Die Google-Erfinder verlassen die Brücke

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Die Google-Erfinder verlassen die Brücke

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Vor 21 Jahren hatten zwei Studenten aus Stanford eine Idee, die die Welt verändern sollte: Larry Page und Sergey Brin entwickelten eine Suchmaschine, die blitzschnell alles (im damals nicht mal ansatzweise den Umfang von heute habenden) Internet findet. Endlich kein Katalog mehr, wie früher im Internet üblich, sondern eine echte Suchmaschine! Genial. Das Konzept ist eingeschlagen wie eine Bombe – und war der Grundstein für den heutigen Google-Konzern.

Dass sich die beiden Gründer den Schlachtruf “Don’t be evil!” haben einfallen lassen (Sei nicht böse!), hat den Menschen natürlich auch gut gefallen. Mann kann angesichts der schieren Größe des Konzerns und der Datensammelwut aber begründete Zweifel äußern, dass sich das Unternehmen an dieses Konzept gehalten hat.

Google Chef Sundar Pichai vor Quantencomputer; Rechte: WDR/Google/Schieb

Google Chef Sundar Pichai leitet schon länger den Google-Konzern

Google wird eine normale Firma

Doch nun gehen Larry Page und Sergey Brin von der Brücke. Sie legen die Geschicke des Unternehmens – und des Alfabet-Konzerns – in andere Hände. Google wird schon lange von CEO Sundar Pichai geführt. So sehr, dass man die beiden Gründer schon eine Weile praktisch überhaupt nicht mehr sehen konnte. Nicht mal auf den Entwicklerkonferenzen – eigentlich ein Pflichtprogramm für echte Gründer.

Durch den Abgang der Gründer wird Google eine normale Firma. Geführt von Menschen, die nicht von Anfang an dabei waren. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, wie man am Beispiel von Microsoft sieht. Als Bill Gates gegangen ist, hat erst Steve Ballmer den Konzern geführt – und danach Satya Nadella. Der hat dem Unternehmen ein komplett neues Image verpasst und den Konzern wieder auf die Beine gestellt. Hier ist es gut gelaufen.

Misstrauen an großen Konzernen nimmt zu

Früher oder später gehen sie alle

Auch Apple hat sich nach dem Tod von Steve Jobs unternehmerisch gut entwickelt – aber zweifellos seine Seele verloren. Ein Buchhalter wie Tim Cook wird niemals einen charismatischen Typen wie Steve Jobs ersetzen können. Im Fall von Larry Page und Sergey Brin besteht diese Gefahr allerdings nicht. Die beiden haben sich immer recht rar gemacht, haben nicht unbedingt das Bad in der Menge genossen.

Allzu viele Gründer von bekannten Unternehmen, die noch an Bord sind, gibt es nicht. Entweder, die Unternehmen werden von noch größeren Konzernen geschluckt – so wie Instagram oder WhatsApp – und die Chefs verlassen die Firmen dann, weil die Ober-Chefs unerträglich sind. Oder sie haben einfach keine Lust, einen Megakonzern zu lenken. Denn es macht einen Unterschied, ob man sich für gute Ideen begeistern kann und diese entwickelt – oder ob man ein Unternehmen lenken soll.

Mark Zuckerberg ist der einzige “Erfinder” einer großen Sache, der noch auf der Brücke steht – last man standing, sozusagen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

13 Kommentare

  1. Die Idee, “die die Welt verändern sollte”, hatten natürlich nicht Page und Brin, sondern Jahre zuvor schon ganz andere. Vor Google gab es bereits – durchaus bekannte und auch verbreitete – Suchmaschinen (keine Kataloge) wie WebCrawler, AltaVista, Yahoo! Search , Magellan, Lycos, Infoseek oder Excite. So viel Zeit zur Recherche hätte wirklich sein müssen …

    • Jörg Schieb am

      Das muss ich nicht recherchiere. Ich weiss es. Ich war dabei. ;-) Aber diese Suchdienste haben nicht gut funktioniert. Yahoo war ein KATALOG – wie andere Kataloge auch. Dann kamen die ersten Suchfunktionen. Aber Google war der erste Anbieter, der sich a) zum Ziel gesetzt hat, das komplette öffentlich zugängliche Netz zu durchsuchen und b) die Relevanz eingeführt hat.

      • Genau genommen war es die soziometrische Bestimmung der Relevanz, die Google umgesetzt hat – und die den Grundstein legte für den Bau des Big-Data-Konzerns, der Google heute ist. Wenig später heuerten Larry und Sergey Leute an, die diesen datengetriebenen Optimierungsansatz in die Online-Werbung übertrugen. Das Werbegeschäft bildet seither das Fundament des Konzerns.

        • Jörg Schieb am

          Durchaus richtig! Es lohnt aber eine differenzierte Betrachtung. Die Leistung auf der einen Seite – und die Folgen der Nutzung in anderen Bereichen auf der anderen Seite.

  2. Bei Microsoft weiß ich nicht so recht, ob alles gut läuft: Seit der Satya Nadella das Unternehmen führt, sind so seltsame Sachen wie Cloud-First oder Windows-10 passiert (?)

    • Jörg Schieb am

      Ja, aber das Geschäft läuft und vieles ist besser geworden, vor allem eine Strategie erkennbar …

    • “seltsame Sachen?” Cloud ist / wird die grundlage für alles im Internet. Von daher Schlau gemacht.

      • “Schlau gemacht.”? Ja, aus Sicht der Unternehmer und Aktionäre ganz bestimmt sogar. Was die künftige Datenhoheit der Nutzenden angeht, ist die Verlagerung in die Cloud jedoch eine Katastrophe!

        • Mitnichten. Rechte und Pflichten lassen sich in einem Rechtsstaat problemlos durch Verträge bzw. im Falle staatlicher Organe durch Gesetze und Verordnungen regeln. Das haben wir schon beim Telefon so gemacht: technisch konnte man es leicht abhören, dies jedoch tatsächlich zu tun, war in den meisten Fällen verboten und mit Strafe bedroht. Wir machen es auch so bei den Banken, der Cloud fürs Geld: Die Banker könnten unser Geld für Koks und körpernahe Dienstleistungen verjubeln, aber sie dürfen es nicht. Im Endeffekt liegt Geld auf der Bank sogar sicherer als zu Hause unterm Kopfkissen. Mit Daten in der Cloud ist es genauso.

          • “Die Banker könnten unser Geld für Koks und körpernahe Dienstleistungen verjubeln, aber sie dürfen es nicht.”.
            Aber eben genau das haben sie bei der Lehman-Pleite gemacht – aus purer Gier! Die heute noch spürbaren Folgen: Euro- bzw. Bankenkrise, EZB-Gelddruckmaschinen laufen auf Hochtouren, Negativzinsen drohen künftig auch Kleinsparern, etc..
            “Im Endeffekt liegt Geld auf der Bank sogar sicherer als zu Hause unterm Kopfkissen.”
            Daher wohl eher nicht (s.o.).
            “Mit Daten in der Cloud ist es genauso.”.
            Was nicht nur die Enthüllungen Edward Snowdens, sondern auch jene Cloudattacken glänzend widerlegen, über die (auch hier) regelmäßig berichtet wird.
            Ihr Glaube an die “Rechtsstaatlichkeit” in Ehren, ich empfehle dazu z.B. den hier veröffentlichten Schieb-Blogeintrag “E-Evidence-Verordnung birgt viele Risiken”.
            Das Abgas aus deutschen Diesel-Motoren ist vermutlich auch so sauber, wie die Daten in der Cloud sicher sind. Letztlich alles nur eine Frage der Software … und natürlich des Glaubens. ;-)

        • Nicht für alles aber für vieles kann man einen eigenen Cloud-Speicher betreiben. Wer mag auch im eigenen Wohnzimmer.
          Nicht so bequem wie bei Google und Co, man muss aber mitnichten ein IT’ler sein um das hinzubekommen. Etwas Zeit und grundlegendes Technikverständnis reicht.

          • Die eigene Wohnzimmercloud hat allerdings mit dem Sparstrumpf unterm Kopfkissen gemeinsam, dass sie nach einem Einbruch weg und nach einem Brand nur noch Asche ist. Insofern lohnt es sich eher nicht, Zeit in so ein Projekt zu investieren.

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