Die Sozialen Netzwerke und die #btw17

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Die Sozialen Netzwerke und die #btw17

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Wer auch nur den geringsten Zweifel hegt, dass Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. zumindest indirekt Einfluss auf das Ergebnis der Bundestagswahl nehmen können, nämlich indem sie sehr direkt Einfluss auf das Meinungsbild nehmen, der muss sich nur mal von Facebook Empfehlungen geben lassen, welche politischen Diskussionsgruppen interessant sein könnten. Facebook empfiehlt hier auffallend häufig Diskussionsgruppen aus dem so genannten „rechten“ Spektrum. Viele der Gruppen sind AfD-nah. Solche Empfehlungen bekommt, wer sich im Bereich „Nachrichten & Politik“ von Facebook interessante Gruppen empfehlen lässt. Wer nicht suchen will: Diese Empfehlungen sind hier zu finden.

FacebookFacebook schlägt merkwürdige Gruppen zur Meinungsbildung vor

Direkter und indirekter Einfluss

Wie die Kollegen von ARD-faktenfinder herausgefunden haben, legt Facebook politisch interessierten Menschen – und zwar unabhängig von ihrer tatsächlichen politischen Orientierung – vor allem Facebook-Gruppen nahe mit Titeln wie: „Wähler und Freunde der AfD“, „Die Patrioten“, „Freunde und Verbündete der AfD“, „Besorgte Deutsche“, „Thilo Sarrazin“, „AfD-Sympathisanten“, sowie „Reale Verschwörungen“, „Killuminati Germany“, „Islam gehört NIEMALS zu Europa!“ oder „Gemeinsam gegen die neue Weltordnung“. Andere Gruppen gibt es zwar auch – aber nur sehr vereinzelt. Man kann sagen: Alle anderen sind deutlich unterrepräsentiert.

Eine Häufung, die auffällt – und die sich Facebook offensichtlich derzeit selbst noch nicht erklären kann. Es wird natürlich – zumindest unter anderem – daran liegen, dass die AfD und AfD-nahe Gruppen besonders intensiv auf Facebook (und in anderen Sozialen Netzwerken) unterwegs sind. So etwas mögen Facebooks Algorithmen bekanntlich. Auf der anderen Seite wissen wir, dass Facebook uns in einer Filterblase gefangen hält. Wir bekommen nur zu sehen, was uns interessiert, was uns bestätigt. Merkwürdigerweise versagt dieser Mechanismus an dieser Stelle deutlich.

ARD-Doku "Die Wahl und das Netz"; Rechte: WDR

Empfehlenswerte ARD-Doku „Die Wahl und das Netz“

Empfehlenswerte Doku „Die Wahl und das Netz“

Dass so genannte „rechte“ Inhalte es in den Sozialen Medien besonders leicht haben, sich zu verbreiten, ist bekannt. Dass Facebook offensichtlich sogar nachhilft, ist neu. Wie die Mechanismen generell funktionieren und welchen Einfluss das auf die Gesellschaft hat, erklärt die wirklich empfehlenswerte ARD-Dokumentation „Die Wahl und das Netz“. Ich kann nur empfehlen, sich die Doku mal in voller Länge in der Mediathek anzuschauen. Denn dort erfährt man nicht nur von den dunklen Ecken (Manipulation, Bots, Fake-News), sondern auch, wie deutschen Parteien und Politiker versuchen, sich die Sozialen Netzwerke zunutze zu machen.

Den jüngeren Wählern in den Sozialen Netzwerken näher kommen zu wollen, ist verständlich und gehört zweifellos zum Wahlkampf dazu. Im Wahlkampf ist Populismus nun mal besonders stark verbreitet. Allerdings funktioniert der Annäherungsversuch bislang nicht besonders gut. Nahezu alle in der Dokumentation befragten Jungwähler können mit den Bemühungen der Parteien und Bewerber in den Sozialen Netzwerken nicht viel anfangen. „Die meisten Politiker haben nicht verstanden, wie das im Netz funktioniert“, urteilt ein Experte. Mag sein – und stimmt vermutlich sogar -, wäre aber kein überzeugendes Argument, es nicht doch mal zu versuchen und es lernen zu wollen.

In der Dokumentation war auch Christian Lindner zu sehen, der sich das von mir leidenschaftlich kritisierte Plakat mit dem dummen Spruch „Digital first. Bedenken second.“ anschaut. Lindner nimmt keinen Anstoß am Wahl-Slogan, sondern interessiert sich nur für die Frage, ob die Partei das richtige/passende Foto von ihm ausgesucht hat. Vielsagend!

Interessant auch folgender Hinweis im Film: Die Parteien machen keinerlei Angaben dazu, wie viel Geld sie konkret in welches Netzwerk stecken. Es kostet schließlich Geld, die Wahlschlacht im Netz zu führen. Die Parteien müssen für gesponsorte Nachrichten zahlen und füttern damit genau jene Onlineriesen, die sie ansonsten gerne kritisieren. Sogenannte Fake-News werden bekämpft. Aber Wahlpropaganda sollen die Netzwerke transportieren, da wird sogar für bezahlt.

Update 12.09.2017, 20.00 Uhr: Facebook hat die Empfehlungen im Bereich „Nachrichten & Politik“ derzeit komplett abgeschaltet. Mehr dazu auf bei den ARD-Faktenfindern.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Peter Kowalski am

    Und seit wann ist Rechts verboten?Ist der §Rechte Flügel“ der SPD oder Grünen etwa auch verboten?

    Dank Gehirnwäsche verbindet das ja jeder heutzutage mit Nazis.Liebe Leute.Die Farbe der Rechten Parteien(CDU,CSU,ÖVP)war immer SCHWARZ nicht BRAUN!

    Und früher war es vollkommen normal das sich die Parteien dazu bekannt.Erst der Meinungsterror der Linken hat dazu geführt das dies von CDUlern nur noch 1-2 mal im Jahr in einem ausgesprochen wird.

    Und noch was lieber WDR.Ich habe im meinem ganzen Leben noch keinen Film bei ihnen gesehen in denen Rechte als Vorbild(Erinnerung CDU+CSU+Bürgertum)vorkommen.Was tun sie dagegen?Schalten sie jetzt auch ab?

  2. Klaus Lohmann am

    „..legt Facebook politisch interessierten Menschen..nahe“ – Ähm, wenn ich den verlinkten Artikel richtig lese, steht dort genau das Gegenteil – Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen bekommen die genannten Idiotengruppen „vorgeschlagen“. Wird hier jetzt auch die Realität verschwurbelt??

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