Die Sache mit den eigenen Daten

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Die Sache mit den eigenen Daten

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Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, wie wertvoll Daten heute sind. Vor allem persönliche Daten. Je persönlicher, desto wertvoller. Facebook, Google, Twitter und Co. verdienen damit Milliarden. Jahr für Jahr. Nur die, denen die Daten eigentlich gehören, gehen leer aus. Richtig: Wir! Wir haben nichts davon, dass andere unsere Daten sammeln und vermarkten. Wir werden beobachtet, ausspioniert und analysiert – und bekommen kaum einen Ausgleich dafür. Abgesehen von den kostenlos zur Verfügung gestellten Onlinediensten.

DataFairplay: Selbstbestimmung über die eigenen Daten; Recjte. datafairplay.com

DataFairplay: Selbstbestimmung über die eigenen Daten

DataFairplay: Herr über die eigenen Daten

Warum sollen wir nicht auch mal selbst davon profitieren? Das ist die Idee hinter DataFairplay, einem Onlineprojekt, über das jeder seine eigenen Daten „verkaufen“ kann. Data Fairplay wurde vor ein paar Jahren gegründet. Mit der Idee, dass hier jeder User selbst entscheiden kann, wer seine Daten erhalten soll. Man trägt seine Stammdaten ein, etwa Name, Wohnort, Geburtsjahr etc. und kann auch Angaben zu Hobbys, Interessen etc. machen.

Wenn ein Unternehmen Interesse an den Daten hat, kann man sich entscheiden, ob die Daten weitergegeben werden dürfen – und bekommt in dem Fall einen Teil der Provision. Man verdient also konkret daran, dass sich Unternehmen für einen interessieren. Natürlich muss man dann auch damit leben, dass man angeschrieben, angemailt oder angerufen wird. Schließlich steckt bei den Unternehmen, die für die Datensätze Geld bezahlen, auch eine konkrete Verkaufsabsicht dahinter. Der Unterschied zum üblichen Vorgehen ist aber: Man behält weitgehend Kontrolle über seine Daten und verdient selbst daran.

Festplatte: Bei der VDS müssen eine Menge Daten vorgehalten werden; Rechte: dpa/Picture Alliance

Daten sind unsichtbar – aber wertvoll

Werbung bleibt Werbung

Klingt gut, aber ist es das auch? Sicher: Man sieht konkret, welche Unternehmen sich für einen interessieren und auch warum. Man sieht auch, was sich mit den Daten verdienen lässt, etwa 5 EUR, wenn man Werbung für ein Kino-Event zulässt, oder 40 EUR für eine Marktforschung, die auch mit Aufwand verbunden ist. Es ist durchaus interessant und lehrreich zu sehen, was die eigenen Daten eigentlich wert sind – und so ganz nebenbei verdient man auch noch etwas. Keine üppigen Beträge, doch es kann sich durchaus summieren.

Nachteile gibt es natürlich auch. Wer Werbung kritisch gegenüber steht, und dafür gibt es nun wirklich gute Gründe, der wird natürlich Werbung nicht verhindern oder erschweren, indem er mitmacht – und seine eigenen Daten verkauft. Das füllt zwar das eigene Portemonnaie, aber man wird Teil des Ganzen, verdient an der Werbung mit. Natürlich wird man auch kontaktiert – und kann nicht völlig verhindern, auch wenn das natürlich eigentlich verboten ist, dass die Daten in falsche Hände geraten und weitergegeben werden. Ich will damit sagen: Wer von Werbung im Internet genervt ist und Werbung grundsätzlich kritisch gegenübersteht, der sollte auch bei Fairplay lieber nicht mitmachen.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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