Diese Anzeigen muss man sich leisten können

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Diese Anzeigen muss man sich leisten können

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Wie wird man die wertvollste Marke der Welt? Richtig: Indem man sich ganz genau überlegt, wie man dem Wettbewerb stets eine Nasenlänge voraus ist. Da sind auch ungewöhnliche Ideen willkommen. Apple denkt über neue Werbeformate nach. So will Apple Kunden auf Mobilgeräten künftig gezielt Anzeigen für Produkte oder Angebote zeigen, die sie sich auch leisten können.

Wer gerne Geld ausgibt, dem werden eher teure Angebote unterbreitet – wer sich so etwas nicht leisten kann (oder will), der bekommt die Anzeige erst gar nicht zu sehen. Es geht also nicht um die Interessen – dem Status quo bei Online-Reklame -, sondern um die Bonität des einzelnen.

Apple Pay; Rechte: Apple
Die Bonität entscheidet, welche Anzeigen man präsentiert bekommt

Wie ist Dein Kontostand?

Bei Online-Anzeigen hat sich bislang noch niemand getraut, die Bonität zur Grundlage zu machen. Dieser Patentantrag erklärt, wie Apple sich das konkret vorstellt: Apple will im Hintergrund eine Art Scoring durchführen. Dazu schnüffelt der Betreiber im Kontostand der Prepaid-Karte, überwacht und analysiert früheres EInkaufsverhalten oder bewertet die Höhe der Mobilfunkrechnung. Bedenkt man, dass Apple in USA bereits seinen eigenen Bezahldienst Apple Pay eingeführt hat, bekommt die Sache einen wirklich unangenehmen Beigeschmack.

Und noch etwas wäre denkbar: Der Einkauf der über die neuartigen Anzeigen angebotenen Waren und Dienstleistungen könnte natürlich auch direkt über Apple Pay abgewickelt werden. Eine vorweggenommene Bonitätsprüfung hat es dann schon gegeben. Das alles wäre denkbar – ist aber ausdrücklich noch nicht geplant. Apple hat lediglich einen entsprechenden Patentantrag eingereicht. Apple-Chef Tim Cook betont gerne, dass er Nutzerdaten nicht monetarisieren möchte (anders als Google). Wenn er Wort halten will, dürfte er sein Patent nicht umsetzen. Manche vermuten daher, Apple wolle lediglich die Konkurrenz davon abhalten, ein solches Anzeigen-System einzuführen.

Apples Patentantrag im Detail: Auch Kaufentscheidungen fließen ins Scoring ein; Rechte: Apple
Apples Patentantrag im Detail: Auch Kaufentscheidungen fließen ins Scoring ein

Wer mehr zahlen kann, soll mehr zahlen

Nach dem Kontostand beurteilt zu werden, hinterlässt bei den meisten (verständlicherweise) ein unangenehmes Gefühl. Dabei ist so etwas absolut üblich. Irgendwie schaffen es ja zum Beispiel auch die Hersteller von Luxusautos, die passende Klientel mit Angeboten zu versorgen. Wer sich keinen 100.000-Euro-Schlitten leisten kann, bekommt auch nur selten ein Angebot für eine Probefahrt zugeschickt. Letztlich wird auch hier im Vorfeld nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sondiert.

Doch auch in der Onlinewelt wird schon lange nach Ausgabefreudigkeit unterschieden. Manche Onlineshops präsentieren Apple-Nutzern höhere Preise als Windows-Nutzern, etwa bei Reiseangeboten. Weil jeder weiß und statistisch belegt ist: Apple-User geben mehr Geld aus. Im Grunde ist auch das nicht weiter verwunderlich. Jeder, der etwas verkauft, versucht einen maximalem Preis auszuhandeln – und wer einkauft, einen minimalen. Im Zentrum Venedigs kostet der Espresso auch mehr als in Spanien auf dem Land.

Im Grunde will sich Apple etwas patentieren lassen, was längst Usus ist. Weltweit. Die Frage ist nur, ob Apple das später auch in die Tat umsetzt – und dazu auf Daten zurückgreift, die Rückschlüsse über die Zahlungsfähigkeit zulassen. Das dürfte dem Ruf schaden.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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