Die Rückkehr der Zukunft

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Die Rückkehr der Zukunft

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“Heutzutage ist es schon eine Herausforderung in Erschöpfung, Angst und Schrecken, einfach nur die Nachrichten zu lesen”, schreibt das Team des Techmagazins The Verge. “Es ist keine Überraschung, dass so viele unserer Geschichten über die Zukunft dunkle Verstärkungen der größten Schrecken unserer Gegenwart sind. Aber wir brauchen heute mehr denn je auch das Gegenteil: Geschichten, die Hoffnung wecken.”

Mit diesen Worten kündigt The Verge seinen neuen Podcast “Better Worlds” an: Eine Reihe animierter Filme und Hörspiele, die positive Zukunftsvisionen entwerfen – solche, in denen der technische Fortschritt für eine bessere Welt sorgt. Und “Better Worlds” ist nicht das einzige Projekt in dieser Richtung. Zahlreiche Onlineprojekte stellen sich gerade die Frage, wie die Welt in Zukunft aussehen könnte.

Mit “Dingdingding” ist ein ganzes Magazin um positive Zukunftsvisionen entstanden, dessen Team müde geworden ist vom “goldenen Zeitalter des Pessimismus”. Kritischer geht das New York Magazine im Podcast “2038” vor. Dort werfen Gäste einen Blick auf unsere Welt in 20 Jahren. Im Anschluss diskutieren die Macher des Podcasts ausführlich, was von der jeweiligen Vision zu halten ist. Journalistisch ist auch “Flash Forward”, das sich mit “wahrscheinlichen und nicht ganz so wahrscheinlichen Zukünften” beschäftigt.

WDR 5 Utopia

Auch WDR 5 Utopia beschäftigt sich mit der Zukunft – und Ideen für ein besseres Zusammenleben.

Auch Star Trek erlebt eine Wiederauferstehung: Heute startet die zweite Staffel von “Star Trek: Discovery”, Ende des Jahres kehrt Patrick Stewart in seiner Rolle als Jean-Luc Picard zurück, weitere Serien sind in Planung. Das ist kein Zufall. Auch, als in den 1960er-Jahren “Raumschiff Enterprise” lief, mitten im Kalten Krieg, war Star Trek mit einem freundlichen Russen an Bord, einer schwarzen Frau in einer Führungsposition und dem Streben nach Frieden zwischen den Zivilisationen ein bewusster Gegenentwurf.

Zukünfte also, wohin man sieht – und ich glaube, dass es uns hilft, wieder öfter darüber zu sprechen, wie wir uns unsere Welt in einigen Jahrzehnten vorstellen. Denn was wir haben, sind vor allem eindimensionale Zukunftsvisionen aus dem Silicon Valley oder Dystopien wie in der Science-Fiction-Serie “Black Mirror”, die vor allem davon sprechen, in welche Abgründe uns die Digitalisierung noch führen wird.

Der Blick in unsere möglichen Zukünfte könnte in dieser unsicheren Welt das nächste große Ding werden. Wenn dabei ein paar positivere Visionen darüber rausspringen, wie uns der technische Fortschritt auch helfen kann, ist viel gewonnen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

4 Kommentare

  1. Hallo zusammen.
    Auch Herr Lesch, so gern ich seinen Vorträgen folge, kann nicht in die Zukunft sehen.
    Aus meiner Sicht ist es schon unmöglich gewesen, daß es einmal andere Lichtquellen geben würde als Kerzen oder offenes Feuer. Es gab ebenso qualifizierte Wissenschaftler im frühen Mittelalter, die dies konsequent verneinten – nach ihrem damaligen Wissensstand.
    Realismus ist immer eine Sache des Augenblicks. Den wahren Fortschritt, so es den gibt, haben meist die “Träumer” und “Phantasten” eingeläutet.

    Wenn man sich ansieht, das in der ursprünglichen Star Trek Serie kleine Plastikkärtchen als DATENSpeicher eingesetzt wurden und damals selbst die Kerle bei IBM das als Phantasterei abgetan haben (Wir hatten damals “riesige” Festplatten von z.B. 8 Zoll mit 200MB Speicherkapazität.)
    Heute macht sich keiner mehr einen Kopf, das auf eine Micro-SD mehr als 128 GB an Daten draufpassen. Und auf USB-Sticks (die man als Nachfolger der Idee hinter den Plastikkärtchen ansehen kann) passen einige TB.

    Ich warte mal ab, was die Zukunft bringt. Und aj, ich bin auch überzeugt, daß es eine positive Zukunft geben kann und mit etwas Einsicht und Rücksicht aller auch geben wird. Trump und Co sind nicht die Masse….

    Ciao

  2. “Wenn dabei ein paar positivere Visionen darüber rausspringen, wie uns der technische Fortschritt auch helfen kann, ist viel gewonnen.” – Stimmt.
    —-
    Ich denke zwar nicht, dass Politiker die gängigen Dystopien, SciFi-Horrorszenarien kennen – mit Orwell dürfte die Kenntnis bei vielen aufhören. Doch vllt lesen, hören, sehen sie einige der positiveren Visionen und lassen sie in ihr Denken einfließen.
    Dann ginge es “nur” noch darum, unsere heutige Realität in Richtung einiger dieser Möglichkeiten zu steuern. – Das motiviert doch wahrscheinlich sehr viel mehr als der Ansatz “wie wende ich eine üble Zukunft ab”. Die Schritte, die für eine solche (positive) Zukunft nötig wären, könnten sogar denen sehr ähneln, die eine der längst beschriebenen Dystopien “abwenden sollten”.
    — Hauptsache wäre, dass überhaupt eine politische Steuerung mit erkennbaren freiheitlichen, größeren Visionen stattfände. Dann ginge auch die Umsetzung im Kleinen und Kleinsten auf dem Weg zum “großen Ziel” leichter, vllt auch schneller – behaupte ich mal.

  3. Der -sehr zur Lektüre empfohlene- aktuelle Global Risk Report 2019(*) des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum, WEF) prognostiziert eine recht düstere Zukunft.
    Demnach sind die aktuell(!) größten Risiken(*):
    – Extreme Wetterereignisse und Scheitern der Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen
    – Groß angelegte Cyberangriffe und Zusammenbruch kritischer Informations-Infrastrukturen und -netzwerke
    – Massive Fälle von Datenbetrug und -diebstahl sowie groß angelegte Cyberangriffe
    – Hohe strukturelle Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung und negative Folgen des technischen Fortschritts sowie tiefe soziale Instabilität
    – Scheitern der regionalen oder globalen Governance und zwischenstaatliche Konflikte mit regionalen Folgen
    Der Report enthält auch eine eigene Rubrik, “Future Shocks” (* vgl. Punkt 6, Seite 65), mit 10 (teilweise recht erschreckenden, aber m. E. nicht unrealistischen) Thesen bzw. Szenarien, “…dass die zunehmende Komplexität und Verknüpfung globaler Systeme Rückkopplungsschleifen, Schwelleneffekte und kaskadierende Störungen verursachen können …”.
    (*)Quelle: www3.weforum.org/docs/WEF_Global_Risks_Report_2019.pdf

    Das scheint mir dann doch realistischer, als die “Unterm Strich wird alles wieder gut”-Botschaft, die z. B. in o. g. “Star Trek”-Fiktion propagiert wird. Siehe dazu auch: Harald Lesch (BR/alpha centauri), “Kann man zu den Sternen reisen?”.
    br.de/mediathek/video/alpha-centauri-11012019-kann-man-zu-den-sternen-reisen-av:5c2fe824e0f85000179a6b36
    Leschs Antwort und Fazit dürfte so manchen “Trekkie” eher enttäuschen.
    Positiv denken/schwärmen/hoffen ist in diesen Zeiten sicher nicht falsch, sofern der Realismus die Oberhand behält.

    • Dennis Horn am

      @C.Z.: Nun beschäftigt sich in diesem Artikel ein Absatz inhaltlich mit Star Trek. Die erwähnten Podcasts beschäftigen sich durchaus mit herausfordernden Zukunftsvisionen, erschöpfen sich aber eben nicht allein in Dystopien. Ein konstruktiver Blick darauf, mit welchen Lösungen man an Herausforderungen der Zukunft rangehen kann, ist aus meiner Sicht ebenso wichtig, wie die Probleme an sich zu benennen.

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