Die Volksverpetzer sind die Blogger des Jahres

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Die Volksverpetzer sind die Blogger des Jahres

Kommentare zum Artikel: 18

Rund 20 Leute arbeiten ehrenamtlich für den Volksverpetzer: ein Blog, das politische Falschmeldungen aufdeckt, verschobene Framings entlarvt und mit seiner Arbeit zu einem gesunden demokratischen Diskurs beitragen möchte. Mit seinen Artikeln landet das Team des Volksverpetzers immer wieder in den Timeslines von Nutzerinnen und Nutzern – und ist damit jetzt als “Blogger des Jahres” ausgezeichnet worden.

Die Preise bei den Goldenen Bloggern in Berlin wurden in insgesamt 19 Kategorien vergeben. Über die Gewinner haben wechselweise das Publikum im Saal, Nutzerinnen und Nutzer am Livestream oder eine Jury aus den Gewinnern der vergangen zwölf Ausgaben entschieden – die Goldenen Blogger, die aus einer Spaßveranstaltung in Düsseldorf hervorgegangen sind, wurden gestern mittlerweile 13. Mal vergeben.

Der Preis fürs Lebenswerk ging an “Deutschlands Internet-Erklärer Nummer eins” Sascha Lobo, der als Blogger bekannt wurde, sich mittlerweile aber vor allem als Buchautor und mit seiner SPIEGEL-Kolumne einen Namen macht – und einem eigenen Podcast, in dem er jede Woche eine Stunde lang die Kommentare zu seiner Kolumne seziert und dabei auch immer wieder seine eigene Meinung überdenkt.

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Der Bloggerin und Historikerin Marie Sophie Hingst wurde der Blogger-Preis 2017 in diesem Jahr aberkannt, nachdem bekannt wurde, dass sie ihre angebliche jüdische Familiengeschichte samt 22 Holocaust-Opfern erfunden hatte.

Auf der Liste der Preisträger finden sich auch weitere bekannte Namen: Tim Mälzer gewinnt für “Fiete Gastro” den Preis für den besten Podcast. Dorothee Bär erhält ihn als “Beste Bloggerin ohne Blog”, weil sie es schafft, sich auch ohne klassisches Blog eine Stimme im digitalen Diskurs zu verschaffen. Und für seinen bemerkenswerten Twitter-Account wird der CDU-Politiker Ruprecht Polenz mit 73 Jahren bester Newcomer.

Die Goldenen Blogger sind jedes Jahr aber auch deshalb einen Blick wert, weil sich auf der Liste der Preisträger eine ganze Reihe wertvoller und interessanter Blogs finden, in die Privatleute viel Herzblut stecken: vom Podcast “FRÜF – Frauen reden über Fußball” über das Tagebuch “Alzheimer und wir” und das Medizinblog “Schwesterfraudoktor” bis zu völlig verrückten Projekten wie dem Hubschrauberblog “Helikopter Hysterie ZWO”.

Es lohnt sich, die lange Liste der Preisträger und auch die noch längere Liste der Nominierten durchzugehen. Darin stößt man jedes Jahr auf wirkliche Perlen – mit denen die Preisverleihung auch zeigt, dass die Blogosphäre nach wie vor sehr lebendig ist.

(Offenlegung: Daniel Fiene, der die Goldenen Blogger mit veranstaltet und moderiert, ist ein Freund und Kollege von mir. Was aber nicht der Grund ist, warum ich hier über die Veranstaltung berichte.)

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

18 Kommentare

  1. Also ich bin erschrocken und depremiert das so ein Block ein Echo findet. Habe schon einige Artikel gelesen und immer weichen die Kommentre von der Realität ab. Das ist schon krimminelll und es wundert mich das überhaupt erlaubt ist solche Falschmeldung zu generieren. Demokratie und Warheit ade.

    • GRUSELIG! :-( am

      “Also ich bin erschrocken und deprimiert, dass so ein Blog ein Echo findet. Habe schon einige Artikel gelesen, und immer weichen die Kommentare von der Realität ab. Das ist schon kriminell und es wundert mich, dass es überhaupt erlaubt ist solche Falschmeldung zu generieren. Demokratie und Warheit ade.”

      Wirklich kriminell ist leider Ihre Sprache – falls der Text diese Bezeichnung noch verdient…:
      11 (!) Fehler in gerade einmal 2 3/4 Zeilen Text: GRUSELIG! :-((((((

      Oben habe ich hingeschrieben, wie diese Zeilen fehlerfrei lauten.

  2. Würde man „politische Falschmeldungen“ von allen Seiten aufdecken und „verschobene Framings“ in alle Richtungen „entlarven“, wäre das ein Beitrag „zu einem gesunden demokratischen Diskurs“. So ist das einfach nur eine Filterblase zur gegenseitigen Bestätigung.
    Es ist sinnlos, von der eigenen Richtung bereits überzeugte von der eigenen Richtung zu überzeugen. Damit kann man nichts anfangen.

  3. Zu Einseitig der Volksverpetzer.
    Postet auch Screenshots ohne Link. So MUSS ich dem Glauben schenken was dort geschrieben steht ohne es selber überprüfen zu können. Habe schon mal versucht aufgedecktes selber zu finden. Ohne Erfolg.

  4. Über Tote sagt man nichts Schlechtes. Vielleicht ist es nicht erstrebenswert, Blogger des Jahres zu werden, wenn man ein sensibleres Gemüt hat und mit der Wahrheit zu kreativ umgeht. Die selbstgerechten Hinter-Alles-Wisser könnten einen in den Tod treiben. Frau Hingst war krank. Dass man sich vom Charme ihrer Geschichten einfangen lassen konnte, ohne alles für bare Münze zu nehmen, was sie schrieb, war möglich. Leider haben weder der Goldene Blogger noch die Qualitätsmedien hinreichend recherchiert, bevor sie Frau Hingst mit öffentlicher Aufmerksamkeit überhäuften. Herausgefunden hat es auch nicht der Spiegel, sondern kritische Fachkollegen. Die Verleihung des Goldenen Bloggers könnte zu ihrem viel zu frühen Tod beigetragen haben. Ein dezidierter Wahrheitskodex ist mir für Blogger im Gegensatz zu Journalisten nicht bekannt. Wer depubliziert eigentlich Herrn Trump und erkennt ihm Preise ab, wenn er fake news verbreitet? Eigentlich hatte ich gehofft, dass die Zeit für eine selbstkritische Aufarbeitung Causa Hingst schon gekommen sein könnte. Der hier leider nur wiederholte WDR-Beitrag hat mich eines Besseren belehrt. Sicher war die Erfindung jüdischer Vorfahren kritikwürdig. Die Todesstrafe dürfte aber auch für den WDR unangemessen sein, für die genannten Vergehen von Frau Hingst. Aber Herr Relotius und Herr Trump leben noch und Frau Hingst ist tot. Das Internet kann ein gefährlicher Ort sein. Wenn Sie Blogger werden wollen, fragen Sie vorher Ihren Arzt oder Apotheker.

  5. Hr. Grau am

    Hallo Herr Hardy,
    mir geht es exakt genauso, ich lese auch ein bis zwei Mal die Woche was der Volksverpetzer schreibt und bin teilweise stark erschüttert über die extrem linksausgerichtete Meinungsmache die dort betrieben wird.
    Nach dem Attentat in Halle trug der erste Beitrag dort die Überschrift: “Darum müssen jetzt alle Antifaschisten sein” und es war ein unverpixeltes Bild eines niedergeschossen Opfers das blutend am Boden liegt darunter zu sehen. Das muss man sich mal vorstellen, brutalste politische Beeinflussung mit Hilfe einer Opfers… Ich glaube sowas nennt man Instrumentalisierung und wird grundsätzlich verachtet und sofort “bloßgestellt” wenns der politische Gegner macht. Die Herrschaften vom Volksverpetzer dagegen stehen ja auf der linken also der guten Seite und dürfen das was sie selbst anprangern natürlich machen und teils noch weitaus überspitzter.
    Das ist nur ein Beispiel von vielen und einen Preis für Ihre Arbeit sowie die wohlwollende und unkritische Darstellung dieses definitiv einseitig links, politisch beeinflussenden Meinungsmacherkollektives hätte ich nie erwartet.
    Hr. Horn, haben Sie sich denn selbst mal tiefergehend mit dem Inhalt der Beiträge des Volksverpetzers auseinander gesetzt?

    • Dennis Horn am

      @Hr. Grau: Was Sie hier lesen, ist zunächst einmal nur ein Bericht über eine Preisverleihung, der wenige Stunden nach dieser Verleihung erschienen ist. Für kritische Stimmen gibt es ja zumindest einen Raum hier in den Kommentaren.

      Und kurz off-topic und ohne den konkreten Artikel zu kennen: eine Haltung gegen Faschismus ist für mich keine, zu der man mich politisch beeinflussen müsste. Sie ist für mich gesellschaftlicher Konsens und Grundlage unseres Grundgesetzes.

  6. Ich bin fast sprachlos. Ich lese Volksverpetzer tatsächlich ab und zu, aber nur, um die Artikel mit meinen Freunden zu teilen, weil sie so herrlich verblendet und offenkundig linksextremistisch sind. Mit Demokratie haben die Artikel von Volksverpetzer aber rein gar nichts zu tun. Offen gesagt war ich immer der Ansicht, wenn der Verfassungsschutz von Volksverpetzer Kenntnis nehmen würden, würde dieser diese Feinde der Meinungsfreiheit und somit auch der Verfassung kurzerhand verbieten. Zwischenzeitlich habe uch sogar darüber nachgedacht, den Blog zu melden…wenn er nichg so herrlich weltffemd und lustig wäre.

  7. “…. ein Blog, das politische Falschmeldungen aufdeckt, verschobene Framings entlarvt und mit seiner Arbeit zu einem gesunden demokratischen Diskurs beitragen möchte”.
    Hmh, habe mir gerade mal den Blogeintrag “Aachen: Messer-Nazis greifen Frauendemo an – und werden verprügelt”.
    Um den (doch recht reißerischen) Titel zu bestätigen, werden im Text drei Primärquellen genannt: ein Twitter-Antifa-Account, ein indymedia-Eintrag (Nachfolger der hierzulande verbotenen “Linksunten”) und ein Artikel der Aachener Nachrichten, der mir in diesem Zusammenhang tatsächlich die einzig seriöse Quelle zu sein scheint. Dort findet sich zum Geschehen folgende Aussage:
    [Zitat] “… Da zeitgleich eine größere Versammlung anlässlich des Weltfrauentags auf dem Markt stattfand, seien umgehend Beamte der Einsatzhundertschaft hinzugezogen worden, um sicherzustellen, dass die friedliche Demo vor dem Rathaus mit schätzungsweise 250 Teilnehmern, die vor allem gegen Gewalt an Frauen demonstrierten, durch die offensichtlich hoch aggressiven Extremisten nicht behelligt wurde….”.
    Und die Demo gegen Gewalt an Frauen wurde offensichtlich auch gar nicht behelligt. Zudem kein einziges Wort zu einem Angriff von “Messer-Nazis” auf die Frauendemo. Lediglich ein Verweis auf einen Paywall-Beitrag “Streit am Elisengarten: Polizei Aachen ermittelt in alle Richtungen – Mit Messer und Schlaghandschuhen : Zwei bewaffnete Neonazis und 30 Linke prügelten sich”.
    Also, ich erkenne hier nichts anderes, als die Anwendung gleicher, fragwürdiger (eher populistischer bis dümmlicher) Stil-Mittel mit denen rechte Blogger (z. B. gegen “messernde Migranten”) Stimmung machen bzw. machen wollen. Auf mich wirkt das eher, wie “faktenbasierte Rache” – nur mit anderen Vorzeichen.
    Wie das nun tatsächlich zu einem “gesunden[!], demokratischen[!] Diskurs[!]” beitragen soll, bleibt mit rätselhaft. Aber, ich bin durchaus lernfähig und lasse mir gerne von Profis erklären, das o.g. Artikel (nebst Quellen) journalistischen Standards der Verifizierung durchaus genügt.

    • Dennis Horn am

      @Florian: Statt diesen Kommentar hier unterzubringen: Vielleicht richten Sie diese Kritik an die Macher des Blogs selbst? Die freuen sich bestimmt über konstruktive Kritik – denn die macht ein Angebot am Ende nur besser.

      • Ich habe mich ganz bewusst an Sie gewandt, weil Sie schrieben (nicht etwa zitierten) “… ein Blog, das politische Falschmeldungen a u f d e c k t [Anm. nicht aufdecken möchte], verschobene Framings e n t l a r v t [Anm. nicht entlarven möchte] und mit seiner Arbeit zu einem gesunden demokratischen Diskurs beitragen möchte.” [Anm. hier steht tatsächlich “möchte”]. Bin also, aufgrund dieser/Ihrer Bewertung, davon ausgegangen, dass Sie, als Journalist, die a.a.O. beschriebene Arbeitsweise des Blogs unterstützen.
        Ihre ausweichende Antwort, werte ich daher als “elegant-diplomatische Umschiffung”. Hab’s kapiert, Herr Horn – trotzdem: Danke für Ihre Rückmeldung. ;)

        • Dennis Horn am

          @Florian: Wenn Sie sich wegen Formulierungsfragen zu sprachlichen Feinheiten in Indikativ und Konjunktiv ganz bewusst an mich wenden: Warum beschäftigen Sie sich in Ihrem Kommentar dann mit Faktenfragen, die Ihnen die Macher des Volksverpetzers mit Sicherheit besser beantworten können? Mir wird Ihr Anliegen nicht wirklich klar; konstruktiv wirkt es auf mich nicht.

          • SPRACHE_IST_BEWUSSTSEIN! am

            @Dennis Horn:
            Was, wenn nicht der Journalismus jedweder Couleur artikuliert sich DURCH SPRACHE?
            Es geht also bei Leibe nicht um “Feinheiten”, sondern darum zu begreifen und zu verinnerlichen, daß Sprache nicht nur AUSDRUCK von Bewußtsein ist, sondern auch Bewußtsein SCHAFFT!
            DESWEGEN haben alle Journalist*innen eine solch’ gewaltige Verantwortung.
            Also spielen Sie bitte nicht Florians Kritik als vernachlässigbare, weil “nur” die angeblichen “Feinheiten” kritisierend herunter:
            DAS läßt ja auch durchaus Schlüsse zu…

          • @Herr Horn: Wenn mein Anliegen nicht “konstruktiv” auf Sie wirkt, dann habe ich es entweder unklar formuliert oder Sie überschätzt.
            Ich wollte die Stellungnahme eines unabhängigen, journalistischen Profis, der ansonsten (auch in diesem Blog) erpicht darauf ist, durchgängig faktengetreu (!) zu argumentieren und der hier eben ein Blog bewertet(!), welches das, aufgrund äußerst zweifelhafter bzw. falsch interpretierter Quellen im o.g. Beispiel, ganz offensichtlich nicht tut. Das hat mit Feinheiten im Konjunktiv und Indikativ absolut nichts zu tun. Wenn Sie(!) Bewertungen vornehmen, sollten Sie(!) auch mit Gegenfragen rechnen; sofern Ihnen deren Beantwortung zu unbequem ist, müssen Sie die Kommentarfunktion oder eben mich sperren.
            Hätten Sie klar (und nicht verklausuliert, “durch die Blume”) z. B. “Dazu kann und will ich (!) mich hier nicht äußern.” geantwortet, statt mich auf die Blogverantwortenden zu verweisen, so hätte ich das akzeptiert. Wenn ein Journalist z. B. schreibt: “Alles, was die Bundesregierung bisher in der Corona-Krise geleistet hat, ist hervorragend.”, dann sollte er sich m. E. auch konkret jenen Leserfragen stellen, die Beispiele bringen, was nicht gut läuft, oder? Stattdessen einen Verweis, wie etwa “Wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen direkt an die Bundesregierung.”, zu bringen, halte ich(!) tatsächlich für wenig zielführend und konstruktiv!

          • Dennis Horn am

            @SPRACHE_IST_BEWUSSTSEIN!: Oh, nichts gegen Feinheiten! Selbstverständlich schafft Sprache Bewusstsein. Und weil sie es tut, könnte man sie nutzen, um klar zu formulieren, worum es einem geht. Das hat Florian meines Erachtens nicht getan, und das ist, was ich zum Ausdruck gebracht habe.

            @Florian: Was Sie hier lesen, ist zunächst einmal ein Bericht über eine Preisverleihung, der wenige Stunden nach dieser Verleihung erschienen ist. Über das Thema des Artikels diskutiere ich hier gerne, über sprachliche Aspekte des Artikels genauso. Was Sie aber mit Ihrem ursprünglichen Kommentar äußerten, war Kritik zu Inhalten des Volksverpetzers – auf einem Level, zu dem ich unter einem Artikel über eine Preisverleihung nur wenig beizutragen habe.

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