dass er Recht behält.

Facebook erfolgreichstes Unternehmen aller Zeiten

Auch der Onlinehandel ist bedroht: „Der Onlinehandel: Das sind Amazon und die 7 Zwerge. Kein anderer Onlinehändler kann da mithalten.“ Wohl war: Amazon macht alle platt. Lässt sich nicht bestreiten. Amazon will im Augenblick noch kein Geld verdienen, alle Gewinne werden reinvestiert. Es geht darum, immer größer zu werden – was bedeutet das wohl: Alle anderen haben das Nachsehen. Am Ende auch wir, selbst wenn wir nicht im Einzelhandel oder Onlinehandel arbeiten. Die Großen diktieren die Spielregeln, sie mischen überall mit, wollen überall Platzhirsch sein – und sind es oft auch. Denn Verluste können Google, Apple, Facebook und Amazon locker wegstecken – andere nicht.

Facebook und Google dominieren den Werbemarkt. Alle anderen werden rausgedrängt. Das bedeutet: Zwei Unternehmen teilen den Markt unter sich auf. Nicht gut. Und dieser Satz von Galloway gefällt mir besonders gut: „Advertising sucks. Werbung ist eine Steuer, die nur arme Leute zahlen. Wer kann, holt sich Filme für 2 Euro bei iTunes.“ Auch das trifft den Kern: Vermeintlich kostenlose Angebote bezahlen wir immer mit Werbung. Ob Spotify, Webseiten – oder WhatsApp.
Lösungen hat Galloway leider nicht mitgebracht.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Comments

  1. Die Münchener IT-Konferenz sollte mal überdenken, wie man denen da drüben das Geld aus der Tasche ziehen kann und nicht, wie man Larry Page, Serjey Brin, oder Mark Zuckerberg noch reicher macht. Eine Münchener Konferenz in geschlossener Gesellschaft.
    Jeder einzelne von uns müsste genauso scharf überlegen, was uns noch mehr bereichern könnte (Außer Musik, IT, Kosmetik, Magazine oder Drogen.)Wir kaufen uns dumm und dämlich. Apropos Magazine: Sämtliche Zeitungen wissen heutzutage nicht mehr, worüber sie berichten sollen, also mit welchen Trick verführen Sie uns zum Kauf? Mit Werbung.

  2. Das Gejammer über die Großen, die den Markt alleine beherrschen, ist nicht neu. In den 1990er Jahren waren alle überzeugt, dass Microsoft die Welt beherrscht. Dann kamen zwei kleine Konkurrenten daher (Apple bei der Hardware, Google im Internet) und alle waren froh. Auch Nokia stand mal kurz vor der Weltherrschaft. Googles Vormachtstellung bei der Werbung wird wiederum von Facebook angegriffen. Ich bin sicher, dass in 10 Jahren über die Vormachstellung eines Konzerns gejammert wird, von dem heute noch keine Rede ist.

  3. @John Doe
    -warum er optisch (sic) ein unternehmen vorstehen könnte kann ich nicht verstehen. vielleicht kann der autor das mal erklären. –

    Ich bin zwar nicht das Autor, aber evtl. fällt Dir nach MEINER Erklärung selbst was auf… ;-)
    Galloway erinnert nicht nur durch Aussehen und Bekleidung, sondern durch sein ganzes Auftreten an Steve Jobs. Daß man sich- vielleicht ganz unterbewusst- sogar nach der nicht gerade zimperlichen Kritik an den IT-Riesen, dieses Energiebündel in einer ganz anderen Rolle vorstellen kann, als Anno 2016…

    @Suchtfrei
    Natürlich kann man ohne Smartphone leben. Und sogar ganz ohne Computer. Was aber auch DU nicht tust(sonst hättest Du Dich hier nicht zu Wort melden können).
    Daß Fratzenbuch und Co. von (zu) vielen Menschen als lebenswichtig empfunden werden und der Fickfack deren ganzes Leben dominiert, weiss ich auch. Und ich kanns nicht wirklich nachvollziehen…
    Aber wenn es um „Auswahl“ geht, wenn man ein Gerät haben und benutzen(ohne Suchtpotential) möchte…
    …wirds wirklich eng. Entweder man ist Fan der überteuerten Marke mit dem bunten Obst. Oder man greift zu Modellen vom Marktführer bis zu Billigheimern. Und ist damit dem großen G verbunden. Der auf fast allen anderen Geräten laufende Linux-Zombie ist schliesslich deren Produkt.
    Und damit bin ich schon beim dritten Kandidaten.

    @Dieter
    Microsoft spielt (zur Zeit) beim grenzenlosen Wachstum der Smarties und Tablets doch fast keine Rolle. Ich bin selbst ein Nutzer solch eines Randgruppengeräts. Und auf meinen PCs läuft Win7. Solange wie möglich.
    Mecker nicht über Win10. Da kann man immerhin mehr abschalten, als bei jedem Androiden.

    Und mal ganz allgemein…
    Da gibts hier ’ne kostenlose App, da gibts da ’ne kostenlose App, da gibts möglichst jedes Spiel und Gedaddel und möglichst Alles… UMSONST und KOSTENLOS.
    Daß das nicht wirklich funktioniert, sollte jedem nicht hirnamputierten Menschen klar sein. Die Menschen, die den ganzen Kram ‚basteln‘, müssen auch Miete bezahlen. Und Strom und Wasser und das Käffchen am Morgen.
    Damit ist ganz schnell klar: wer nicht mit €uronen bezahlt, bezahlt mit Daten.

    Aber keine Sorge. Das ist eine derzeit überbewertete Blase.
    Werbung, Werbung, Werbung… kann nicht dauerhaft expandieren. Weil doch jetzt schon fast jeder die Schauze voll hat von ‚check, check, check, Haarwasch, Duft, Kosmetik, Bank und anderem Geseiher‘. In der Werbepause geht man kacken und auf dem Elektronenmaxe laufen Ad-Blocker.

    Jetzt müssen wir nur noch Wetten darauf abschliessen, WANN diese Blase platzt.
    Ach nein. Sowas machen ja schon die Banken ;-)

    • @john: Möglicherweise ist das Adjektiv „optisch“ nicht so treffend gewählt. Ich meinte das Erscheinungsbild und den Gestus von Galloway, der in der Tat an Steve Jobs erinnert. Auch in der Selbstsicherheit des Auftretens. Immerhim macht sich Gallowys lustig über sich selbst (als er seine Prognose vor einem Jahe Amazon betreffend zitiert, die sich so nicht eingestellt hat…), das hat Jobs eher selten getan.

  4. Hugo Palm am

    Man kann den genannten Ganoven ein wenig (oder vlt. doch viel?) die Macht entziehen, wenn man als Kunde mitmacht: Informationen vorenthalten und Rechte in Apps entziehen. Dazu kann man z.B.
    – das Private Surfen seines Webbrowsers einschalten,
    – Suchanfragen nicht direkt an Google senden, sondern über einen Crawler, wie StartPage,
    – die Kalender und Kontakte in einer Private Cloud auf deutschen Servern auslagern uvm.,
    – Tor oder einen Textbrowser nutzen,
    – am besten diese Dienste, so gut es geht meiden.

    In unserer Familie kauft keiner bei Amazon ein oder ist bei Facebook registriert; von Apple haben wir auch nichts. An Google kommen wir, wegen Android, nicht ganz vorbei, haben aber Fake-Accounts und zahlen im PlayStore nur mit bar bezahlten Guthabenkarten. In unserem Router habe ich auch noch ein paar passende Blocker eingefügt, so dass viele Werbeeinblendungen nicht auf unsere PCs und Tablets gelangen.
    Mir ist klar, dass man sich nicht komplett vor diesen vier Firmen schützen kann, man kann es ihnen aber erschweren.

  5. john doe am

    haha

    1. „Auf der Tech-Konferenz“

    Die Digital Life Design (DLD) ist die internationale Konferenz- und Innovationsplattform von Hubert Burda Media.
    Die Konferenz gilt neben der Pariser LeWeb als die wichtigste europäische Konferenz für Investoren und Internetunternehmen <- wiki

    2. "er könnte optisch und in punkto Energie auf der Bühne mühelos einem IT-Konzern wie Apple vorstehen – beschäftigt sich mit Markenstrategien und digitalem Marketing. "

    warum er optisch (sic) ein unternehmen vorstehen könnte kann ich nicht verstehen. vielleicht kann der autor das mal erklären.

    3. "…. und werden es auch, schließlich ist Wachstum das Heroin der Wirtschaft."

    wachstum ist nicht das heroin sondern ein grundkonzept des kapitalismus.

    4. "Galloway betone in seinem Vortrag Dutzende Male, dass Facebook das erfolgreichste Unternehmen aller Zeiten ist."

    erfolgreichste internetunternehmen oder allgemein? über die brücke würde ich nicht gehen. ich hab schon andere internetgiganten kommen und gehen gesehen. die zeit wird es zeigen.

    5. „Facebook ist erfolgreicher als Buddha und die Kardashians.“

    haha lächerlich! nichts ist erfolgreicher als die Kardashians. das weiss doch jeder! warum eigentlich nicht als das christentum?

    6. "Amazon macht alle platt. "

    wenn man den "westen" meint kommt es hin. stichwort baidu

    7. "Denn Verluste können Google, Apple, Facebook und Amazon locker wegstecken – andere nicht."

    genau! deswegen können sie auch "steuerverluste" ganz gut verkraften. man stelle sich vor sie würden steueroasen ausnutzen.

    8. "Advertising sucks. Werbung ist eine Steuer, die nur arme Leute zahlen."

    das sieht springer aber anders.

    auszug von golem.de zum streit zwischen eyeo gmbh und springer ag.

    "Nach Angaben von Eyeo erklärten die Springer-Anwälte dem Gericht in einem Schriftsatz: "Das Kerngeschäft der Klägerin ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen." "

    9. "Auch das trifft den Kern: Vermeintlich kostenlose Angebote bezahlen wir immer mit Werbung."

    NEIN. DOCH.OH. ist ja mal ganz was neues. danke für die info!

    10. Lösungen hat Galloway leider nicht mitgebracht.

    wieso auch? dafür wird er auch nicht bezahlt bzw wird er es tunlichst vermeiden seine "potenziellen" arbeitgeber ans bein zup******.

    schreibt das nächstmal bitte werbung drüber. oder besser lasst einfach solche berichte weg.

    ps: ein wenig kritik hätte ich mir gewünscht und nicht ausschliesslich beweihräucherung.

  6. Suchtfrei. am

    „Für einen Ausweg ist es wohl zu spät“?! Ich lese wohl nicht richtig! Wie alle anderen privatwirtschaftlichen Unternehmen steht und fällt auch die (Wirtschafts-) Macht der hier in Rede stehenden Organisationen mit Anzahl und Zuspruch der Kundschaft: Niemand ist doch gezwungen, KundIn bei Google oder bei Facebook und anderen ASOZIALEN NETZWERKEN zu bleiben oder zu werden! Oder besser: „Gezwungen“ ist natürlich die wachsende Zahl der Smartphone- und anders Online-SUCHTKRANKEN – aber selbst Süchtige können ja aus ihren Süchten aussteigen! Und da die im Artikel genannten Unternehmen nichts anderes sind als Suchtmittel bzw. Großdealer, sind sie nur so lange mächtig, wie sie Suchtkranke mit ihrem Stoff versorgen oder neue anfixen können. Also: AUSSTEIGEN tut not! SUCHTHIlFE tut not! SUCHTPRÄVENTION tut not! Eine DIGITALE ENTGIFTUNG tut not! S. hierzu, wenn auch im Netz! ;-) – die wachsende Zahl von Links zur Gegenbewegung „Digital Detox“ und zu Suchthilfen, z.B. bei der Medienambulanz der Uniklinik der Ruhruni Bochum!

  7. Ich finde Microsoft fehlt hier, nach wie vor ist und bleibt Windows das meistverbreitetste und auch „Alternativloseste“-Betriebssystem und mit Windows 10 und seiner Werbe-ID schnüffeln sie genauso mit wie Google, FB und Co.

    • Hugo Palm am

      Für alle, die ihren PC nicht als Daddelstation missbrauchen, ist Linux die beste Alternative zu Windoof! In meinen PC-Kursen für Anfänger und Senioren bringe ich nur Gnome oder Mate als System ein und teilweise haben auch schon Angehörige zu Linux gewechselt, die am PC meist nur Internet und Office nutzen.

    • Das stimmt, und das hat mich auch gewundert. Allerdings geht es nicht in erster Linie um die Bedeutung einzelner Produkte, sondern um die schiere Größe, das Wachstum und die Verdrängung. Hier legen Facebook, Google und Apple zu, während Microsoft sich bestenfalls hält oder im kleinen Rahmen gewinnt. Ich denke, das ist der Grund, wieso sich Galloway nicht auf fünf Companys gestürzt hat.

      • Das wiederum wundert mich nun. Du bist schliesslich der „Experte“. Stetig sinkender Absatz bei PCs. Wachstumsmarkt Smartphones und Tablets. Und damit einhergehend verliert Microsoft ständig an Boden. Denn fast jedes dieser Geräte läuft- sofern es nicht von Apple stammt- mit Googles Android.
        Und damit denkst Du dann wieder richtig. Galloway hat das schon richtig erfasst. Microsoft spielt(zu Zeit) da nicht mehr mit.
        Win10 wird- meiner Meinung nach zu Unrecht- als übler Spion „verrissen“. Zwar sind fast alle Berechtigungen(natürlich ;-) ) mit „JA“ voreingestellt. Aber man kann dies ja ändern. Und es wird auch Niemand gezwungen, Cortana zu benutzen.
        Mach das mal bei ’nem Androiden. Wenn die Möglichkeit überhaupt besteht.
        Aber egal auf welchem System… Welche der unzähligen „kostenlos-aber-nicht-umsonst-Apps“ läuft dann noch?

        Galloway ist irgendwie genial. Auftreten und Rastlosigkeit wie Jobs. In seiner Disziplin fast ein Hawking. Und das Ganze gepaart mit ausreichend Selbstironie und -kritik.
        Mahnende, aufrüttelnde Worte. Die Jeder selbst verstehen muss. Da müssen auch nicht ala „John Doe“ gleich Lösungen mitgeliefert werden. Denken muss Jeder selbst.
        Nur gibt es da ein paar Probleme.
        1. interessiert sich „die breite Masse“ der Menschheit nicht für solche Gedanken. Das nächste Selfie ist wichtiger!
        2. Gibts das nicht irgendwo noch billiger? .de .com .tv .cn??? Bis es mal ein Problem gibt. Dann kann man ja bei diversen Stellen rumjammern.

        Ich kaufe meine Rechner z.B. beim örtlichen Computerladen. Nach dem Motto „support your local dealer“. Und wenn mal wieder ein Netzteil aussteigt oder es anderweitige Reklamationen gibt, ist das Problem schneller erledigt, als jeder Online-Shopper seinen Kram versandfertig verpackt hat.

        Lösungen? Muss im der Welt 4.0 jeder selbst finden.
        Ist aber mit denken verbunden!
        Gibts dafür nicht ’ne App?

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