Die Kleinen spielen wie die Großen

https://blog.wdr.de/digitalistan/die-kleinen-spielen-wie-die-grossen/

Die Kleinen spielen wie die Großen

Kommentare zum Artikel: 7

In Nürnberg ist gerade Spielwarenmesse. Wie nahezu alle Konsumermessen der letzten Jahre machen Themen wie Virtual Reality, Roboter und Vernetzung auch hier nicht Halt. Auffallend viele gerade mit den ToyAward ausgezeichnete Neuheiten fallen genau in diese Kategorie.

Besonders gut gefällt mir Lego Boost: Hier können die Kids aus Legosteinen Roboter zusammenbauen. Wie die Roboter am Ende aussehen, können sie selbst bestimmen. Und natürlich auch, wo der Motor sitzt oder ob bestimmte Sensoren eingebaut werden sollen wie Farbsensoren oder Abstandsmesser.

Mit Lego Boost Roboter bauen und per App programmieren und steuern

Selbst bauen, selbst programmieren

Ist der Roboter erst mal zusammengebaut, lässt er sich auch programmieren. Es gibt spezielle Apps für iOS und Android. Damit können die Kids dann mit einfach zu verstehenden Anweisungen die selbst zusammengebauten Roboter auf die Fahrt schicken. Sie können auch Wenn-Dann-Entscheidungen fällen: Wenn der Sensor ein Objekt erkennt, dann bewege dich rechts. Oder links. Das hilft, solche Systeme besser zu versehen – ohne gleich eine Programmiersprache lernen zu müssen. Lego Boost hat völlig zu Recht einen ToyAward als innovativstes Spielzeug bekommen.

Witzig auch das fernsteuerbare Rennauto mit VR-Brille: Das Kind setzt sich eine Brille auf und kann sehen, wohin das Auto fährt, das mit der Fernsteuerung in der Hand kontrolliert wird. Aufmerksame Leser werden nun protestieren und sagen: Das ist doch kein VR! Stimmt. Das hat mit Virtual Reality wirklich nichts zu tun – ist also eher ein Partygag. Hier springt man also auf einen aktuellen Trend auf.

Roboter auf der Spielwarenmesse: Der hier wird nicht selbst zusammengebaut

Aufgepasst bei Sprachsystemen

So viel kann man allerdings sagen: Offensichtlich sollen die Kleinen mit denselben Dingen spielen, die auch wir Großen haben. Roboter und Virtual Reality gehören zweifellos dazu. Und sprachgesteuerte Systeme: Geräte, die mit Digitalen Assistenten verbunden sind. Davon gibt es immer mehr, Wir sprechen heute mit unserem Smartphone, mit unserem Tablet, mit unserer Box auf dem Schreibtisch… Wenn die Kleinen mit ihrem Magic House reden („Ich habe Lust, Cookies zu backen“) oder mit ihrer Spielpuppe („Wollen wir Freunde sein?“), hat das allerdings eine ganz andere Note.

Denn: Kinder können noch weniger als Erwachsene verstehen, was es bedeutet, mit einem Spielzeug zu sprechen, wie das technisch funktioniert. Was sie sagen dürfen und was vielleicht besser nicht. Die ersten Modelle der Hello Barbie konnten gehackt werden: Da die Sprachbefehle per WLAN an einen Server gehen, der das Gesprochene analysiert – das ist bei praktisch allen Systemen so, auch bei Siri, Cortana, Google Assistant, Alexa und Co -, konnten die Daten abgegriffen werden. Das ist mittlerweile nicht mehr möglich.

Doch vollständige Kontrolle über das, was mit den Daten passiert, hat man nie. Eltern sollten daher besonders sorgfältig darauf achten, welches Spielzeug sie kaufen und einsetzen – ganz besonders, wenn es ständig vernetzt ist.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Na Klasse: Nun betätigen sich also auch noch die Spielwarenhersteller als Anfixer und Dealer für die digitalen Suchtmittel – ein Verbrechen an den Kindern.
    Das paßt ja zu der Meldung der letzten Tage, daß die Zahl der internetsüchtigen Jugendlichen steigt und steigt…

    • P. Gedoehns am

      Und wieder mal volle Zustimmung …
      Da bin ich mal gespannt, welcher Hersteller zuerst die Rassel-App für Kinder im Kinderwagen erfindet, damit man die Menschen möglichst früh manipulieren kann , damit sie im späteren Leben etwa Playstation- und/oder Smarthone-süchtig werden und vor lauter Spielsucht von der Realität nichts mehr mitbekommen und bestens kontrolliert werden können.
      Leider bin ich mir ziemlich sicher, dass hinter dem ganzen Wahnsinn ein übler Plan steckt. Wer möchte, kann mich jetzt gerne einen Verschwörungstheoretiker nennen – ich kann damit gut leben.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Ich danke ein weiteres Mal für Zuspruch und Zustimmung.
        Ob es ein übler Plan ist, kann ich natürlich nicht sagen, aber sicher scheint mir, daß es ein SYSTEM ist.
        Um so trauriger und schlimmer, daß selbst öffentlich-rechtliche Anstalten wie der WDR nicht nur selbst Mitglied bei den asozialen Netzwerken sind (!) und sich so selbst in jedem Sinne dieses Wortes abhängig machen, sondern sich in etlichen Blog-Beiträgen auch noch als regelrechte Anfixer und Dealer betätigen, alle Warnungen ernstzunehmender Wissenschaftler nicht nur ignorierend, sondern diese auch noch als nicht seriös verunglimpfend:
        DAS ist jedenfalls die Art Aufklärung, die öffentlich-rechtliche Sender von Verfassungs wegen den Bürgerinnen und Bürgern schulden!

        • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

          „DAS ist jedenfalls NICHT die Art Aufklärung, die öffentlich-rechtliche Sender von Verfassungs wegen den Bürgerinnen und Bürgern schulden!“,
          muß es heißen.
          Ich bitte, den sinnentstellenden Flüchtigkeitsfehler zu entschuldigen

    • Ja finde ich auch. Wo bleibt das gute alte Spielzeug aus Holz oder Kinder die einfach mal draußen spielen. Das ist kein Zustand nur mit dem Smartphone oder der Playstation zu spielen.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top