Die Macht der Cloud-Anbieter

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Die Macht der Cloud-Anbieter

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Google, Apple, Microsoft und viele, viele andere: Die Auswahl an Cloud-Anbietern ist riesig. Die meisten bieten uns etliche GByte Datenvolumen kostenlos an, für die ersten Dokumente, Fotos, Videos. Wenn wir uns dann daran gewöhnt haben, alles in der Cloud zu speichern und wir mehr Platz brauchen, können wir kostenpflichtige Pakete buchen. Warum auch nicht? Die Cloud ist schließlich sicher – und praktisch. Blöd nur, dass wir auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen sind, dass uns die Cloud-Anbieter mögen.

Cloud.Anbieter haben mehr Macht als einem bewusst ist; Rechte: Pixabay

Cloud-Anbieter haben mehr Macht als einem bewusst ist

Google-Algorithmen sperren User aus

Mehrere Google-Nutzer mussten in den letzten Tagen feststellen, dass sie plötzlich ausgesperrt wurden. Weil Kontroll-Algorithmen in gespeicherten Textdokumenten angeblich Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen entdeckt haben. Von jetzt auf gleich: Konto gesperrt. Dokumente weg. Warum, das hat Google gegenüber der Washington Post erklärt – allerdings macht das die Sache nicht besser. Ein „Fehler“ habe die Sperrung verursacht.

Der springende Punkt ist: Es ist möglich. Über diesen Aspekt machen wir uns viel zu selten Gedanken. Klar, wenn eine Strafverfolgungsbehörde feststellt, dass über ein Google-Konto kriminelle Aktivitäten organisiert werden, dann muss ein solches Konto geschlossen werden. Aber das war hier nicht der Fall. Der Cloud-Anbieter überwacht seine Kunden, schaut in die Dokumente hinein und entscheidet offensichtlich selbständig, ob der Zugang gesperrt wird oder nicht.

Von wegen "Überall und Jederzeit": Nur wenn Google will; Rechte: Google

Von wegen „Überall und Jederzeit“: Nur wenn Google will

Die Cloud: Ein riskanter Speicherort

Wenn wir die Cloud als Backup-Medium betrachten, mag das noch egal sein. Aber wer all seine persönlichen Fotos in der Cloud speichert oder – wie die meisten von uns – nahezu alle wichtigen Dokumente, auf die man angewiesen ist, und das nicht als Backup, sondern nur hier, der hat unter einem Damoklesschwert Platz genommen. Gut möglich, dass das jederzeit zu Boden rast und uns den Garaus macht.

Aus dem Vorfall lernen wir zweierlei. Erstens: Google schaut sich nicht nur Fotos an, die wir in der Cloud speichern (etwa, um Kinderpornografie zu entdecken), sondern analysiert ganz offensichtlich auch Texte! So, wie das auch bei Google Mail lange üblich war. Ich kann mir niemanden vorstellen, dem das völlig egal ist. Und zweitens: Google kann seine Nutzer einfach so aussperren. Ähnliche Probleme dürften wir auch bei anderen Cloud-Anbietern haben. Beunruhigend.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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